Regionalkrimi über spektakulären Fall von 1921 – Geschichtsverein plant Lesung
Herfords ermordete Bürgermeister

Herford (WB). Von einem brutalen Verbrechen aus dem Jahr 1921 berichten zwei Gedenksteine in einem Wald bei Heidelberg. Deren Spur führt nach Herford, denn bei den Opfern handelt es sich um zwei Bürgermeister aus der Werre­stadt. Der Mannheimer Thomas Schnepf hat daraus einen Regionalkrimi gemacht.

Dienstag, 05.02.2019, 07:00 Uhr
Einer der beiden Gedenksteine in einem Wald bei Heidelberg: Dort waren die Leichen der ermordeten Herforder Bürgermeister zwei Wochen nach der Tat entdeckt worden.

Obwohl das Buch bereits im Jahr 2006 erschienen ist, weiß in Herford kaum jemand von dessen Existenz. Immerhin teilt der Geschichtsverein auf Anfrage mit: »Wir werden Herrn Schnepf zu einer Lesung einladen.«

Autor war Richter

Eine klare Sprache für die Qualität des Krimis sprechen die Verkaufszahlen von mehreren tausend Exemplaren. Auch war, laut Autor, das Buch mehrere Wochen ganz vorn auf der Bestsellerliste einer großen badischen Buchhandlung – ein Indiz dafür, dass es von Lesern und Rezensenten weiterempfohlen wurde.

Bei einem Spaziergang hatte Thomas Schnepf die Steine entdeckt. Er informierte sich über die Hintergründe und wurde hellhörig: Denn es kursierte einst das Gerücht, der Verurteilte sei nicht der wahre Mörder gewesen. Vielmehr habe das Ganze einen politischen Hintergrund. So wurde der Verhaftete aus dem ersten Gefängnis in Heidelberg verlegt, weil man Angst hatte, er könne von seinen angeblichen Gesinnungsgenossen, den Spartakisten, befreit werden.

Als Schnepf davon erfuhr, war sein Berufsehrgeiz geweckt. Der Autor, damals als Richter am Mannheimer Amtsgericht tätig, begann zu recherchieren. Schon immer habe er einen Krimi schreiben wollen, sagt er.

Jetzt kam zu dem spektakulären Stoff die juristische Besonderheit des Falls hinzu: »Es war einer der ersten Indizienprozesse der deutschen Rechtsgeschichte.« Erstmalig sei ein Mörder aufgrund von Fingerabdrücken überführt worden. Diese fanden sich an dem Gewehr, aus dem die tödlichen Schüsse abgefeuert worden waren. Hinzu kamen Blutspuren an Gegenständen, die den Ermordeten gehörten.

 

Einer der ersten Indizienprozesse

Bei den Opfern handelt es sich um den Herforder Oberbürgermeister Wilhelm Busse und den früheren Bürgermeister Leopold Werner. Beide waren Mitglied der Burschenschaft »Korps Vandalia« und gingen am 29. Juni 1921 in dem Wald bei Heidelberg spazieren. Busse, der einst in Heidelberg studiert hatte, machte dort auf einer Rückreise Station und traf sich mit Werner – als der Bahnarbeiter Leonhard Siefert ihrem Leben ein Ende machte. »Wegen Mordes aus Habgier« wurde er später zum Tode verurteilt.

Sieben Jahre lang hat Thomas Schnepf in den Archiven recherchiert und Ermittlungsakten studiert. Er zeigte sich beeindruckt von der Genauigkeit der Aktenlage und sagt: »Es kann keinen Zweifel daran geben, dass der Verurteilte der Mörder war.«

Thomas Schnepf hat den Fall, den er im Mittelteil seines Regionalkrimis historisch verlässlich ausbreitet, in eine Rahmenhandlung eingebettet. In dieser lässt sich ein Richter beurlauben, um über die Rolle der Sachverständigen in Mordprozessen eine Dissertation zu schreiben.

Tod durchs Fallbeil

Teil des seinerzeit aufsehenerregenden Falls ist eine lange Suche nach den Leichen. Dem Bahnarbeiter auf die Spur gekommen war die Polizei bereits vorher. Die neugierige Tochter einer Gastwirtin hatte die Rocktaschen des Mannes durchsucht, der in dem Gasthof zur Miete wohnte.

Dabei entdeckte sie einen Brief, der an den Oberbürgermeister Busse geschrieben worden war. Die Suche begann – und auch Angehörige der Burschenschaft beteiligten sich. Unter Felsbrocken wurden die Leichen zwei Wochen nach der Tat entdeckt. An der Stelle stehen heute die Gedenksteine.

Leonhard Siefert beteuerte weiterhin seine Unschuld – doch die Indizien sprachen gegen ihn. Der Bahnarbeiter wurde im Januar 1922 zum Tode durch das Fallbeil verurteilt.

 

Die Personen

Wilhelm Busse (1871 – 1921) war seit 1900 in der Herforder Stadtverwaltung tätig – ab 1908 als Bürgermeister. Im Jahr 1917 erfolgte die Umbenennung in Oberbürgermeister. Somit fallen der Erste Weltkrieg und der Bau des Herforder Rathauses in die Amtszeit des gebürtigen Detmolders. Im HERFORDER KREISBLATT heißt es in einem Nachruf: »Seinem zielbewussten Verhalten ist es in erster Linie zu verdanken, dass unsere Stadt von den schweren Erschütterungen, welche der Ausgang des Krieges mit sich brachte, fast völlig verschont blieb.«

Leopold Werner war von 1912 bis 1919 2. Bürgermeister. Er habe sich große Verdienste durch »eine mustergültige Lebensmittelversorgung in den schweren Kriegsjahren erworben«, heißt es im Nachruf.

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