Alan Tallis macht seine Werkstatt zum Fußball-Tempel Dieser Rathaus-Hausmeister brennt für Leeds United

Herford (WB). Der kleine Raum in der unteren Etage des Herforder Rathauses ist mehr als eine Werkstatt. Hausmeister Alan Tallis (58) hat ihn in einen Fußball-Tempel verwandelt. Das Herz des gebürtigen Engländers schlägt gleich für zwei Fußball-Zweitligisten – die es ihren Fans nicht immer leicht machen.

Von Jan Gruhn
Rathaus-Hausmeister Alan Tallis (58) hat seine Werkstatt in einen kleinen Fußball-Tempel verwandelt. Der gebürtige Engländer ist glühender Fan von Zweitligist Leeds United. Aber bei Spielen von Arminia Bielefeld steht Tallis auch auf der Tribüne.
Rathaus-Hausmeister Alan Tallis (58) hat seine Werkstatt in einen kleinen Fußball-Tempel verwandelt. Der gebürtige Engländer ist glühender Fan von Zweitligist Leeds United. Aber bei Spielen von Arminia Bielefeld steht Tallis auch auf der Tribüne. Foto: Jan Gruhn

Der eine ist DSC Arminia Bielefeld, der andere Leeds United. Die glorreichen Zeiten des Championship-Teilnehmers mit Meisterschaft, zuletzt Anfang der 1990er Jahre, sind längst vorbei. »Aber wenn man einmal Fan ist, bleibt das auch so«, meint Tallis.

Seine Frau erklärt ihn für verrückt

Wer in seine Werkstatt eintritt, ist mit einem Schlag umringt von Leeds-Trikots, die stolz aufgespannt von Wänden und Decke hängen. Ein DSC-Trikot hängt natürlich auch dazwischen, gleich neben einem Jersey von Real Madrid. Gegenüber Sporthemden von Olympique Marseille und Olympiakos Piräus.

Etwa 80 Trikots hat Tallis in seiner Sammlung. »Die kann ich hier gar nicht alle aufhängen.« Einige Exemplare lagern noch in Kisten zu Hause. »Meine Frau sagt immer, dass ich verrückt bin.« Hat sie Recht? »Ein bisschen vielleicht.«

Aufgewachsen ist er im nordenglischen York, zu seinem ersten Stadionbesuch beim heutigen Viertligisten York City hat ihn damals sein Bruder mitgenommen. »Ich habe nur 200 Meter vom Stadion entfernt gewohnt«, sagt Tallis. Sein Vater habe vor Spielen immer die Fenster mit Brettern abgedichtet: falls frustrierte Fans ein Ventil suchen sollten.

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Ich habe meine letzten 50 Pfennig auf Leeds gesetzt.

Alan Tallis

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Anfang der 1970er kam Tallis als Anhängsel einer Militär-Familie nach Deutschland. Als Leeds 1972 gegen Arsenal London den Pokal holte, verliebte der Engländer sich in den Club. »Ich habe meine letzten 50 Pfennig auf Leeds gesetzt«, erinnert er sich an die Wetten, die damals unter seinen Mitschülern auf dem Internat in Hamm abgeschlossen wurden. »Ich habe fünf Mark zurückbekommen. Davon habe ich erst mal ganz viele Süßigkeiten gekauft.«

Die Trikots hat er sich meist selbst gekauft, einige sind auch Urlaubsmitbringsel oder Geschenke. Ein ganz besonderes Sportshirt fehlt ihm aber noch in der Sammlung: eben jenes, in dem Leeds den Pokal holte. »Das gibt es bei Ebay zu kaufen«, hat der Rathaus-Hausmeister schon recherchiert. Vielleicht erfülle er sich diesen Wunsch bald.

Zur Fußball-WM geht es an den Sonnenstrand

Während der großen Fußball-Turniere geht’s für Tallis und seine Frau immer zum Sonnenstrand nach Bulgarien. Dort wird er zusammen mit vielen anderen Fans die Spiele der Englischen Nationalmannschaft zur diesjährigen Weltmeisterschaft in Russland verfolgen – selbstverständlich im passenden Trikot. Gruppengegner sind Belgien, Panama und Tunesien. »Wir erwarten immer viel von der Mannschaft«, weiß Tallis. »Und leider werden wir oft enttäuscht.« Die eigene Mannschaft macht es einem eben nicht immer leicht.

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