NABU weist mit einer ungewöhnlichen Ausstellung auf die Amphibienwanderung hin Platte Kröten im Kreishaus Herford

Herford (WB). Ästhetisch oder geschmacklos? Im Kreishaus Herford ist derzeit eine Ausstellung zu sehen, die polarisieren soll. Gezeigt werden Bilder von platt gefahrenen Kröten.

Von Moritz Winde
»Natur braucht Kröten«: Für den Schutz der Tiere setzen sich (von links) Anja Reckeschat und Friedhelm Diebrock (NABU), Künstlerin Kristine Wedgwood-Benn sowie Hannelore Frick-Pohl (Kreis Herford) ein.
»Natur braucht Kröten«: Für den Schutz der Tiere setzen sich (von links) Anja Reckeschat und Friedhelm Diebrock (NABU), Künstlerin Kristine Wedgwood-Benn sowie Hannelore Frick-Pohl (Kreis Herford) ein. Foto: Moritz Winde

Amphibien sind jetzt wieder auf Achse

Der Naturschutzbund (NABU) Herford will mit der ungewöhnlichen Aktion auf ein drängendes Problem im Frühling aufmerksam machen – und zwar aus einer ganz neuen Perspektive. Denn jetzt, wo die Temperaturen wärmer werden, sind die Amphibien wieder auf Achse. Die Tiere wandern zu ihren Laichgründen, um dort ihre Eier abzulegen. Auf ihrer Reise zum Wasser, müssen sie oft viele Straßen überqueren – höchste Lebensgefahr!

Was viele nicht wissen, erklärt NABU-Vorsitzender Friedhelm Diebrock: »Die Tiere sterben nicht nur, weil sie direkt unter die Reifen gelangen, sondern vorwiegend durch den Strömungsdruck der Autos auf die Fahrbahn.« Fahre ein Wagen über Amphibien hinweg, seien sie dieser Druckverteilung ausgesetzt. »Die Drücke wachsen mit der Geschwindigkeit. Bei Tempo 30 würden viele überleben.« Der NABU-Appell: Fuß vom Gas – aus Rücksicht auf Salamander, Molche, Unken, Frösche und Co.

Tote Tiere vom Asphalt gekratzt

Was mit den Körpern passiert, wenn Lurche unter die Räder geraten, können Besucher des Kreishauses sehen. Im Foyer hängen Repliken von Aquarellbildern. Sie stammen von der Herforder Künstlerin Kristine Wedgwood-Benn, die sich dem Schutz der Kröten auf besondere Weise genähert hat.

Im vergangenen Jahr hat sie die flachen und inzwischen von der Sonne getrockneten Leiber vom Asphalt des Wüstener Wegs gekratzt, konserviert und anschließend abgemalt. Natürlich sei sie nicht von Ekelgefühlen befreit gewesen. Das zeichnerische Interesse haben aber überwogen. Die gebürtige Rostockerin weiß, dass sie mit ihren Bildern provoziert. »Das Thema ist emotionsgeladen. Ich will gezielt Aufmerksamkeit erregen.« Wedgwood-Benn spricht im Zusammenhang mit ihren Arbeiten von einer gewissen Ästhetik, von einer Komposition.

Zwei Arten sind sogar vom Aussterben bedroht

In Deutschland sind nach NABU-Angaben 20 Amphibienarten heimisch. Sie stehen seit 1980 unter Bundesartenschutz. »Neun Arten werden auf der Roten Liste als bedroht eingestuft und zwei sind sogar vom Aussterben bedroht«, sagt Friedhelm Diebrock. Das habe nicht nur mit dem Exitus auf den Straßen zu tun. Auch woanders lauern Gefahren: zum Beispiel auf den Feldern.

»Amphibien nutzen landwirtschaftliche Flächen als Lebensraum und überqueren sie auf ihren Wanderungen. Da ihre Haut extrem durchlässig ist, führt das Übersprühen mit Pflanzenschutzmitteln häufig zum Tod«, sagt der NABU-Chef. Im europäischen Zulassungsprozess für Dünger spielten die Auswirkungen auf Kröten bislang leider keine Rolle.

Die Repliken der Aquarellbilder zeigen von Autorädern überrollte Kröten. Foto: Moritz Winde

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