500.000 Euro offene Unterhaltsforderungen – Bürgermeister: »Es geht um Gerechtigkeit«
Inkasso-Firma soll Geld für die Stadt Herford eintreiben

Herford (WB). Die Stadt Herford hat ein Inkasso-Unternehmen damit beauftragt, offene finanzielle Forderungen von säumigen Vätern einzutreiben. Es geht um ein Volumen von einer halben Million Euro.

Samstag, 02.02.2019, 08:18 Uhr aktualisiert: 02.02.2019, 08:20 Uhr
Mit Mama allein: Die Stadt arbeitet mit einer Inkasso-Firma zusammen, die säumige Väter zum Bezahlen bringen soll. Foto: Moritz Winde

Normalerweise sind Männer, die ein Kind in die Welt gesetzt haben und dies nicht direkt versorgen, laut Gesetz verpflichtet, Unterhalt zu zahlen – und zwar so lange, bis das Kind eigenes Geld verdient. »Doch einige kommen ihrer Verpflichtung leider nicht freiwillig nach«, sagt Kämmerer Matthias Möllers.

Allein in Herford sind dies nach Angaben der Verwaltung derzeit bis zu 300 Väter. Die Forderungen, die bis ins Jahr 2005 zurückgehen, können sich im Einzelfall auf mehrere 10.000 Euro belaufen – je nachdem wie lange schon nicht gezahlt wird.

Hausbesuche nicht gestattet

Wenn die säumigen Zahler – in den allermeisten Fällen sind es Väter – für ihren Nachwuchs nicht aufkommen, springt der Staat ein. Dann greift seit 1979 das Unterhaltsvorschussgesetz. »Wir treten in Vorleistung, damit die Kinder finanziell abgesichert sind«, sagt der Kämmerer.

Für die Stadt ist es offenbar gar nicht so einfach, an das Geld heranzukommen. Möllers: »Es gibt Väter, die sich dem Versuch entziehen. Wir haben nur begrenzte Möglichkeiten, den Unterhalt einzufordern. Bis zum Gerichtsvollzieher ist es ein langer Weg. Eine Vollstreckung ist sehr schwierig – anders als zum Beispiel bei Steuerangelegenheiten.«

Kommentar

Im ersten Moment ist es befremdlich: Die Stadt arbeitet mit einer Inkasso-Firma zusammen. Geht’s noch? Doch weshalb nicht? Es ist nur fair, dass zahlungsunwilligen Vätern Druck gemacht wird. Wer ein Kind in die Welt setzt, muss seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen.

Das Jugendamt hat weder die personellen Ressourcen noch das Fachwissen, Geld einzutreiben – und ohnehin weitaus wichtigere Dinge zu tun. Die Inkasso-Firma arbeitet erfolgsabhängig. Unter dem Strich könnte für die Stadt ein Plus herausspringen. Einen Versuch ist es wert. Moritz Winde

...

Damit die Kommune nicht auf den Kosten sitzen bleibt, muss sie versuchen, sich das Geld wiederzuholen. Zurzeit werden im Rathaus alle Fälle dahingehend geprüft, ob sie dem Inkasso-Unternehmen übergeben werden können. Das kümmert sich dann um die schriftliche und telefonische Eintreibung des Geldes. Hausbesuche sind nicht gestattet.

Zusammenarbeit zunächst für anderthalb Jahre

Der Vorteil in den Augen der Verwaltung: Inkasso-Firmen könnten im Hinblick auf Adressen oder Konten auf andere Datenbanken zurückgreifen, sagt Kämmerer Möllers. Und auch der psychologische Effekt sei nicht außer Acht zu lassen. »Ein anderer Briefkopf könnte wirken.«

Tanja Stölting kümmert sich im Jugendamt um die Finanzen. Sie sagt: »Grundsätzlich hat der familienferne Elternteil sich sehr intensiv um die Herstellung seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zu bemühen, beispielsweise durch einen hohen zeitlichen Einsatz für die Arbeitssuche. Erst wenn er ausreichende, aber erfolglose Bemühungen nachweist, ist die Leistungsunfähigkeit anzunehmen. Bis dahin besteht eine gesetzliche Vermutung der Unterhaltsverpflichtung.«

Die Inkasso-Idee stammt von Bürgermeister im Kähler. »Es geht um Gerechtigkeit. Es ist nur schwer erträglich, dass es Väter gibt, die meinen, sie müssten ihrer finanziellen Verantwortung nicht nachkommen. Das ist kein Kavaliersdelikt.«

Die Vorgehensweise, die übrigens bereits einige andere Städte wie Essen und Kerpen nach eigenen Angaben mit Erfolg praktizieren, habe man rechtlich prüfen lassen. Das Inkasso-Unternehmen sei seriös und arbeite ausschließlich erfolgsabhängig. Die Maßnahme ist zunächst auf anderthalb Jahre befristet.

Einige Städte wie zum Beispiel Essen arbeiten schon länger mit Inkasso-Firmen zusammen.

Einige Städte wie zum Beispiel Essen arbeiten schon länger mit Inkasso-Firmen zusammen. Foto: dpa

 

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