Prozess: 54-Jähriger soll Studenten gewürgt haben – Einweisung in Entziehungsanstalt? »Einen Liter Cognac getrunken«

Bielefeld/Herford (WB). Weil er im stark alkoholisierten Zustand einen 21-jährigen Hundebesitzer im Grünzug Sieker Wiese nahe der Mindener Straße gewürgt haben soll, droht einem 54-jährige Herforder die Einweisung in eine Entziehungsanstalt.

Von Steve Wasyliw
Schauplatz Landgericht: Weil das Herforder Amtsgericht den Fall weiterleitete, wurde gestern in Bielefeld verhandelt. Der Prozess wird am 26. März fortgesetzt.
Schauplatz Landgericht: Weil das Herforder Amtsgericht den Fall weiterleitete, wurde gestern in Bielefeld verhandelt. Der Prozess wird am 26. März fortgesetzt. Foto: Thomas F. Starke

Der nun angeklagte gebürtige Kirgise hat selbst keine großen Erinnerungen an den Zwischenfall vom 12. Mai 2016, für den er sich seit Dienstag vor dem Landgericht Bielefeld verantworten muss. Er schilderte der Strafkammer, dass er an jenem Tag bereits nach dem Aufstehen am Morgen gut einen Liter Cognac getrunken habe. Dass er später seine Wohnung an der Werrestraße verlassen haben soll, konnte der 54-Jährige nicht mehr sagen. »Ich hatte richtig einen gesoffen«, meinte er.

Angeklagter soll häufiger Bier im Park getrunken haben

Wie der 21-jähriger Student gestern vor Gericht aussagte, sei ihm der spätere Aggressor bereits seit längerer Zeit aus dem Grünzug entlang des Uhlenbach bekannt gewesen. Bei Spaziergängen mit seinem Hund habe er den Angeklagten schon häufiger Bier trinkend im Park gesehen. So auch am 12. Mai 2016. Gegen 17 Uhr habe er gemeinsam mit seinem Bruder (18) und dem Familienhund dort gespielt.

Der scheinbar stark alkoholisierte Mann sei dann auf die Brüder zugegangen und habe nach dem Hund gegriffen. »Guter Hund, guter Hund«, habe der 54-Jährige wiederholt gesagt. Als der Student den ungebetenen Gast gefordert habe, den Vierbeiner in Ruhe zu lassen, sei dieser plötzliche ausgerastet und habe den 21-Jährigen am Hals gewürgt. Nach wenigen Sekunden habe er sich jedoch aus der brenzligen Situation befreien können, sagte er gestern aus. Zusammen mit seinem Bruder und dem Hund habe er dann schnell den Park verlassen und die Polizei alarmiert.

Schluckbeschwerden nach der Tat

Rund zwei Tage nach der Tat litt der junge Hundebesitzer noch an Schluckbeschwerden. Der Kehlkopf war leicht geschwollen. Nachdem die Polizei den flüchtigen Täter gefasst hatte, erstattete der Geschädigte Anzeige wegen Körperverletzung.

Verhandlung geht am 26. März weiter

Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage vor dem Herforder Amtsgericht. Jedoch hielten es die Richter für möglich, dass der Beschuldigte die Tat aufgrund seiner Alkoholisierung begangen haben könnte. Daher wurde der Fall zum Landgericht Bielefeld weitergeleitet, um die Frage einer möglichen Unterbringung in einer Entziehungsanstalt zu klären. Der gerichtliche bestellte Sachverständiger Dr. Bernhard Mayr wird während des nächsten Verhandlungstages am 26. März dazu sein Gutachten vorstellen.

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