Neujahrsempfang der CDU im Kreis Herford: Brinkhaus wünscht sich mehr Zuversicht
»Wie ein Lottogewinn«

Herford (WB). Am Ende richtet Ralph Brinkhaus einen Wunsch an alle Anwesenden: »Denken Sie an jedem Tag dieses Jahres 60 Sekunden darüber nach, was es alles Gutes gibt!« Ein Politiker als Mutmacher.

Samstag, 02.02.2019, 14:37 Uhr aktualisiert: 04.02.2019, 16:04 Uhr
CDU-Kreisvorsitzender Tim Ostermann (2. von links) begrüßte »Mr. Europa« Elmar Brok, Landtagsabgeordnete Kirstin Korte (Minden), Europawahl-Kandidatin Birgit Ernst und CDU-Fraktionschef Ralph Brinkhaus (von links). Foto: Bexte

Der Fraktionsvorsitzende der CDU im Bundestag und OWL-Parteichef war am Samstag prominenter Gastredner beim Neujahrsempfang der Christdemokraten im Kreis Herford. Der Andrang im Stadtpark-Schützenhof war riesig. Einige der mehr als 800 Besucher – darunter Vertreter anderer Parteien, der Wirtschaft und

Elmar Broks Appell

38 Jahre hat Elmar Brok die Region im Europaparlament vertreten. Nach der Europawahl am 26. Mai ist Schluss. Der Bielefelder war am Samstag nach Herford gekommen, um in einer beeindruckenden Rede nicht nur den Christdemokraten, sondern auch den Vertretern der anderen Parteien so etwas wie sein politisches Vermächtnis mit auf den Weg zu geben. Europa sei das erfolgreichste Konzept deutscher Geschichte. »Deutschland ist durch die EU geschützt. Bitte vergessen Sie das nie!« Nur ein einiges Europa könne sich gegen Großmächte wie Russland und China, aber auch die USA behaupten.

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Wohlfahrtsverbände – mussten sich mit Stehplätzen begnügen.

Rhetorisch souverän zog Brinkhaus eine Bilanz zur Befindlichkeit von Politik und Gesellschaft anno 2019. »Wir müssen die Politik mehr von der Mitte her denken«, lautete seine zentrale Botschaft. Denn die Leistungsfähigkeit unserer Gesellschaft »wird in der Mitte hergestellt«. Deshalb seien die Themen preiswertes Wohnen, Pflege, Kita-Plätze, Ausstattung von Schulen die Felder, die beackert werden müssten.

»Solidarität beruht auf Gegenseitigkeit«

Ja, man müsse auch auf Minderheiten und Schwache Rücksicht nehmen. »Aber Solidarität beruht auf Gegenseitigkeit«, erteilte Brinkhaus Forderungen nach einem bedingungslosen Grundeinkommen eine Absage und sprach sich für Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger aus, die gegen Auflagen verstoßen.

Die Buchstaben AfD nahm er nicht in den Mund, teilte dennoch gegen Populisten jedweder Couleur aus. »Deren Strategie ist doch das Versprechen: ›Wir bringen euch die Vergangenheit zurück!‹« Dies sei kein Konzept für die Zukunft, attestierte Brinkhaus. Vor der könne man sich nicht schützen. »Aber man kann sich für die Zukunft stark machen.« Das gehe nur mit einem einigen Europa. »Die EU ist das erfolgreichste Friedensprojekt der Weltgeschichte.« Der seit 74 Jahren andauernde Frieden in der Mitte des Kontinents sei vielen aber mittlerweile zu selbstverständlich. »Dabei ist es für die meisten von uns ein Privileg, ja wie ein Lottogewinn, hier und jetzt zu leben.«

Europawahl-Kandidatin stellt sich vor

Die stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende Katharina Hartwig überreichte Elmar Brok Zigarren aus Bünde.

Die stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende Katharina Hartwig überreichte Elmar Brok Zigarren aus Bünde. Foto: Bexte

Kreisvorsitzender Tim Ostermann hatte zuvor die heimische CDU-Kandidatin für die Europawahl am 26. Mai, Birgit Ernst, begrüßt. Die 50-jährige Steuerberaterin aus Werther stellte sich den Christdemokraten im Kreis Herford vor – und das ganz selbstbewusst: »Nur aus Ostwestfalen zu kommen und Frau zu sein, wird für Europa nicht reichen.« Sie wolle das Europa als Garant für Frieden, Freiheit und Demokratie offensiv gegen nationalistische Stimmungsmache verteidigen.

Stichwort Brexit: »Der ist wie Pubertät: Alle wollen raus, aber weiterhin den vollen Kühlschrank genießen«, zitierte sie einen im Internet aufgeschnappten Kommentar. »Das kann ich bestätigen«, erntete die dreifache Mutter – in der Familie lebt zudem ein Flüchtlingskind – die Zustimmung der erheiterten Zuhörer.

Zum Neujahrsempfang waren auch Abordnung zahlreicher Wohlfahrtsverbände erschienen. Sie stellten ihre Arbeit bei einer Ausstellung im kleinen Schützenhofsaal vor.

Zigarren zum Abschied

38 Jahre hat Elmar Brok die Region im Europaparlament vertreten. Nach der Europawahl am 26. Mai ist Schluss. Der Bielefelder war am Samstag nach Herford gekommen, um in einer beeindruckenden Rede nicht nur den Christdemokraten, sondern auch den Vertretern der anderen Parteien so etwas wie sein politisches Vermächtnis mit auf den Weg zu geben.

Europa sei das erfolgreichste Konzept deutscher Geschichte. »Deutschland ist durch die EU geschützt. Bitte vergessen Sie das nie!« Nur ein einiges Europa könne sich gegen Großmächte wie Russland und China, aber auch die USA behaupten. »Als ich nach Europa ging, bestand die EU aus neun Ländern, ein bisschen Zollunion und einem Parlament, das nichts zu sagen hatte.« Jetzt sei der Binnenmarkt der Garant für den Wohlstand – auch im Kreis Herford. Das dürfe man nicht mithilfe der AfD zerstören.

Als Abschiedsgeschenk überreichte ihm die stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende Katharina Hartwig Weinflaschen sowie Zigarren aus Bünde – »mein Lieblingsprodukt aus dem Kreis Herford«, wie Brok bekannte. Zuvor war ihm aber auch ein Herforder Pils ans Rednerpult gebracht worden.

 

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