Bürgermeister Tim Kähler spricht im Interview über Zukunftsprojekte für Herford
OWL-Forum, Campus und Markthalle

Herford (WB). Seit 2014 ist Tim Kähler Bürgermeister der Stadt Herford. Ob der 50-Jährige 2020 erneut antritt, will der SPD-Politiker nach den Sommerferien bekannt geben. Im Interview mit HK-Redaktionsleiter Ralf Meistes spricht Tim Kähler unter anderem über den Bildungscampus, das Wehr am Bergertor und die neue Markthalle.

Freitag, 01.03.2019, 07:10 Uhr aktualisiert: 01.03.2019, 08:22 Uhr
Als »Premiumprojekt der Bundesrepublik Deutschland«, bezeichnet Kähler die Modernisierung der Markthalle. Am 11. Mai wird die Halle wiedereröffnet.

Vier mögliche Standorte für OWL-Forum

Herr Kähler, bevor wir zurückblicken, welche Projekte möchten Sie bis zur Kommunalwahl im kommenden Jahr noch anpacken?

Tim Kähler: Ich hoffe, dass wir in diesem Jahr eine positive Mitteilung für unser Projekt OWL-Forum erhalten. Eine Veranstaltungsstätte, die Theater, Nordwestdeutsche Philharmonie und weitere Konzertmöglichkeiten beinhaltet, würde unser Profil als Kulturstadt weiter schärfen. Mit Hilfe der Regionale 2022 sehe ich für uns eine reelle Chance, dass wir so ein Kulturzentrum, das in die Region strahlt, errichten können.

 

Dienstleistungszentrum am Güterbahnhof

Wo soll das OWL-Forum denn errichtet werden?

Tim Kähler: Wir prüfen vier Standorte. Ein möglicher Standort wäre eine freie Fläche in der Nähe des Güterbahnhofs. Für diesen Standort sprechen aus meiner Sicht zwei Argumente. Zum einen sind wir als Stadt bestrebt, dass die Bahn die Unterführung im Bahnhof weiter baut, so dass es eine Verbindung vom Elsbach-Areal über den Bahnhof hin zum Gelände des Güterbahnhofs gibt. Eine Glas-/Stahl-Konstruktion könnte den Güterbahnhof umhüllen und es könnte dort ein Dienstleistungszentrum entstehen. Es hat bereits erste Gespräche mit einem privaten Investor gegeben. Auch mit der Bahn haben wir über die umliegenden Flächen gesprochen.

Ein OWL-Forum in der Nähe des Güterbahnhofsgebäudes, auf einer Freifläche in der Nähe der Bahngleise, hätte aber auch den Vorteil, dass alle Zugreisenden, die zum Beispiel vom Ruhrgebiet nach Berlin unterwegs sind, einen Blick auf das Gebäude werfen können. In Verbindung mit dem Marta, der Nordwestdeutschen Philharmonie und dem Archäologischen Fenster am Münster könnten wir noch mehr von uns reden machen.

 

Markthalle wird am 11. Mai wiedereröffnet

Am 11. Mai eröffnet die modernisierte Markthalle. Welche Hoffnungen verknüpfen Sie damit?

Tim Kähler: In erster Linie wird die Markthalle zur weiteren Belebung der Innenstadt beitragen. Dort werden Produkte aus der Region angeboten, in Kombination mit einer gehobenen Gastronomie und einem tollen Erlebnisangebot. Außerdem werden wir an der Fassade eine Plakette enthüllen, auf der steht, dass diese Markthalle ein Premiumprojekt der Bundesrepublik Deutschland ist. Ich denke, das ist etwas, auf das alle Herforderinnen und Herforder stolz sein können. Die Markthalle wird außerdem in die Region ausstrahlen und hoffentlich viele Besucherinnen und Besucher anlocken.

 

Rathausplatz ohne Autos?

Seit Jahren wird darüber diskutiert, dass der Rathausplatz ohne Autoverkehr auskommen sollte. Wie ist Ihre Haltung dazu?

Tim Kähler: Außer der neuen Markthalle realisieren wir ja auch das Archäologische Fenster am Münster. Wir werden deshalb auch einen städtebaulichen Wettbewerb für die Gestaltung des Rathausplatzes ausloben. Es würde mich sehr wundern, wenn das Ergebnis dieses Wettbewerbs lautet, dass die Autos auf dem Rathausplatz verbleiben sollen. Klar ist aber auch, sollten die Fahrzeuge vom Platz verschwinden, müssen wir Alternativen vorhalten.

 

Kähler sieht guten Kompromiss am Bergertor

Umweltverbände hatten Sie für den Kompromiss am Bergertor-Wehr kritisiert. Das bestehende Wehr soll zwar abgerissen, die Werre allerdings nicht abgesenkt werden. Was antworten Sie den Kritikern?

