Herforder Schokoladenhersteller investiert 4,5 Millionen Euro – mehr Parkplätze für die Belegschaft Weinrich baut eigenes Kraftwerk

Herford (WB). Schokolade ist in aller Munde: Doch die Produktion der süßen Versuchung verschlingt jede Menge Energie. Weinrich gehört zu den Top-Fünf-Stromfressern im Kreis Herford. Derzeit wird für viereinhalb Millionen Euro ein eigenes Blockheizkraftwerk gebaut.

Von Moritz Winde
Auf der Rückseite des Weinrich-Werks am Westring wird derzeit für 4,5 Millionen Euro ein Blockheizkraftwerk gebaut. Ab Mitte August soll es die Schokoladen-Fabrik mit Strom sowie Warm- und Kaltwasser beliefern.
Auf der Rückseite des Weinrich-Werks am Westring wird derzeit für 4,5 Millionen Euro ein Blockheizkraftwerk gebaut. Ab Mitte August soll es die Schokoladen-Fabrik mit Strom sowie Warm- und Kaltwasser beliefern. Foto: Moritz Winde

In den Weinrich-Werken werden jedes Jahr neun Millionen Kilowattstunden Strom verbraucht. Eine Million Tafeln laufen hier täglich vom Band. Gearbeitet wird rund um die Uhr, in drei Schichten. Zum Vergleich: Ein Vier-Familien-Haushalt kommt durchschnittlich auf 4000 Kilowattstunden.

Nicht nur gut für den Geldbeutel

Der Hunger nach Elektrizität kostet Weinrich nach eigenen Angaben pro Jahr 1,4 Millionen Euro. Das sei erstens auf Dauer zu teuer und außerdem schlecht für die CO2-Bilanz, sagt Hans-Joachim Kamphowe, seit 2004 Betriebsleiter.

Auch die Heizungsanlage ist alles andere als modern. Kamphowe: »Die hat bestimmt schon 45 Jahre auf dem Buckel.« Eine Technik, die nicht zu einem Unternehmen passt, das sich »ökologische Verantwortung« auf die Fahnen geschrieben hat und sogar eine Nachhaltigkeitsbeauftragte und eine Energiemanagerin beschäftigt.

Ralf Grafen ist verantwortlicher Facharbeiter für den Produktionsprozess. Bei Weinrich laufen täglich eine Million Tafeln vom Band. Foto: Moritz Winde

Zur neuen Klimaschutzstrategie gehört der Bau des Blockheizkraftwerkes (BHKW), das mit Gas betrieben wird. Auf dem Firmengelände, direkt an der Lkw-Verladung, entsteht seit Januar ein 180 Quadratmeter großes Gebäude, in dem die moderne Energietechnik untergebracht wird. Neben Strom soll von hier aus in Zukunft auch Heiß- und Kaltwasser geliefert werden. »Das brauchen wir, um Schokoladenmasse und Rohstoffe in unseren 50 Tanks zu erhitzen oder zu kühlen«, erklärt Betriebsleiter Hans-Joachim Kamphowe. Etwa 300 verschiedene Sorten werden bei Weinrich produziert – Tendenz steigend. Der entscheidende Vorteil des BHKW: Es ist wesentlich effizienter.

Ganz autark wird der Schokoriese nicht sein. Kamphowe: »Wir werden etwa ein Drittel Strom auf dem Markt hinzukaufen müssen.« Trotzdem: Die Millionen-Investition in Innovation ist auf lange Sicht nicht nur gut für den Geldbeutel, sondern auch für die Umwelt und letztlich fürs Firmenimage. Geschäftsführer Cord Budde: »Die Außenwirkung unserer Marke ist ganz wichtig.«

Erstmals seit 1895

Anfang August soll das BHKW ans Netz gehen. Während der Umstellung stehen die Maschinen still – wohl zum ersten Mal in der Geschichte des Betriebs von 1895. Eine Woche haben die Monteure für ihre Arbeit, dann muss die Produktion wieder aufgenommen werden.

Übrigens: Weinrich steckt nicht nur Geld in neue Technik. Weil das Unternehmen stetig wächst – momentan beschäftigt es 330 Mitarbeiter – wurden drei benachbarte Grundstücke gekauft. An der Diebrocker Straße entsteht gerade ein Parkplatz mit 48 Extra-Stellflächen für die Belegschaft. An der Zimmerstraße und der Leineweberstraße sind auf 4700 Quadratmetern zusätzliche Kapazitäten geschaffen worden. Die Schokofabrik – der Jahresumsatz betrug im vergangenen Jahr 225 Millionen Euro – hat mittelfristig also genügend Platz.

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