Geschäft mit englischen Spezialitäten in Herford nach 24 Jahren geschlossen – Blumenladen Drewes eröffnet im März Tuck Shop: closed!

Herford (WB).Goodbye nach 24 Jahren: Die wohl letzte britische Institution ist aus Herford verschwunden. Ireen Komadinic hat ihren Tuck Shop, jenen kleinen Laden mit englischen Spezialitäten an der Mindener Straße, geschlossen. In ein paar Monaten soll dort ein Blumenladen eröffnet werden.

Von Moritz Winde
Seit 1994 führte Ireen Komadinic den Tuck Shop in Herford, die erste Anlaufstelle für englische Lebensmittel. Jetzt, mit 70 Jahren, ist sie in Rente gegangen.
Seit 1994 führte Ireen Komadinic den Tuck Shop in Herford, die erste Anlaufstelle für englische Lebensmittel. Jetzt, mit 70 Jahren, ist sie in Rente gegangen. Foto: Moritz Winde

Gassigehen statt Regale einräumen

Spricht man Ireen Komadinic auf den Tuck Shop an, kämpft sie mit den Tränen. »Der Abschied tut weh. Es ist sehr schade«, sagt die gebürtige Londonerin, die 1973 als Tochter eines britischen Soldaten nach Herford kam. Seit 1994 führte sie das urige Geschäft, war Verkäuferin, Managerin, Entertainerin. »Meine Kunden werde ich am meisten vermissen.«

Mit dem Tuck Shop – »Tuck« bedeutet so viel wie verstauen – machte Ireen Komadinic in

Der Tuck Shop war acht Jahre an der Mindener Straße in Herford. Foto: Moritz Winde

letzter Zeit gute Geschäfte. »Die Gewinnerin des Briten-Abzugs«, lautete vor einem Jahr eine Schlagzeile dieser Zeitung. Damals berichtete die Inhaberin darüber, wie sehr sie von der Schließung des Naafi-Supermarkts in der Waltgeristraße profitiere. »Aber irgendwann musste mal Schluss sein«, findet Ireen Komadinic. Immerhin sei sie inzwischen 70 Jahre alt. Die körperlich anstrengende Arbeit habe sie zuletzt nicht mehr so leicht bewältigen können. »Und ich will ja auch noch etwas vom Leben haben.«

Statt neue Bestellungen für Fish’n’Chips, Bacon, Muffins, Plumpudding oder Schwarzen Tee – der Verkaufsschlager schlechthin – ins Vereinte Königreich zu faxen, will sie sich nun einen Hund anschaffen. Und auch die zuletzt zu kurz gekommenen Freundinnen-Abende will sie wieder intensivieren. Ihre Zeit im Einzelhandel aber wird sie sicher nie vergessen. »Der Tuck Shop wird immer ein Teil von mir sein«, sagt Ireen Komadinic. Inzwischen sind die Auslagen leer geräumt und die englischen Fahnen abgehängt. Auch der Schriftzug »The Tuck Shop«, der mit Folie in großen Buchstaben auf die Fensterscheibe geklebt war, ist verschwunden. Das Ladenlokal ist leer.

Hoffnung auf mehr Kundenfrequenz

Doch schon im März soll dort neues Leben erblühen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Elke Drewes will auf der 80 Quadratmeter großen Fläche einen zweiten Blumenladen aufmachen. »Es ist das Haus meiner Eltern. Hier bin ich aufgewachsen«, sagt die Florist- und Gärtnermeisterin, die mit dem Gebäude an der Mindener Straße ganz besondere Erinnerungen verbindet. Ihre Großmutter habe dort vor fast 100 Jahren das Geschäft gegründet, das heute in dritter Generation weitergeführt wird. Bis vor 15 Jahren habe ihre Schwester im Elternhaus ein Blumenfachgeschäft betrieben.

Am Standort Ewiger Frieden kümmert sich Ehemann Peter Baier in Zukunft weiter rund um die Themen Beerdigungen und Grabpflege. Außerdem sollen hier Ausstellungen stattfinden. Von der neuen Filiale an der Hauptverkehrsachse erhofft sich Elke Drewes eine höhere Kundenfrequenz. Ireen Komadinic wird sicher mal vorbeikommen, um zu sehen, was aus ihrem Tuck Shop geworden ist.

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