NWD-Philharmonie und Bariton Sebastian Seitz begrüßen das neue Jahr Musik, die gute Laune macht

Herford (WB). »Freut euch des Lebens«: Diesen Walzertitel von Johann Strauß Sohn hatte die Nordwestdeutsche Philharmonie über ihr Neujahrskonzert gestellt. Den Reaktionen der Zuschauer nach zu urteilen, hat das Programm am Mittwochabend definitiv zur gesteigerten Lebensfreude beigetragen.

Von Ruth Matthes
Als Vogelhändler aus Mozarts Zauberflöte eroberte Sebastian Seitz beim Neujahrskonzert der Nordwestdeutschen Philharmonie die Herzen der Damen im Publikum – Federfrack und Vogelkäfig inklusive.
Als Vogelhändler aus Mozarts Zauberflöte eroberte Sebastian Seitz beim Neujahrskonzert der Nordwestdeutschen Philharmonie die Herzen der Damen im Publikum – Federfrack und Vogelkäfig inklusive. Foto: Thomas Meyer

Daran ganz wesentlich beteiligt waren neben den gut aufgelegten Orchestermitgliedern Dirigent Johannes Klumpp, der die Zuhörer mit seiner humorvollen Moderation amüsierte, sowie Solist Sebastian Seitz, der mit klarer, kraftvoller Baritonstimme und viel Schauspieltalent überzeugte.

Walzer und Operette

Das Programm war mit seiner Mischung aus leichten Opern-Ouvertüren, Walzern und Operetten-Arien ein typisches Neujahrskonzert, das auf den ersten Blick nicht viele Überraschungen erwarten ließ. Doch der junge Sänger würzte es gemeinsam mit Klumpp immer wieder mit kleine komödiantischen Einlagen. So duellierten sich die beiden zum Beispiel zu Beethovens Vertonung des Goethe-Gedichtes »Mit Mädeln sich vertragen, mit Männern rumgeschlagen« mit Dirigentenstab und Staubwedel.

Die Herzen der Damen eroberte Seitz gleich mit seiner ersten Arie: »Als flotter Geist« aus dem »Zigeunerbaron« erzählte er von seinen Erfolgen als Tierwärter, »Akrobat und Wundermann«. Für die Rolle des Vogelhändlers Papageno aus Mozarts »Zauberflöte« schlüpfte er in einen schwarz-gefiedertem Frack. Den Vogel hatte er im Käfig auch dabei.

»Lustige Weiber«

Das Orchester bot eine vorwiegend wienerische Mischung aus spritzigen und gefühlvollen Melodien, gewürzt mit einem Spritzer spanischem Flair, wie beim »Cachucha-Galopp« von Strauß Vater oder mit ungarischen Klängen wie bei Suppés »Leichter Kavallerie«.

Zwischen den rasanten Galopps und schwingenden Walzern boten die Ouvertüre zu »Die Lustigen Weiber von Windsor« und der Ballsirenenwalzer aus der »Lustigen Witwe« von Lehár den Musikern die Gelegenheit, sich etwas weiträumiger zu entfalten. In der Ouvertüre verbanden sie idyllische romantische Klänge mit italienischer Leichtigkeit und energiegeladenen kämpferischen Passagen. Mit weit schwingenden Bögen und sattem Streicherklang bestachen die »Ballsirenen« ihre Hörer. Sebastian Seitz war von ihnen so hingerissen, dass er unbedingt mitsingen wollte. Die Musiker waren schließlich so gnädig und begleiteten ihn bei Lehárs Arie »Jetzt geh ich zum Maxim«.

Drei Zugaben

Mit der Schnellpolka »Eljen a Magyar – Hoch lebe der Ungar«, von Strauß endete das offizielle Programm. Doch ohne Radetzkymarsch verlässt ein Herforder kein Neujahrskonzert: Das Publikum im fast ausverkauften Schützenhof feierte die Musiker mit Applaus, Fußgetrampel und stehenden Ovationen und wurde dafür mit drei Zugaben – inklusive Marsch, versteht sich – belohnt.

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