Freund der Familie soll Mädchen auf Feuerwehrfest an Po und Schenkel gefasst haben
Verurteilt: 13-Jährige sexuell belästigt

Herford/Enger (WB). Beide Familien kennen sich seit Jahrzehnten, fuhren gemeinsam in den Urlaub, waren beste Freunde. Bis zum 25. Mai 2017. Weil er nach Ansicht des Amtsgerichts Herford an diesem Tag die damals 13-jährige Tochter seines Freundes bei einer Fahrt auf einem sogenannten Hoverboard sexuell belästigte, ist ein 45 Jahre alter Mann aus Enger zu einer Geldstrafe in Höhe von 1200 Euro verurteilt worden.

Freitag, 01.02.2019, 21:00 Uhr
Das Mädchen fuhr auf einem solchen Hoverboard, als der Mann sie sexuell belästigte. Foto: Swen Pförtner/dpa

Die in Rede stehende Tat ereignete sich am Rande der Vatertagsfeier einer Engeraner Löschgruppe der Freiwilligen Feuerwehr. Der Angeklagte war mit seiner Familie beim Umtrunk am Gerätehaus dabei. Seine Söhne hatten ein Hoverboard mitgebracht, ein elektrisch betriebenes Rollbrett ohne Lenkstange.

Essstörungen und Depressionen

Als die 13-jährige Tochter seines Freundes auch einmal damit fahren wollte, leistete 45-Jährige auf einer kurzen Strecke Hilfestellung. Dabei, so die Anklage, habe der Betrunkene dem Mädchen an den Po gegriffen, die Innenseiten ihrer Schenkel gestreichelt und sinngemäß gesagt, dass sie »voll die geilen Schenkel« habe. »Ich habe ihm gesagt, dass er das lassen soll«, sagte das Mädchen am Freitag im Zeugenstand. Da sie Angst hatte, vom Hoverboard zu fallen, habe sie sich aber nicht wehren können.

Noch auf der Feier vertraute sie sich ihrer Mutter an: »Ich habe meine Tochter noch nie so aufgelöst gesehen«, erklärte die 40-Jährige vor Gericht. Der Vorfall hatte gravierende Konsequenzen: Das Mädchen litt in der Folge unter Essstörungen, Depressionen, war lange in psychiatrischer Behandlung, habe sogar suizidale Gedanken gehabt. Erst eine Heilpraktikerin habe sie von ihren Leiden befreien können. »Jetzt geht es mir wieder gut«, sagte die heute 15-Jährige vor Gericht.

»Ich habe nichts getan!«

Die Familie hatte erst zehn Monate nach dem Vorfall eine Strafanzeige gestellt. »Wir hatten Angst vor dem, was damit auf uns zukommt«, erklärte ihre Mutter. Der Angeklagte – er wurde mittlerweile vom Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr beurlaubt – bestritt die Tat vehement. Er hatte das Mädchen sogar wegen Verleumdung angezeigt. »Ich habe nichts getan!«, waren seine letzten Worte vor der Urteilsverkündung. Richterin Tanja Schwöppe-Funk hielt die Darstellung des Mädchens jedoch für überzeugender: Sie entsprach mit der Geldstrafe dem Antrag der Anklage.

Die Tat sei in »alkoholisierter Enthemmtheit« geschehen: Die Richterin billigte dem Engeraner verminderte Schuldfähigkeit zu. Verteidiger Christian Thüner – er hatte einen Freispruch gefordert – kündigte umgehend Berufung an. Den Straftatbestand der sexuellen Belästigung gibt es erst seit Ende 2016 als Reaktion auf die Übergriffe in der Kölner Silvesternacht 2015.

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