Experten nehmen im Auftrag von Straßen NRW Brücke über die B61 unter die Lupe
Mit dem Hammer auf Hohlraum-Suche

Herford (WB). Mit einer Taschenlampe leuchtet Klaus Marx von einer Hubarbeitsbühne aus in die hintersten Winkel der Brückendecke über der B61. Er schlägt mit dem Hammer gegen den massiven Beton, prüft das Bauwerk genau auf kleine Schäden. Eine Prüfung wie hier an der Umgehungsstraße findet an Brücken in NRW alle sechs Jahre statt.

Dienstag, 05.03.2019, 09:58 Uhr aktualisiert: 05.03.2019, 10:23 Uhr
Mit einem langen Schwenkarm werden die Prüfer unter die Decke der Brücke über die B61 gefahren, um das Bauwerk aus der Nähe besser in Augenschein nehmen zu können. Der Geologen-Hammer hilft ihnen, Hohlräume im Bauwerk aufspüren. Foto: Lukas Brekenkamp

Etwa 12.000 Bauwerke müssen in diesem Intervall auf Herz und Nieren untersucht werden. Klaus Marx ist bereits seit 22 Jahren Brückenprüfer. Gemeinsam mit Techniker Daniel Krynewiki schaut der Bauingenieur genau hin, ob sich zum Beispiel Risse oder gar Hohlräume im Beton gebildet haben.

»Hier an der Brücke machen wir eine visuelle Prüfung«, erklärt er. Immerhin ist das Bauwerk erst wenige Jahre alt. Trotzdem sucht Marx mit seiner Lampe akribisch nach Schäden. Der Geologen-Hammer hilft, Hohlräume im Beton aufzuspüren.

Auch die Brückenlager inspiziert der Prüftrupp. Bereits im Januar war Marx in Herford, um das Bauwerk zu begehen und sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Dabei wurde auch Straßenbegleitgrün zurückgeschnitten – das ist aus Naturschutzgründen nur bis Ende Februar erlaubt.

Schwindelfreie Brückenprüfer

Insgesamt gibt es in NRW zwölf solcher Prüftrupps, bestehend aus einem Techniker und einem Ingenieur – sechs in Westfalen, sechs im Rheinland. »Jeder Trupp hat in sechs Jahren 1200 bis 1300 Bauwerke zu kontrollieren«, so Marx: »Das ist eine Menge Arbeit.«

Überschlägig komme man so auf etwa 200 Prüfungen im Jahr. Dass es dabei einige Meter in die Höhe geht, schreckt den 64-Jährigen nicht: »Als Brückenprüfer sollte man damit keine Probleme haben«, sagt er.

Marx ist unter anderem zuständig für den nördlichen Bereich von OWL, aber auch für das Wittgensteiner Land. Dazu gehört die Talbrücke Nuttlar im Verlauf der A46 im Sauerland – sie ist mehr als 100 Meter hoch und wird mit einem so genannten Brückenuntersichtgerät inspiziert: ein Wagen, der auf dem Bauwerk steht und von oben eine Plattform unter die Brücke fahren kann.

Einsatz über der Aa

Dieses Gerät werde auch zum Einsatz kommen, wenn der Prüftrupp das nächste Mal in Herford ist: Im März ist laut Marx die Brücke über die Aa an der Reihe, direkt neben dem B61-Bauwerk.

Der Check der Brücke in Herford dauert einen Tag. Danach schreibt Marx einen Bericht, listet die Schäden auf und bewertet sie. Dabei gebe er lediglich eine Handlungsempfehlung, betont der Experte. Die weitere Vorgehensweise und die Frage, inwieweit Schäden ausgebessert werden müssen, liege beim Landesbetrieb Straßen NRW und dem Bauamt.

Neben der Hauptprüfung gibt es laut Straßen-NRW-Sprecher Sven Johanning alle drei Jahre eine Einfachprüfung: »Unsere Brücken stehen unter besonderer Beobachtung, weil sie sehr teuer sind«, sagt er. Und deshalb werden die Brücken nicht nur im Sechs- und Drei-Jahres-Intervall geprüft: Laut Johanning gibt es darüber hinaus zweimal jährlich eine Augenscheins-Prüfung ohne besondere Hilfsmittel. Anlassbezogen gebe es zudem Sonderprüfungen, beispielsweise nach Unfällen.

Der Brücke über die B61 kann Klaus Marx ein gutes Zeugnis ausstellen: »Hier haben wir nur ganz geringfügige Schäden. Das Bauwerk ist in sehr gutem Zustand.«

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