Im Klinikum werden auch Medikamente für die Chemotherapie hergestellt Herfords größte Apotheke

Herford (WB). Es geht durch drei Schleusen. Kittel, Mundschutz und Handschuhe sind Pflicht. Nur vermummt in Schutzkleidung dürfen Mitarbeiter die Krebsmedikamente herstellen – und zwar im reinsten Raum des ganzen Klinikums. Der liegt in der Apotheke.

Von Moritz Winde
Nur in Schutzkleidung: Kirsten Kruse, Pharmazeutisch-technische Assistentin, stellt Zytostatika für die Chemotherapie her. Im Labor – es ist der reinste Raum im Klinikum – werden ständig Partikelanzahl, Keime, Luftdruck, Feuchtigkeit und Temperatur überwacht. Nach zwei Stunden wird sie abgelöst.
Nur in Schutzkleidung: Kirsten Kruse, Pharmazeutisch-technische Assistentin, stellt Zytostatika für die Chemotherapie her. Im Labor – es ist der reinste Raum im Klinikum – werden ständig Partikelanzahl, Keime, Luftdruck, Feuchtigkeit und Temperatur überwacht. Nach zwei Stunden wird sie abgelöst. Foto: Moritz Winde

Bis zu 12.000 Zellgifte werden jährlich hergestellt

Ein Alleinstellungsmerkmal der Einrichtung im Kreis Herford besteht in der Herstellung der Zytostatika (Zellgifte). Zwischen 10.000 und 12.000 Krebsmittel werden jährlich im sterilen Labor produziert.

Der Chef: Dr. Walter Manzke leitet seit 17 Jahren die Apotheke, in der 18 Mitarbeiter beschäftigt sind. Foto: Moritz Winde

Weil die Arbeit extreme Konzentration erfordert und Fehler Leben kosten können, werden die Mitarbeiter nach zwei Stunden ausgetauscht. 2017 wurden im Klinikum fast 1700 Krebspatienten stationär und ambulant behandelt.

Auf 1200 Quadratmetern erstreckt sich die gesamte Apotheke. Es ist die größte in der Region. Sie beliefert nicht nur die 34 Stationen und elf OP-Säle des Krankenhauses, auch Feuerwehren im Kreis Herford mit ihren Rettungsdiensten werden von hier aus mit Arzneimitteln aller Art versorgt.

Lagerbestand hat einen Wert von 700.000 Euro

Die Zahlen sind enorm: Pro Jahr gehen ungefähr 350.000 Packungen über die Theke, hinzu kommen 190.000 Liter an Infusionslösungen.

Um die Versorgung der Patienten sicherstellen zu können, ist stets für Nachschub gesorgt – so will es der Gesetzgeber. »Unser Lagerbestand hat einen Wert von etwa 700.000 Euro«, sagt Chefapotheker Dr. Walter Manzke. Geordert wird direkt bei den Pharmafirmen.

Die Apotheke wurde 2014 gebaut und gehört zu den modernsten in Nordrhein-Westfalen. Im Depot kann ein komplettes Regal auf Knopfdruck zur Seite gefahren werden. Das ist platzsparend. Die Bestellungen gehen nicht mehr per handgeschriebenem Formular ein, sondern digital. Ein Automat sorgt dafür, dass die richtigen Medikamente in den Kisten der jeweiligen Stationen landen. Die Herstellung der Zytostatika dagegen ist nach wie vor Handarbeit.

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