Ein starker Max Tidof überzeugt in der Titelrolle von Shakespeares »Richard III.«
Der über Leichen geht

Herford (WB). Die Aufführung ist gerade einmal einige Sekunden alt, da fällt auch schon der Kopf des ersten Königs. Shakespeares Drama »König Richard III.« hat am Sonntag die 350 Besucher im Stadttheater mit in eine düstere, post-apokalyptische Welt mitgenommen.

Montag, 04.03.2019, 17:32 Uhr aktualisiert: 04.03.2019, 17:36 Uhr
Niemand hat Richard etwas entgegenzusetzen, er zieht die Fäden auf dem Weg zu Macht. Max Tidof (Mitte) verkörpert in der Inszenierung der Schauspielbühnen in Stuttgart den düsteren Shakespeare-Charakter mit starker Bühnenpräsenz. Foto: Hoffmeier

Die Shakespeare-Fassung der Schauspielbühnen in Stuttgart spielt nicht wie das Original im 15. Jahrhundert, sondern wurde von Regisseur Manfred Langner und seinem Team in eine Zukunfts-Dystopie verwandelt. Eine Ansage aus dem Off zu Beginn macht deutlich, dass es nur ein katastrophales Ereignis oder einen flächendeckenden Stromausfall braucht, um das Leben, wie wir es kennen, auf einen Schlag aus den Angeln zu heben. Und so findet sich der Zuschauer gleich zu Beginn inmitten einer von tristen Mauern gesäumten Kulisse. Videoprojektionen im hinteren Teil zeigen menschenleere Szenerien mit letzten Trümmern der einstigen Zivilisation.

Intrigen und Manipulationen

Die Welt nach der Apokalypse ist eine solche, die Shakespeares Figur Richard von Gloucester Nährboden für seine Intrigen und Manipulationen gibt. In ihr schafft der Tyrann es, eine totalitäre Herrschaft zu etablieren. Richard ist ein Mann, der sich dafür entschieden hat, der Bösewicht zu werden und dies auch in all seinen Zügen genießt. Nacheinander bringt er alle Verwandten um, die ihm durch ihren Platz in der englischen Thronfolge gefährlich werden können – und das fast bis zum Schluss ohne jegliche Gewissensbisse.

Der aus vielen Fernsehfilmen bekannte Schauspieler Max Tidof verkörpert die Titelfigur als exzentrischen Machthaber mit finsterem Lachen. Selbst von der Badewanne aus, eine Zigarre in der Hand, zieht er noch die Fäden. Dass dem Zuschauer Parallelen zu aktuellen Figuren des Weltgeschehens, wie etwa Trump und Erdogan in den Sinn kommen, ist vom Regisseur so gewollt. Die Botschaft: Machtmenschen gibt es überall und zu jeder Zeit.

Meisterstück unter Shakespeares Königsdramen

»Richard III.« zählt zu den Meisterstücken unter den Königsdramen Shakespeares. Grundlage ist die Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel.

Stilistisch hat die Inszenierung einiges zu bieten: Der Thron ist ein ausrangierter Friseurstuhl, die Kostüme von Uschi Haug sind der Shakespeares-Zeit entlehnt, aber auch der Moderne und dem Steampunk. Die Henkerknechte tragen Sturmmasken und Elisabeth (Stephanie von Borcke) hat eine Zahnradkette um den Hals, die sie wie einen Rosenkranz zum Beten benutzt. Sie und die anderen Figuren scheinen in Lethargie versunken, während ein Mord nach dem anderen geschieht. Niemand hat Richard etwas entgegenzusetzen, der seinen Weg zur Macht unbeirrt fortschreitet. Max Tidof verkörpert dies mit starker Bühnenpräsenz. Auch wenn alle elf Darsteller ihre Sache gut machen, so ist vor allem er es, der dem Zuschauer im Gedächtnis bleibt.

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