Autos rasen in Herford gegen Hauswand – Versicherung zahlt nur den Zeitwert
Rentner bleibt auf Kosten sitzen

Herford (WB). Im Sommer rasen zwei betrunkene Autofahrer gegen ein Haus in der Stadtholzstraße in Herford. Ein Gutachter hat den Schaden auf 70.000 Euro beziffert. Die Versicherung zahlt jedoch nur den Zeitwert – gerade einmal die Hälfte.

Dienstag, 02.04.2019, 04:44 Uhr aktualisiert: 02.04.2019, 04:50 Uhr
Ein Bild der Verwüstung bietet sich den Rettern in der Nacht zum 3. August 2018. Zwei Autos waren gegen die Hauswand gerast, dieser BMW hatte zuvor die Garage durchbrochen. Die jungen Fahrer standen unter Alkoholeinfluss und waren deutlich zu schnell. Foto: Moritz Winde

Wilfried Drake hat den Glauben an die Welt verloren. Der Rentner steht auf seinem Grundstück und schüttelt immer wieder fassungslos den Kopf. »Haus und Doppel-Garage waren gerade frisch renoviert. Alles war picobello.« Und dann passierte das, wovon er noch heute Albträume habe.

In der Nacht zum 3. August 2018 wird das Ehepaar aus dem Schlaf gerissen. »Plötzlich hat es geknallt. Dann hat es wie wild gestaubt. Eine Frau schrie. Ich dachte, eine Bombe hätte eingeschlagen«, sagte Wilfried Drake damals.

Ein Fenster, das mal 1400 Euro kostete, ist heute nur noch 500 Euro wert

Heute sind einige Schäden behoben. Doch es ist noch viel zu tun.

Heute sind einige Schäden behoben. Doch es ist noch viel zu tun. Foto: Moritz Winde

Welch unschönes Nachspiel der Unfall für den Geschädigten haben würde, sei ihm damals noch nicht klar gewesen. Jetzt weiß es der Hauseigentümer besser. Acht Monate liegen inzwischen hinter ihm. »Acht Monate voller Ärger und Arbeit. Gefühlt bin ich um zehn Jahre gealtert«, sagt er. »Dabei möchte ich doch nur, dass alles so aufgebaut wird wie vorher. Ist das zu viel verlangt?«

Zumindest ist eine Reparatur der Garage – ein Auto hatte sie durchbrochen – laut Statiker nicht möglich. Das Gebäude drohte einzustürzen und musste abgerissen werden. In dieser Woche soll eine neue Garage installiert werden. »Die ist aber kleiner. Mehr konnte ich mir nicht leisten«, bedauert Wilfried Drake, der auf einem Teil der Kosten sitzen bleibt.

Denn die Versicherung des Verursachers muss nur den Zeitwert erstatten. Eine Wiederherstellung des alten Zustands sei mit dieser Summe nicht möglich, sagt der 77-Jährige. Die Tatsache, dass die Handwerkerpreise exorbitant gestiegen sind, werde überhaupt nicht berücksichtigt. Für ein kaputtes Fenster, das 1400 Euro gekostet hat, habe er 500 Euro erhalten. »Dafür kriege ich kein neues. Das ist ungerecht.«

Autofahrer müssen Führerschein abgeben

Nicht nur Garage und Fenster, auch Zaun, Hauswand, Treppe, Vorgarten und Hofpflaster wurden bei dem Unfall beschädigt. Vieles sei nicht mehr zu retten gewesen.

Anwalt Jochen Meyer zu Bexten kann den Frust seines Mandanten nachvollziehen. Doch die Gesetzgebung sei eindeutig. Deshalb habe er auch von einer zivilrechtlichen Klage abgeraten. »Fährt jemand in mein altes Auto und verursacht einen Totalschaden, bekomme ich nur das, was das Auto heute noch wert ist– unabhängig ob es gut gepflegt ist oder super läuft. Man hat dann einfach Pech.«

Die Autofahrer wurden im Februar zu einer Geldstrafe verurteilt. Außerdem müssen sie sechs Monate den Führerschein abgeben.

 

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