Ausstellungen und internationale Tagung zum 400. Geburtstag Das Jahr der Elisabeth

Herford (WB). In dem Jahr, in dem Elisabeth von der Pfalz geboren wurde, begann der 30-jährige Krieg. »Es war ein Jahrhundert der Umbrüche«, sagt Museumsleiterin Sonja Langkafel. Ein Teil dieser Umbrüche soll im nächsten Jahr wieder nachvollziehbar werden – wenn des 400. Geburtstags der Äbtissin gedacht wird.

Von Hartmut Horstmann
Gruppenbild mit Büste: (von links) Michael Girke, Sonja Langkafel und Lore Wörmann stellen Aktivitäten zum Elisabeth-Jahr vor. Es geht unter anderem darum, die große überregionale Bedeutung der Äbtissin herauszuarbeiten.
Gruppenbild mit Büste: (von links) Michael Girke, Sonja Langkafel und Lore Wörmann stellen Aktivitäten zum Elisabeth-Jahr vor. Es geht unter anderem darum, die große überregionale Bedeutung der Äbtissin herauszuarbeiten. Foto: Hartmut Horstmann

Auf der Suche nach Sponsoren

20.000 Euro stehen im Etat der Kultur gGmbH für die Veranstaltungen zum Elisabeth-Jahr. Ein wichtiger Baustein wird eine Ausstellung im Pöppelmann-Haus, die von dem Herforder Michael Girke kuratiert wird. Hinzu kommen eine internationale Tagung der Uni Paderborn und ein Festwochenende mit einer Präsentation der Frauengeschichtsgruppe Eigensinn. Dass sich im Laufe des Jahres weitere Initiativen ergeben, schließt Langkafel nicht aus: »Wir sind dankbar für jede Idee – und auch jeden Sponsor.«

Geboren am 26. Dezember 1618

Elisabeth wurde am 26. Dezember 1618 in Heidelberg als Tochter des Kurfürsten Friedrich von der Pfalz geboren. Als sie 1661 nach Herford kam, war sie 43 Jahre alt. Der Geburtstag im Dezember macht es möglich, die Veranstaltungen über ein ganzes Jahr zu strecken. Weil das Jubiläum auf den zweiten Weihnachtstag fällt, wird es speziell an dem Tag keine riesige Veranstaltung geben. »Wir werden uns aber was einfallen lassen«, sagt Lore Wörmann (Eigensinn): »Vielleicht irgendetwas mit heißer Schokolade. Denn die hat sie immer getrunken.«

Spektakulärer Briefwechsel

Doch die Trinkgewohnheiten der Äbtissin geben keinen Stoff für ein ganzes Jahr ab. Dass Elisabeth diesen Erinnerungsraum bekommt, hängt mit ihrem außergewöhnlichen intellektuellen Format zusammen. Michael Girke erinnert an den Briefwechsel mit René Descartes und bezeichnet ihn als »spektakulär«. Es sei eine Zeit gewesen, in der sich die Philosophie von der Theologie gelöst habe – mit Descartes als ihrem wichtigsten Denker. In dem Briefwechsel himmelt Elisabeth den großen Denker nicht an, sondern setzt sich kritisch mit ihm auseinander. »Ohne den Austausch mit Elisabeth wäre das Werk Descartes ein anderes geworden«, ergänzt Sonja Langkafel.

»Explosives Jahrhundert«

Vom 26. Mai bis zum 22. Juli ist die Ausstellung im Daniel-Pöppelmann-Haus zu sehen. Wohin die Zeitreise geht, verdeutlicht bereits der Titel: »Klug und flammend – Die Korrespondenz der Elisabeth von der Pfalz«. Dabei soll es nicht nur um die Äbtissin, sondern auch unter anderem um die Kommunikationsmöglichkeiten im 17. Jahrhundert gehen. Eine der Alltagsfragen, die es laut Michael Girke zu beantworten gilt: »Wie kam ein Brief von Herford nach Holland?« Wie Langkafel ist auch er fasziniert von der Zeit: »Es war ein explosives Jahrhundert.«

»Philosophielust«

Der Museumsleiterin und den Aktiven der Frauengeschichtsgruppe Eigensinn ist neben der Intellektualität das gesellschaftliche Engagement Elisabeths wichtig. Sie sei die bedeutendste Herforder Äbtissin der frühen Neuzeit gewesen, betont Sonja Langkafel. Mit ihrem Toleranzgedanken habe sie auch in die Stadt gewirkt. Bevor Elisabeths Leben und Denken in den Ausstellungen der Frauengeschichtsgruppe und des Städtischen Museums zur Geltung kommt, findet der philosophische Jahresauftakt bereits am 18. Januar statt. »Philosophielust« heißt die Veranstaltungsreihe mit Michael Girke im Museum. Bei dem Januartermin geht es um Elisabeth von der Pfalz.

Initiativen zum Jubiläum

Ein Gradmesser für die internationale Bedeutung Elisabeths ist eine Tagung, die die Uni Paderborn vom 18. bis zum 20. Mai veranstaltet. Der Titel lautet: »Elizabeth of Bohemia – Life and Legacy. Philosophy, Politics and Religion in Seventeenth Century Europe.« Aus vielen Ländern reisen die Teilnehmerinen an, der Festvortrag findet am 19. Mai in Herford statt.

Eine Ausstellung mit 13 Bannern zu Elisabeth plant die Frauengeschichtsgruppe Eigensinn. Der Eröffnungstermin steht noch nicht fest, die Ausstellung wird an verschiedenen Orten gezeigt.

Ein weiteres Projekt kommt vom Stadtarchiv im Zusammenarbeit mit dem Elisabeth von der Pfalz-Berufskolleg: Angehende Erzieher arbeiten mit Kindern und Jugendlichen zum Thema »Herford zur Zeit Elisabeths«.

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