ADFC-Kreisvorsitzender Michael Cremer stellt Jahresprogramm vor
Ja, er ist mit’m Radl da

Herford (WB). Ob Kälte oder Hitze, Regen oder Schnee – wetterfühlig ist Michael Cremer nicht. Jeden Morgen steigt er auf’s Rad und fährt fröhlich zu seiner Arbeit ins Rathaus. Vor sieben Jahren hat der Vorsitzende des ADFC-Kreisverbandes sein Auto abgeschafft.

Freitag, 08.03.2019, 15:00 Uhr
Täglich nutzt Michael Cremer, Vorsitzender des ADFC-Kreisverbandes Herford, eines seiner vier Fahrräder. Sein Auto hat er vor sieben Jahren abgeschafft. Für längere und bergigere Strecken nutzt der 59-Jährige mittlerweile auch ein E-Bike. Foto: Bärbel Hillebrenne

»Schlechtes Wetter gibt’s nicht, nur schlechte Kleidung.« Ein Spruch, bei dem die meisten Menschen dennoch kneifen und sich ins Auto setzen – Michael Cremer nicht. »Strömenden Regen finde ich auch nicht toll, aber ans Ziel komme ich mit dem Rad doch bei jedem Wetter«, sagt der Verwaltungsfachwirt, der bei der Stadt Herford für Ausländerangelegenheiten zuständig ist. Er wirbt derzeit für das aktuelle Jahresprogramm des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (siehe Kasten) mit 85 Touren.

Wo geht’s denn hin?

Fünf Ortsgruppen des ADFC im Kreisverband Herford stellen jedes Jahr ihre Tourenpläne zusammen, die wiederum im Jahresprogramm erfasst und in einer Auflage von 10.000 Exemplaren gedruckt werden. Start der Saison ist immer am letzten Märzsonntag. Am 31. März geht es von Herford, Löhne, Bünde und Enger aus nach Löhne-Oberbehme zur neuen Gaststätte »Mühlenwerk 1857«. Zwischen 60 und 100 Teilnehmer werden zu den jeweiligen Fahrten erwartet.

Das neue 50-seitige Programm stellt sämtliche 85 Touren vor, die von etwa 70 Guides an Sonn- und Feiertagen geführt werden. Einige Guides sind auch für die wöchentlichen Nachmittags- und Abendfahrten zuständig. Sie werden vorher geschult in Rechtsfragen, Abrechnungsmodalitäten und Erster Hilfe.

Angeboten werden Tagestouren und mehrtägige Etappen auf verkehrsarmen Routen, die sogar bis in die Niederlande gehen. Andere Ziele sind Museen, Höfe, Moore oder Orte mit besonderen Veranstaltungen wie Mühlentag oder Gesmolder Kirmes. Seit zehn Jahren gibt es einen Radler-Gottesdienst, dieses Mal am 27. April in Spradow.

...

4000 Kilometer im Jahr

Bis Mitte 40 nahm Cremer nur gelegentlich den »Drahtesel«. Dann aber lud der frühere NRW-Verkehrsminister Axel Horstmann zu einer Radtour durch den Kreis Herford ein, um Gefahrenpunkte kennenzulernen. Michael Cremer fuhr mit – auf einem Liegerad.

Die Diskussion mit dem Minister über Verkehrssicherheit für Fahrradfahrer war schließlich der Auslöser. »Da hatte ich Blut geleckt und bin von vier auf zwei Räder umgestiegen.« Mittlerweile hat er kein Auto mehr, dafür vier Bikes zur Auswahl. Im Jahr kommen fast 4000 Kilometer zusammen.

Werbung für Verkehrssicherheit

Seit 14 Jahren ist Michael Cremer nun Mitglied im Herforder Kreisverband des ADFC, seit vier Jahren im Vorstand, seit 2016 dessen Vorsitzender. Denn beim Radeln gehe es ihm nicht nur um Gesundheit, um Strampeln in schöner Landschaft oder den Spaß in der Gemeinschaft.

Cremer wirbt außerdem für mehr Verkehrssicherheit für die Pedaltreter. Deshalb unterstützt er auch die Initiative »Aufbruch Fahrrad«, die sich für eine politische Verkehrswende einsetzt. An der großen Sternfahrt am 2. Juni, bei der in Düsseldorf 66.000 Unterschriften an die Landesregierung übergeben werden sollen, nimmt er teil.

Viele Gefahrenpunkte in Herford

Und in Herford? Was kann man in seiner Heimatstadt verbessern? »Da gibt es eine Menge. Nehmen Sie die Mindener Straße: Seit Jahrzehnten wird hier nichts für Radler gemacht. Kein Radweg, nicht mal eine markierte Abgrenzung, nichts. Und weiter über die B61 bis Löhne wird es richtig gefährlich.«

Bismarck- und Hansastraße seien stark frequentierte Verkehrswege, ebenso Berliner Straße und Auf der Freiheit. Auf der Hermannstraße sei kein Platz für Radfahrer, die Fahrbahn viel zu eng. »Da zögern sicher manche Menschen, sich in den Sattel zu schwingen. Sie nehmen dann lieber das Auto, obwohl die meisten Strecken weniger als fünf Kilometer lang sind«, sagt Michael Cremer.

Drei Schwierigkeitsgrade

Freizeitradeln im ADFC ist deshalb für den 59-Jährigen eher mit Freude an der Bewegung verbunden. In seinem Radlerleben hat er schon viele Berge und Strecken überwunden. Seine schwierigste sei die Überquerung der Alpen gewesen, seine längste eine mehrtägige Fahrt nach Wien.

Bei den diesjährigen 85 Angeboten aber sei für jeden etwas dabei – Strecken mit drei Schwierigkeitsgraden stehen zur Auswahl. Auf den Sattel schwingen sich die Teilnehmer – die meisten sind um die 60 Jahre alt – bei jedem Wetter, nur bei Sturm fällt mal ein Termin aus. Die Tagestouren sind zwischen 40 und 80 Kilometer lang, Kaffeepausen gibt’s immer. Kürzer und auch für spontane Mitradler geeignet sind die Abend- und Nachmittagsfahrten.

Nicht das Rasen stehe im Vordergrund, sondern das gemütliche Pedaltreten. Wichtig seien ein verkehrssicheres Bike und der Helm. Michael Cremer: »Der ADFC bietet außerdem die Codierungen für neue Räder an, alle Termine stehen im Programmheft.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6456139?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Krisenstab mietet Wohnsiedlung für positiv getestete Tönnies-Mitarbeiter an
Symbolbild. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker