Behelfsunterkünfte für Studenten – Gegenstimmen auf Seiten der CDU und der Linken Rat beschließt Container-Lösung

Herford (WB). Politische Einmütigkeit bei einem Millionenprojekt sieht anders aus: Mit 29 Ja-Stimmen, neun Gegenstimmen und zwei Enthaltungen hat der Rat am Montagabend nach kontroverser Diskussion den Bau eines Container-Dorfes auf dem Areal der Hammersmith-Kaserne befürwortet – »unter Berücksichtigung vorhandener Risiken«, wie es in der Vorlage heißt.

Von Peter Schelberg
An der Fachhochschule für Finanzen in Nordkirchen gibt es bereits Wohncontainer für Studenten.
An der Fachhochschule für Finanzen in Nordkirchen gibt es bereits Wohncontainer für Studenten. Foto: Thomas Aschwer/Ruhr-Nachrichten

Auf dem Exerzierplatz sollen zumindest für ein Jahr 500 Container zur Unterbringung und Versorgung weiterer 340 Studenten und Dozenten der Fachhochschule für Finanzen (FHF) errichtet werden. Denn nur mit dieser Behelfslösung – davon gehen Rat und Verwaltung aus – könnte der Studienbetrieb noch pünktlich zum 1. September 2018 aufgenommen werden.

Deutliche Kritik gab es an den zu erwartenden Mehrkosten, die durch das Container-Dorf entstehen. Während die Beschlussvorlage eine Unterdeckung in Höhe von knapp 2,5 Millionen Euro ausweist, nannten die Grünen sogar den Betrag von 3,2 Millionen Euro: »Bei der Kostenermittlung hat sich die Verwaltung nicht mit Ruhm bekleckert«, sagte Herbert Even. Die ursprünglich genannten Beträge seien innerhalb eines Monats auf das Vierfache gestiegen.

Dennoch bewerteten die Grünen die Chancen zur Entwicklung des Bildungscampus höher als die Risiken. »Wenn das Fachhochschul-Projekt scheitert, entstehen für die Stadt auch hohe Kosten«, gab SPD-Fraktionsvorsitzender Horst Heining zu bedenken. Die weitere Entwicklung des Bildungscampus sei ein großes Pfund für Herford: »Das sollten wir nutzen, der erste Schritt ist doch bereits getan.«

CDU-Fraktionschef Wolfgang Rußkamp beantragte namentliche Abstimmung. Er selbst und weitere seiner Fraktionskollegen votierten ebenso wie Inez Déjà (Die Linke) gegen die Container-Lösung. Rußkamp: »Das, was viele Skeptiker bei der Abstimmung im September im Rat befürchtet haben, hat sich ein Stück weit bewahrheitet.«

An Bürgermeister Tim Kähler gewandt, sagte er: »Sie sind aktiv und setzen Dinge in Bewegung. Aber für manches, was man in Bewegung setzt, braucht man auch die nötige Zeit, um anschließend Erfolg zu haben.« Seine Fraktion habe in der Vergangenheit deshalb bereits das eine oder andere Mal Grenzen gesetzt: »Wenn die CDU es nicht verhindert hätte, würden wir heute beispielsweise als Stadt eine Flüchtlingsunterkunft betreiben.«

Wolfgang Rußkamp kritisierte zudem, dass wieder einmal auch der Brandschutz ein Grund für die Kostensteigerungen sei: »Wir haben doch schon beim Rathaus-Umbau Erfahrungen mit Mehrkosten gemacht, die auch in die Hunderttausende gingen. Und ich möchte nicht, dass wir irgendwann wieder vom Bund der Steuerzahler als diejenigen genannt werden, die das Geld hier mit vollen Händen zum Fenster rausschmeißen.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.