Kabarettist lädt Zuhörer zu einer Zeitreise ins Jahr 2084 ein – mit Merkel und Macron Richlings Visionen

Herford (WB). Einen Abend voller herausragender Parodien hat Mathias Richling seinem Publikum im Stadttheater mit seinem aktuellen Programm »Richling und 2084« präsentiert. »Man muss nicht alles verstehen«, sagte er gleich zu Beginn des Abends.

Von Thomas Meyer
Merkel im Jahr 2084, die Raute bleibt: Kabarettist Mathias Richling prüft in seinem neuen Programm die Zukunftsfähigkeit der Politiker. Er tut dies, wie immer, mit einem bemerkenswerten Sprachtempo. Für sein Rollenspiel, ob als Wladimir Putin oder Donald Trump, erntete der Schwabe viel Applaus.
Merkel im Jahr 2084, die Raute bleibt: Kabarettist Mathias Richling prüft in seinem neuen Programm die Zukunftsfähigkeit der Politiker. Er tut dies, wie immer, mit einem bemerkenswerten Sprachtempo. Für sein Rollenspiel, ob als Wladimir Putin oder Donald Trump, erntete der Schwabe viel Applaus. Foto: Thomas Meyer

Und der Kabarettist klärte sogleich auf: »Je weniger Sie verstehen, desto eher entwickelt sich eine eigene Kreativität.« Für diese Kreativität blieb reichlich Spielraum, denn Richlings bemerkenswertes Sprachtempo zog sich durch das ganze Programm. Gerne mit Akzent, wie zum Beispiel bei Wladimir Putin und Donald Trump.

Der Name des Programms »2084« bezieht sich auf George Orwells literarische Dystopie »1984« in seinem gleichnamigen Roman. »Wenn Sie ein Bild von der Zukunft haben wollen, so stellen Sie sich einen Stiefel vor, der auf ein Gesicht tritt. Unaufhörlich«, zitierte Mathias Richling düster und ließ damit bereits auf den Inhalt seiner Show blicken.

»Wir schaffen das«

Diese spiegelt die Zukunft im Jahr 2084 im Heute wider und wirft die Frage auf, wie zukunftstauglich unsere Politiker sind. Los ging es mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im Jahr 2084 und dem allseits umstrittenen Thema Flüchtlingspolitik. Die Zahl der Flüchtlinge liegt in Richlings Vision bei 93,6 Millionen, Merkels Kommentar dazu: »Wir schaffen das«. »Bald werden Zäune um Deutschland gezogen, um ins Ausland gereiste Deutsche nur noch mit Asylantrag zurück ins Land zu lassen«, ergänzte der 65-Jährige.

Nahezu jede Partei war am Samstag in Form eines von Richling ausgewählten Politikers vertreten. So wurde die AfD als »Dschungelcamp fürs niedere Volk« bezeichnet und Wolfgang Schäuble verstand nicht den Sinn der angedachten Steuersenkung: »In einem Parkhaus zahlt man auch nicht weniger, wenn mehr Autos drin parken«, überlegte Richling.

Zugabe und Autogrammstunde

Höhepunkte waren Richlings Parodien auf Recep Tayyip Erdoğan und Emmanuel Macron – letzterer einer der neuesten Charaktere, die der Kabarettist in seiner mehr als 40-jährigen Bühnengeschichte ins Programm nahm. Erdoğan regte sich lauthals über Angela Merkel auf. Hierbei verließ Richling die Bühne und lief durch das Publikum, um der Nummer gekonnt Dramatik zu verleihen.

Mit seiner Zugabe, einem Gespräch zwischen Macron und Merkel, hatte er noch einmal alle Lacher auf seiner Seite. Dies nicht zuletzt wegen des überspitzten französischen Akzents. Nach dem Programm gab es für die Zuschauer die Möglichkeit, bei einer Autogrammstunde mit dem Künstler ins Gespräch zu kommen.

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