Angriff am Bahnhof Herford Mutmaßlicher Taxischläger aus Bad Oeynhausen soll Schlagring verwendet haben Rechtsmedizinerin belastet Angeklagten schwer

Herford/Bielefeld/Bad Oeynhausen (WB). Im Landgerichtsprozess gegen den mutmaßlichen Taxischläger (24) vom Herforder Bahnhof hat die Rechtsmedizinerin ausgeschlossen, dass die fatalen Verletzungen beim Opfer (35) von einem einfachen Faustschlag herrühren können. »Es muss mit einem Gegenstand auf den Kopf geschlagen worden sein«, sagte Prof. Dr. Heidi Pfeiffer.

Von Steve Wasyliw
Der brutale Angriff ereignete sich am Herforder Bahnhof. Der Taxifahrer liegt im Koma.
Der brutale Angriff ereignete sich am Herforder Bahnhof. Der Taxifahrer liegt im Koma. Foto: Moritz Winde

Opfer liegt seit November 2015 im Koma

Seit November 2017 versucht die XX. Strafkammer die Frage zu klären, wie es zur

Prof. Heidi Pfeiffer leitet das Rechtsmedizinische Institutes in Münster. Foto: UKM

brutalen Verletzung eines Taxifahrers gekommen ist. Mehrere Zeugen belasteten bisher einen 24-jährigen Mann aus Bad Oeynhausen, der mit einem Faustschlag den Familienvater krankenhausreif geschlagen haben soll. Seit dem Zwischenfall vom 7. November 2015 liegt das Opfer im Wachkoma. Eine Kommunikation mit dem 35-Jährigen ist unmöglich.

Wiederholt wurden Mutmaßungen vor Gericht geäußert, dass der ehemalige Leistungsboxer einen Schlagring verwendet habe. Beweise fehlten und Zeugen konnten dies nicht eindeutig bestätigen. Zur Klarheit trug gestern Prof. Dr. Heidi Pfeiffer, bei: Die Direktorin des Rechtsmedizinischen Institutes Münster war als Sachverständige zum Prozess hinzugezogen worden.

Stumpfe Gewalteinwirkung auf den Kopf

Eine schwere stumpfe Gewalteinwirkung habe demnach zu zwei beidseitig verlaufenden Schädelbrüchen bei dem Taxifahrer geführt. Die Verletzungsrisse in der Schädeldecke verlaufen ausgehend von zwei rund drei Zentimeter voneinander entfernt liegenden Punkten über den Schädelknochen. Pfeiffer schloss aus, dass das Verletzungsmuster von einem anschließenden Sturz hervorgerufen werden konnte. »Es muss mit einem Gegenstand ausgeübt worden sein«, unterstrich die 57-Jährige.

Zudem stellte die Rechtsmedizinerin fest, dass ein von der Polizei sichergestellter Schlagring über zwei metallene Dornen, die exakt im Abstand von drei Zentimeter angeordnet sind, verfügt. »Aufgrund der Abmessungen kommt der Schlagring als Tatwerkzeug in Betracht.« Auch Einkerbungen im oberen Schädelbereich und der Kopfschwarte sprächen für einen einzigen Schlag mit einem Gegenstand wie beispielsweise einem Schlagring.

Psychiatrischer Gutachter sagt Ende Februar aus

Kategorisch schloss Pfeiffer einen einfachen Schlag aus: »Die Faust alleine reicht für solch ein Verletzungsbild nicht aus.« Die Gutachterin sprach von »irreversiblen Schäden« beim Opfer und stellte eine »schlechte Prognose« aus. Staatsanwalt Becker fragte genauer nach und erhielt die schockierende Einschätzung, die den Angeklagten zusammensacken ließ: Der 35-jährige Taxifahrer wird wohl nach nie wieder laufen, sprechen oder durch Kopfnicken oder –schütteln kommunizieren können. Er bleibe in einem komatösen Zustand.

Der Prozess wird an zwei Verhandlungstagen fortgesetzt, ehe der psychiatrische Gutachter Dr. Bernhard Bätz am 27. Februar über die Schuldfähigkeit des Angeklagten berichten wird. Bislang lautet die Anklage der Staatsanwaltschaft auf Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung. Ob nach dem Bericht von Prof. Pfeiffer eine Ausweitung durch das Gericht stattfinden wird, bleibt offen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5451195?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F