Einladung zum Tag der offenen Tür wird positiv aufgenommen Ratsmitglieder wollen Moschee besuchen

Herford (WB). In großer Einigkeit hat der Stadtrat am Freitagabend das Moschee-Video aus der Ditib-Gemeinde kritisiert, das marschierende Kinder in Uniform und mit Plastikgewehren zeigt (HK-Ausgabe vom 28. April). Bürgermeister Tim Kähler bedankte sich am Ende der Debatte für die Sachlichkeit, aber auch für die Klarheit, mit der das Video verurteilt wurde.

Von Ralf Meistes
Die Ditib-Gemeinde an der Bielefelder Straße lädt für Sonntag, 6. Mai, zum Tag der offenen Tür ein. Etliche Ratsmitglieder erklärten am Freitag, dass sie die Moschee besuchen wollen, um mit den Mitgliedern über das umstrittene Video zu sprechen.
Die Ditib-Gemeinde an der Bielefelder Straße lädt für Sonntag, 6. Mai, zum Tag der offenen Tür ein. Etliche Ratsmitglieder erklärten am Freitag, dass sie die Moschee besuchen wollen, um mit den Mitgliedern über das umstrittene Video zu sprechen. Foto: Jan Gruhn

Ditib-Gemeinde unterbreitet 13 Vorschläge

13 Vorschläge hat die Ditib-Gemeinde in einem Schreiben an die Stadt Herford unterbreitet, mit deren Hilfe das Miteinander zwischen Moschee-Gemeinde und Stadt verbessert werden soll. Details nannte Kähler am Freitag nicht. »Die Fachabteilungen in der Verwaltung werden sich jetzt damit auseinandersetzen«, kündigte Kähler an. Er selbst wolle am 6. Mai beim Tag der offenen Tür in der Moschee das Gespräch mit den Eltern suchen.

Kähler: »Dürfen nicht alle über einen Kamm scheren.«

Herfords Bürgermeister machte zugleich deutlich, dass man lediglich über eine Ditib-Gemeinde spreche. »In Herford leben Menschen aus über 100 Nationen. Wir dürfen in der Debatte jetzt nicht alle über einen Kamm scheren.«

CDU sieht Bundesregierung in der Pflicht

Das ist auch in der Ratssitzung nicht erfolgt. Die CDU erklärte, dass es sich bei der Aufführung mit den Kindersoldaten um keinen Einzelfall gehandelt habe. »Die Bundesregierung muss deutlich machen, dass auch die Eltern instrumentalisiert werden, um die Politik der türkischen Regierung zu vertreten. Deswegen soll neben der Kindeswohlgefährdung auch auf die Haltung der Erwachsenen, die völlig unkritisch Filmaufnahmen von marschierenden Kindern gemacht haben, Einfluss genommen werden«, sagte CDU-Fraktionschef Wolfgang Rußkamp.

Ärger und Unverständnis bei der SPD

Günther Klempnauer (FDP) empfahl dem Rat, dass alle Mitglieder am 6. Mai zum Tag der offenen Tür in die Moschee an der Bielefelder Straße gehen sollten. »Überraschung, Ärger, Unverständnis«, so sei die Gefühlslage innerhalb der SPD angesichts der »verstörenden Aufnahmen«, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Horst Heining.

Grüne fordern Gespräch auf Augenhöhe

»Gespräche auf Augenhöhe«, forderte Herbert Even (Grüne). Formulierungen wie, »der Bürgermeister bestellt die Gemeinde ein«, seien nicht hilfreich. Die Türkisch-Islamische Gemeinde müsse die Frage beantworten: Wie konnte es zu so einer Veranstaltung kommen?

Andreas Gorsler (CDU) bemerkte, dass diejenigen mit türkischen Wurzeln, die für eine liberale und säkulare Türkei stehen, derzeit den Mund halten würden. »Diese Leute müssen wir stärken.« Zugleich überrasche ihn die Überraschung über das Video. Der Nationalismus gehöre zum Gründungs-Gen der Türkei.

Keine falschen Schlussfolgerungen ziehen

Deutsche Bischöfe leisteten einen Eid auf das Grundgesetz. Warum man dies nicht auch von Imamen verlangen sollte, fragte Gorsler. Bärbel Müller (CDU) berichtete von Stimmen aus der Ditib-Gemeinde, die sich darüber empört hätten, dass das Video in den sozialen Netzwerken gezeigt worden sei. Falls dahinter die Haltung stecke, wäre das Video nicht öffentlich geworden, hätten wir so weiter gemacht, wie bisher, dann sei dies die falsche Schlussfolgerung, sagte Müller.

Zum Abschluss erklärte Bürgermeister Kähler: »Wenn dieser Vorfall ein Gutes hat, dann, dass wir jetzt klarer als vorher sehen und wir deshalb die Herausforderungen besser angehen können.« Die Ditib-Gemeinde öffnet ihre Türen am 6. Mai von 10 bis 19 Uhr.

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