Neue Ausstellung mit fünf Videoarbeiten aus Israel wird am Freitagabend eröffnet – mit Video
Großes Kino im Marta

Herford (WB). Ein Mann sitzt in einem Kühlschrank, in der Hand hält er einen großen Hammer. Die neue Ausstellung im Herforder Marta, in deren Mittelpunkt Videos stehen, wird am Freitag eröffnet. Sie führt in eine Welt voller Absurditäten.

Freitag, 01.03.2019, 03:30 Uhr
Platz nehmen und staunen: Mit einer Virtual-Reality-Brille lädt Omer Fast zum Kopfkino in 360-Grad-Optik ein. Den Vorführraum hat er wie eine Arztpraxis eingerichtet. Foto: Moritz Winde

»Die Realität . . . ist absurder als jeder Film«: Bereits der Ausstellungstitel mit den drei Pünktchen bereitet den Besucher auf eine Konstellation vor, die die Filme prägt. Ausgehend von der Wirklichkeit wird sie immer brüchiger. Groteske, zum Teil surreale Momente halten Einzug.

Eine verbindende Klammer bildet die Herkunft der Kunstschaffenden, die allesamt aus Israel stammen, und Marta-Direktor Roland Nachtigäller erblickt im Thema des »Unterwegsseins« eine Gemeinsamkeit in den Videos: »Es hat wohl damit zu tun, dass die Künstler Heimat nicht als sicher geglaubten Ort erfahren haben.«

Effekte durch 360-Grad-Optik

Ausstellungsbesucher nehmen Videos oft nur beiläufig wahr. Dieser Gefahr trotzt die Ausstellung, indem Arbeiten aussgewählt wurden, die sofort die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Sogar der längste der Beiträge, der 86-Minuten-Film der Künstlerin Keren Cytter, ermöglicht einen schnellen Einstieg – auch wenn man ihn nicht von Anfang an gesehen hat. Hinzu kommt hier für den Betrachter eine Kissenlandschaft zum Sitzen und Kuscheln.

Besonders spektakulär wirkt die Arbeit von Omer Fast. Drei VR-Brillen stehen zur Verfügung, um den Museumsgänger in die Welt eines alten jüdischen Märchens zu führen. Die 360-Grad-Optik ermöglicht besondere Effekte: In einem Wald scheint ein Mädchen im weißen Gewand auf den Betrachter zuzukommen. Um den Film sehen zu können, müssen sich die Museumsgänger an einer Art Rezeption anmelden. Eine Frau im weißen Kittel notiert die Namen – der Ort, an dem der Film gezeigt wird, ist wie ein Krankenzimmer eingerichtet.

Zu den Voraussetzungen, um in die Filme schnell hineinzukommen, gehören nicht nur die mitunter opulenten Bilder, sondern auch die schnellen Schnitte – keine übertrieben elegische Kameraführung, die Langeweile erzeugen könnte. Bildgewaltig kommt das »Inferno« von Yael Bartana daher. Auf einer 45-Qadratmeter-Leinwand sieht der Betrachter Bilder aus Sao Paulo. Es geht um den Bau eines Tempels, in einer Szene werden weiß gekleidete Menschen gezeigt, die am Himmel drei Hubschrauber erblicken. Die transportieren Gegenstände eines Gotteshauses – in schwelgerischen Bildern, untermalt von einer Musik voller Pathos.

Bei Roee Rosen, dessen Film »The Dust Channel« bereits bei der jüngsten Documenta zu sehen war, geht es anders zur Sache. Operettengesang begleitet den Kampf eines Ehepaares gegen den überall wahrgenommenen Staub. Zum wahren Helden der Groteske und damit zum Mittelpunkt der Operette wird ein Staubsauger.

Geräuschkulisse aus Hollywood

Auch der Film »Soundtrack« von Guy Ben-Ner spielt im häuslich-privaten Umfeld. Die in Israel allgegenwärtige Kriegsbedrohung lässt auch den Haushalt zum Katastrophengebiet werden. Weltgeschichte und Alltagskleinkram scheinen durcheinander zu geraten. Die adäquate Geräuschkulisse stammt aus dem Hollywood-Klassiker »Krieg der Welten« von Steven Spielberg. So hat der Marta-Besucher am Ende des Video-Rundgangs die Gewissheit, dass zur wahren Realität stets auch eine große Portion Irreales gehört.

Die Ausstellung (zu sehen bis zum 10. Juni) wird Freitag um 19.30 Uhr eröffnet. Zur Begleitung dient ein 72-seitiger Guide (vier Euro).

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