Benjamin Tillig aus Herford leitet das Wilhelm-Busch-Museum in Wiedensahl Der neue Chef von Max und Moritz

Herford/Wiedensahl (WB). Keine Kindheit ohne Max und Moritz: Auch wenn Wilhelm Busch die Geschichte der furchtlosen zwei für Erwachsene geschrieben hat, gehört sie doch zur geistigen Muttermilch für Kinder. Um das Werk des Autors kümmert sich der Herforder Benjamin Tillig.

Von Hartmut Horstmann
Benjamin Tillig und sein Sohn Gustav in Wilhelm Buschs Geburtszimmer: Mehr als 40 Jahre hat der Maler, Zeichner und Autor im niedersächsischen Wiedensahl gelebt. Tillig leitet das Museum, das mit den Originalschauplätzen punkten kann, seit Mitte März.
Benjamin Tillig und sein Sohn Gustav in Wilhelm Buschs Geburtszimmer: Mehr als 40 Jahre hat der Maler, Zeichner und Autor im niedersächsischen Wiedensahl gelebt. Tillig leitet das Museum, das mit den Originalschauplätzen punkten kann, seit Mitte März. Foto: Hartmut Horstmann

Wiedensahl, ein niedersächsisches Dorf an der Grenze zu Petershagen (Kreis Minden-Lübbecke). Viel Natur, Backsteingebäude dominieren das Bild – dies ist der Ort, an dem Wilhelm Busch mehr als 40 Jahre gelebt hat. Ein Gegensatz zu den bisherigen Stationen Benjamin Tilligs (36), der in Leipzig aufwuchs und zwecks Studium und Arbeit in Köln und München lebte.

Nach Herford kam er wegen seiner Partnerin, die im Museum Marta arbeitet. Als der junge Mann vor Monaten ein Konzert in Wiedensahl besuchte, erfuhr er, dass die Leiterstelle am Busch-Museum vakant war. Weil er bereits als Kurator gearbeitet hatte, bewarb er sich – mit Erfolg.

Seit Mitte März macht sich Tillig mit seinem neuen Arbeitsplatz vertraut, 50 Autominuten von Herford entfernt.

Ein Bett von den Buschs

Das Museum, das von Tillig geleitet wird, verteilt sich auf zwei Standorte. Da ist zum einen das Geburtshaus, in dem Dauer- und Sonderausstellungen gezeigt werden, und zum anderen das alte Pfarrhaus, in dem Busch von 1872 bis 1879 lebte. Als Träger des Museums fungiert die Museumslandschaft Wilhelm Busch Wiedensahl.

Für Tillig, der sich noch gut an sein erstes Wilhelm-Busch-Buch aus DDR-Kinderzeiten erinnern kann, hat die Arbeit in Wiedensahl einen besonderen Reiz. Weil es sich um Orte handelt, an denen Busch tatsächlich gelebt hat, ist der Besucher »ganz nah dran an der Geschichte«. So ist es möglich, Buschs Geburtszimmer zu betreten: Es enthält auch ein Bett aus dem Besitz der Familie.

Die Diele, die Stube und das Wohnzimmer im Pfarrhaus, in dem Busch später mit der Familie seiner Schwester wohnte: Das ist das Pfund, mit dem das Museum wuchert. Gleichzeitig wollen die Verantwortlichen zeigen, dass der Maler und Zeichner Busch mehr ist nur Erfinder einer Lausbubengeschichte.

7000 bis 8000 Besucher

Jährlich zählt man 7000 bis 8000 Besucher – ein Wert, den es laut Tillig zu steigern gilt. Eine Rolle soll die Vermittlung spielen: Mit Hilfe der Museumspädagogik sollen vor allem Kinder und Jugendliche angesprochen werden.

Umbauarbeiten stehen ebenfalls im alten Pfarrhaus an. Die in die Jahre gekommene Heimatstube soll renoviert und in ein neues Konzept integriert werden. »Hier kann man eine Menge machen«, sagt Tillig und denkt an einen Veranstaltungsraum. Er hat den Anspruch, Bisheriges weiterzuentwickeln und verweist auf ein Argument, das unabhängig vom Museum existiert: die Umgebung. Wiedensahl eigne sich als Ausflugsziel, sagt der 36-Jährige. Und ein Auto braucht man dazu auch nicht unbedingt: So ist in dem Museum eine Broschüre mit einer Radwanderroute erhältlich – Radeln auf den Spuren von Wilhelm Busch.

Zwei Standorte

»Es ist ein Brauch von alters her: Wer Sorgen hat, hat auch Likör!«: Mit Versen dieser Art erweist sich Wilhelm Busch (1832-1908) als Künstler, der das Leben kennt. Mit Unterbrechungen mehr als 40 Jahre hat der Vater des modernen Comics in Wiedensahl gelebt. Seine Geschichte von Max und Moritz wurde 1865 veröffentlicht.

Das Museum in Wiedensahl – nicht zu verwechseln mit dem Wilhelm-Busch-Museum in Hannover – verteilt sich auf zwei Standorte: das Busch-Geburtshaus und das alte Pfarrhaus am Friedhof. Zu dem Museum im Geburtshaus gehört auch ein Café.

Das Geburtshaus ist ab April dienstags bis freitags von 10 bis 12 und von 13 bis 17 Uhr geöffnet, am Wochenende und an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr.

Derzeit läuft die Ausstellung: »Wilhelm Busch und die Medizin«.

Weitere Informationen telefonisch unter 05726/388 oder im Internet unter www.wilhelm-busch-geburtshaus.de.

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