Karl-Heinz Fickert erhielt bereits abgestempelte Karten – Von wem stammen sie? Post für den verstorbenen Vater

Herford (WB). Ob sich jemand mit ihm einen Scherz erlaubt hat? Karl-Heinz Fickert weiß es nicht. Auf jeden Fall hat der Herringhauser reichlich Grund, sich zu wundern. Denn ihn erreichten Postkarten, die an seinen vor 14 Jahren verstorbenen Vater adressiert waren.

Von Annika Tismer
Karl-Heinz Fickert zeigt die Karten, die bereits vor vielen Jahren abgeschickt worden waren. Jetzt hat die Post sie erneut zugestellt. Die Frage: Wer hat sie ein zweites Mal versendet?
Karl-Heinz Fickert zeigt die Karten, die bereits vor vielen Jahren abgeschickt worden waren. Jetzt hat die Post sie erneut zugestellt. Die Frage: Wer hat sie ein zweites Mal versendet? Foto: Annika Tismer

Den Postzusteller befragt

Die ungewöhnliche Kartenserie startete an einem Montag. Als der 70-Jährige den Briefkasten leerte, fand er zwei Postkarten darin – eine von seiner Tochter und eine von seiner Schwester. Ein genauerer Blick auf beide Karten ließ ihn jedoch stutzen: »Sie waren beide an meinen Vater adressiert und bereits in den Jahren 1981 und 1997 abgeschickt worden.«

Irritiert von dieser kuriosen Post, setzte er sich ins Auto, um seinem Postzusteller zu folgen: »Ich wollte ihn einfach nur fragen, ob er diese beiden Postkarten gerade wirklich in meinen Briefkasten geworfen hatte. Man weiß ja nie.« Doch Zusteller Mohammed Mrzrak konnte nur bestätigen: »Ja, die habe ich zugestellt. Sie lagen bei meiner Post, die ich zu verteilen hatte.«

Während Karl-Heinz Fickert auch am nächsten Tag noch grübelte, was es mit den Postkarten auf sich haben könnte, folgte bereits die nächste Überraschung. »Da hatte ich vier weitere Postkarten im Briefkasten, die ebenfalls an meinen Vater adressiert und bereits vor Jahren an verschiedensten Orten abgeschickt worden waren«, erklärte er.

Codierstreifen am Rand

Und auch einen Tag später sollte der kuriose Postkarten-Spuk nicht vorbei sein: Eine siebte Karte landete im Briefkasten von Karl-Heinz Fickert. Inzwischen musste auch Zusteller Mrzrak, der die Karte dieses Mal persönlich übergab, ein wenig schmunzeln. »Das ist wirklich verrückt. Aber wir stellen eben alles zu, was bei uns landet«, erklärte er. Auch sein Chef sei über diese Geschichte verwundert.

Denn die Karten sind nicht nur in den Jahren 1981 bis 1997 geschrieben und scheinbar abgeschickt worden, sie waren auch mit entsprechenden Briefmarken, Stempeln und zum Teil eben auch der alten Herforder Postleitzahl 4900 versehen. Von der 50-Pfennig-Briefmarke bis hin zur türkischen 70-Lira-Marke ist eine ganze Vielfalt an Briefmarken dabei, die es in den vergangenen Jahrzehnten gegeben hat. Und auch die Poststempel sind allesamt alt und mal 1981 in Scharbeutz, 1986 in Alanya oder 1997 auf Ibiza auf die Karten gesetzt worden.

Lediglich eines ist auf allen Karten neu: der orangefarbene Codierstreifen am unteren Kartenrand. Der wiederum konnte zumindest einen kleinen Teil des Rätsels lösen: »Er zeigt uns, dass alle Karten ganz aktuell durch unser System gelaufen und deshalb zugestellt worden sind«, erklärt Rainer Ernzer von der Pressestelle der Deutschen Post in Düsseldorf, dem das WESTFALEN-BLATT die Postkarten zur Überprüfung zukommen ließ.

Woher stammen die Karten?

Wie genau sie allerdings in das System der Deutschen Post gelangt sind, bleibt weiter rätselhaft: »Möglicherweise sind sie irgendwann irgendwo und aus irgendeinem Grund aufgetaucht und jemand hat sie ein zweites Mal in die Post gegeben. Ziemlich sicher sind sie aber in den jeweiligen Jahren schon einmal zugestellt worden.«

Dass die Karten trotz der »falschen« Frankierung zugestellt wurden, erklärte er sich so: »Sie waren ja bereits einmal entwertet und da sind sie wahrscheinlich einfach irgendwie durch unser System gerutscht.« Und amüsiert fügt er hinzu: »Da hätten wir ja eigentlich nachträglich Strafporto einfordern können. Aber da wollen wir mal kulant sein.« Woher die alten Postkarten kamen und wo sie in all den Jahren gelagert wurden, wird aber wohl vorerst ein Geheimnis bleiben.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.