Mehr Lehrer, kleinere Lerngruppen, neues Fach: Herforder Gesamtschule bei NRW-Pilotprojekt dabei
Friedenstaler schreiben Schulgeschichte

Herford (WB). Die Gesamtschule Friedenstal macht sich auf den Weg, an einem Stück Schulgeschichte in NRW mitzuschreiben: Sie wird eine von landesweit 35 sogenannten Talentschulen.

Freitag, 08.02.2019, 06:29 Uhr aktualisiert: 08.02.2019, 09:46 Uhr
Stefanie Bonhaus (vorne) koordiniert das Talentschul-Konzept an der Gesamtschule Friedenstal. Mit ihr freuen sich über die Förderzusage vom Land (von links): Schulleiter Bernd Höner, Wolfgang Berkemeier (Schulpflegschaftsvorsitzender), Bürgermeister Tim Kähler, Brunhild Redeker (Febrü), Heidi Pahmyer (Schulabteilungsleiterin) und Thorsten Kallisch (Febrü). Foto: Bernd Bexte

Dazu erhält sie bis 2026 zehn bis zwölf zusätzliche Lehrerstellen, um mehr individuelle Förderung in Kleingruppen zu ermöglichen und gezielt einen Schwerpunkt in den MINT-Fächern (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zu setzen. Bereits im Sommer sollen drei Kollegen dazustoßen. Sogar ein neues Schulfach wird eingeführt. »Das ist eine riesige Chance«, freut sich Bürgermeister Tim Kähler.

Wie berichtet, hatte das Land Anfang des Monats mitgeteilt, dass sich die Gesamtschule Friedenstal im landesweiten Ausschreibungsverfahren durchgesetzt hatte. Sie wird die einzige Talentschule im Kreis Herford und nur eine von dreien in OWL (siehe Infokasten).

35 Talentschulen

Für das NRW-weite Pilotprojekt Talentschulen hat eine unabhängige Jury aus 149 Bewerbungen 35 Schulen ausgewählt, an denen Kinder ab dem kommenden Schuljahr besonders gefördert werden. Der Schwerpunkt liegt mit 22 Schulen in sozialen Brennpunkten im Ruhrgebiet. Weitere 25 Talentschulen sollen im Schuljahr 2020/21 folgen. Die Gesamtschule Friedenstal ist nur eine von drei künftigen Talentschulen in OWL. Zwei Schulen aus Bielefeld (Gesamtschule Rosenhöhe, Realschule Brackwede) wurden ebenfalls ausgewählt. Das Land stellt für die Talentschulen 22 Millionen Euro pro Jahr bereit. Damit werden vor allem 415 zusätzliche und unbefristete Lehrerstellen finanziert.

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NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will mit dem Pilotprojekt Schulen stärken, die aufgrund ihrer Lage in sozialen Brennpunkten oder einer entsprechend zusammengesetzten Schülerschaft »mit besonderen Herausforderungen konfrontiert sind«.

Zuletzt weniger Anmeldungen

Mit Herausforderungen hat auch die Gesamtschule Friedenstal, derzeit 850 Schüler, zu kämpfen: In der Eingangsklasse 5 lernen aktuell 80 Jungen und Mädchen. Im Schuljahr 2002/2003 hatte die 1987 gegründete Schule hier noch 172 Kinder unterrichtet. Selbst 2010 – in diesem Jahr nahm die Gesamtschule im benachbarten Bad Salzuflen ihren Betrieb auf – waren es immerhin noch 143 gewesen. Als Talentschule hoffen die Friedenstaler, den Trend umkehren zu können. »Der Schwerpunkt auf den MINT-Fächern passt genau zu unserer 2017 begonnenen Kooperation mit heimischen Betrieben«, sagt Schulleiter Bernd Höner.

Stefanie Bonhaus, didaktische Leiterin der Schule und verantwortlich für die Umsetzung des Talentschule-Konzepts, erklärt was dieses beinhaltet. »Es wird unter anderem ein neues Unterrichtsfach geben. Dabei geht es ums Forschen, Entdecken und Experimentieren.« Etwa ein Ausflug an die Werre: Dort eingesammelte Proben aus Flora und Fauna werden anschließend im Labor analysiert. Auch der Themen Informatik und Robotik werde man sich verstärkt widmen.

Kooperation mit heimischer Wirtschaft

All dies sind verbindliche Angebote, keine freiwilligen AGs. Deshalb könne es sein, dass die ein oder andere zusätzliche Wochenstunde anfalle. »Am zeitlichen Rahmen eines Schultages wird sich aber nichts ändern.« Das Entscheidende sei, dass man aufgrund der besseren Personalausstattung kleinere Lerngruppen bilden könne. Das betrifft aber nur die kommenden Fünftklässler und dann aufwachsend alle weiteren Eingangsklassen der kommenden Jahre, nicht die jetzigen Gesamtschüler.

Schulpflegschaftsvorsitzender Wolfgang Berkemeier begrüßt das Konzept: »Wir waren früh daran beteiligt. Es bieten sich völlig neue Möglichkeiten, Talente gezielt zu fördern.« Und Thorsten Kallisch von der Firma Febrü, Kooperationspartner der Gesamtschule, erhofft sich einen noch fruchtbareren Austausch. »Mit dem MINT-Schwerpunkt können die Schüler für Technik begeistert werden.« Das eröffne ihnen Job-Perspektiven und helfe Unternehmen die Fachkräfte von morgen zu gewinnen.

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