Tim Kähler: Ich habe wahrgenommen, dass einige Lobbygruppen mit dem Kompromiss, den wir gefunden haben, nicht einverstanden sind. Aber es handelt sich nun mal um einen Kompromiss. Keine Seite hat 100 Prozent ihrer Wünsche umsetzen können. Wir sorgen für einen verbesserten Durchfluss und Barrierefreiheit für die Fische durch die Werre, tragen den Umweltaspekten Rechnung und schaffen zugleich mehr Aufenthaltsqualität entlang der Werre. Und zugleich, das war mir sehr wichtig, schaffen wir auch mehr Sicherheit für die Bürgerinnen und Bürger, die dort wohnen.

 

400 bis 500 Millionen Euro für Entwicklung auf dem Stiftberg

Für die bisherige Gestaltung des Bildungscampus hat die Stadt 66 Millionen Euro verplant. Wie hoch wird die Summe sein, die benötigt wird, um das gesamte Gelände zu entwickeln?

Tim Kähler: Das ist schwer zu beziffern. Vermutlich aber eine Summe zwischen 400 und 500 Millionen Euro. Es ist klar, dass das nicht allein durch die Stadt Herford zu schultern ist. Das wollen wir auch nicht. Deshalb möchten wir jetzt einen Investorenwettbewerb initiieren, damit wir feststellen, welche privaten Geldgeber es gibt, die an diesem Standort mit der Stadt gemeinsam etwas entwickeln wollen. Bei der Debatte um den Bildungscampus ist mir eines ganz wichtig. Wir als Stadt haben eine Gestaltungsaufgabe. Was passiert, wenn das Gelände nicht entwickelt wird, kann man derzeit sehr schön auf dem Hammersmith-Gelände sehen, wo seit zwei Jahren alles zuwuchert.

 

Mehr junges Leben entlang der Vlothoer Straße

Die CDU hat im Stadtrat gegen das Projekt gestimmt, weil ihr die finanziellen Risiken zu groß erscheinen. Warum irrt die CDU und Ihre Rechnung geht auf?

Tim Kähler: Weder ich noch irgendjemand kann heute belastbar sagen, wo wir 2027 stehen werden. Ich kann aber sagen, dass sich die Fachhochschule für Finanzen wohl aus Herford wieder zurückgezogen hätte, wenn wir die Stufe 2 für den Bildungscampus nicht beschlossen hätten. Die Botschaft nach außen wäre doch gewesen: Herford bekommt das mit dem Bildungscampus nicht hin. Wie hätten wir mit dieser Botschaft weitere Interessenten für den Bildungscampus gewinnen wollen, dem anfangs ja auch die CDU zugestimmt hat.? Wir hätten dann leere Hörsäle und eine nicht genutzte Mensa. Nein, Herford hat es in der Vergangenheit zweimal verpasst, Hochschulstandort zu werden. Es ist gut, dass eine Ratsmehrheit jetzt beschlossen hat, dass wir mehr junges Leben auf dem Stiftberg und in der Stadt haben wollen.

 

»Ich freue mich auf das Archäologische Fenster am Münster«

Mit Blick auf ihre bisherige Amtszeit: Mit welcher Entscheidung sind Sie sehr zufrieden, welche Entscheidung ist Ihnen besonders schwer gefallen und an welcher Stelle würden Sie sagen, das würde ich heute anders machen?

Tim Kähler: Mehr als drei Millionen Euro Fördergelder für die Umgestaltung der Markthalle waren natürlich ein Erfolg, der gezeigt hat, dass wir mehr können. Ich kann mich daran erinnern, dass es im politischen Raum durchaus Skepsis gab, als wir erklärten, dass wir uns um Gelder aus dem Fördertopf Nationale Projekte des Städtebaus beworben haben. Aber wir waren erfolgreich. Auch das geplante Archäologische Fenster am Münster ist auf einem guten Weg damit sichtbar an die besondere Bedeutung der Herforder Geschichte erinnert werden kann.

Persönlich schwer gefallen ist mir die Trennung von der ehemaligen Marta-Geschäftsführerin. Der Schritt war aus Sicht der Stadt notwendig, aber menschlich alles andere als einfach. Auch für mich als Bürgermeister nicht.

Was den Bürgern nur noch schwer zu erklären ist, das ist der Baufortschritt an der Salzufler Straße. Wir haben als Stadt das Vorhaben übernommen, damit es vorangeht. Eigentlich wäre dies die Aufgabe von Straßen NRW gewesen, schließlich ist es eine Landesstraße. Den Ärger angesichts der Entwicklung dort, den haben wir. Ich bin mir nicht sicher, ob wir die Entscheidung, dass wir den Ausbau der Salzufler Straße planen, heute noch einmal genauso treffen würden.

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