Hundehalter in Herford sollen beim Gassigehen eine Plastiktüte vorweisen – sonst Geldstrafe Bürgermeister will Kotbeutel-Pflicht

Herford (WB). Herfords Hundehalter aufgepasst: Wer zukünftig beim Gassigehen ohne Kotbeutel erwischt wird, soll zur Kasse gebeten werden. Zumindest wenn es nach Tim Kähler geht. Der Bürgermeister will eine Plastiktüten-Pflicht einführen.

Von Moritz Winde
An mehreren Stellen in der Innenstadt, wie hier am Pöppelmannwall, sind so genannte Dog-Stationen aufgebaut – eine Kombination von Abfallbehälter und Tütenspender.
An mehreren Stellen in der Innenstadt, wie hier am Pöppelmannwall, sind so genannte Dog-Stationen aufgebaut – eine Kombination von Abfallbehälter und Tütenspender. Foto: Moritz Winde

Strafe in Höhe von 20 Euro

Kommentar

Gibt es in Herford keine drängendere Herausforderung als Hundehaufen? Wer durch die Stadt geht, stellt fest, dass das Problem mit dem großen Geschäft gar nicht so groß ist, wie der Bürgermeister es macht. Die meisten Hundebesitzer sind verantwortungsvoll und beseitigen den Dreck ihrer Tiere. Das Geld für zusätzliche Kontrolleure sollte besser in Sozialarbeiter an Schulen investiert werden. Tim Kählers Kotbeutelpflicht-Idee gehört genau wie die Hundehaufen in die Tonne.

Wer bei einer Überprüfung kein Exemplar für das große Geschäft seines Vierbeiners vorweisen kann, soll ein Ordnungsgeld in Höhe von 20 Euro zahlen. Um dies zu kontrollieren, sollen sogar extra zwei zusätzliche Vollzeit-Stellen bei der City-Wache geschaffen und damit die Anzahl der Ordnungsdienst-Mitarbeiter verdoppelt werden. Allerdings müsste der Stadtrat diese Vorschläge abnicken. Die Mitglieder des Parlaments debattieren am Freitag, 8. Dezember, darüber.

Tim Kähler hatte bereits im vergangenen Jahr die Höhe der städtischen Bußgelder mit Zustimmung der Politik ordentlich nach oben geschraubt – und zwar teilweise um 700 Prozent. Bis dahin wurden Verstöße wie Urinieren in der Öffentlichkeit (von 10 auf 50 Euro), Nichtbeseitigen von Hundekot (von 25 auf 100 Euro), Abladen von Müll (von 25 auf 150 Euro), Alkoholtrinken und Lärmmachen (von 25 auf 100 Euro) oder aggressives Betteln (von 25 auf 150 Euro) mit geringen Verwarngeldern geahndet.

Steigerung der Bußgelder um 467 Prozent

In den ersten neun Monaten nach Inkrafttreten der neuen Strafen wurde bereits 1155 Euro an Bußgeldern kassiert – eine Steigerung um 467 Prozent. Im gesamten Jahr 2016 waren es gerade einmal 247 Euro. Kähler: »Nachdem die Zahl der Verfahren zunächst deutlich anstieg, zeigt sich inzwischen, dass sie rückläufig ist.« Der Bürgermeister führt diesen »positiven Effekt« auf die verstärkten Kontrollen und die drastischen Sanktionen zurück.

Jetzt will das Stadtoberhaupt noch einen Schritt weiter gehen: Ähnlich wie Autofahrer, die stets einen Führerschein dabei haben müssen, will er von Hundehaltern folgendes verlangen: »Personen, die einen Hund führen, sind verpflichtet, geeignete Hilfsmittel (z.B. Hundekotbeutel) für Aufnahme und Transport von Tierkot mitzuführen und auf Verlangen vorzuweisen.«

So soll es nach Kählers Meinung in der ordnungsbehördlichen Verordnung der Stadt Herford festgehalten werden. Er orientiert sich dabei an Städten wie Offenbach und Berlin, die bereits diesen erfolgversprechenden Weg eingeschlagen hätten, um bei Hundehaltern ein Problembewusstsein zu erzeugen.

3753 Hunde in Herford gemeldet

Als Begründung sagt der 49-Jährige, dass die Verschmutzung durch Hundekot nach wie vor ein Ärgernis und drängendes Problem sei. Wer die Hinterlassenschaften seines Struppis – in Herford sind laut Verwaltung 3753 Hunde angemeldet – nicht beseitigt, wird zwar auch heute schon hart bestraft. »Schwierig ist aber die beweissichere Feststellung eines Verstoßes. Die ›Täter‹ müssen auf frischer Tat ertappt werden, ansonsten ist die Einleitung eines Verfahrens aussichtslos. Das belegt die geringe Anzahl der erfolgreich durchgeführten Ordnungswidrigkeitsverfahren in den vergangenen Jahren«, sagt Tim Kähler.

Durch die neue Regelung werde den Ordnungskräften die Möglichkeit eröffnet, die grundsätzliche Bereitschaft des Hundehalters zu prüfen, die möglichen Hinterlassenschaften seines Tieres zu beseitigen.

Übrigens: Die städtische Straßenreinigung sagt, dass subjektiv die Verschmutzung durch Hundekot in der Innenstadt spürbar abgenommen hat.

Kommentare

wie wäre es

wenn Katzenhalter auch dafür sorgen, dass den Katzenkot sie auch entfernen. Es gab vor kurzen ein Gerichtsurteil, dass der Katzenbesitzer dafür sorgen muss. Wenn ich mir ansehe, wie viel Katzenschei...in den Sandkisten der Kinder ist...und warum gibt es keine Katzensteuer? So lange Hundebesitzer Hundesteuer zahlen müssen, können dann ihre Hunde überall hinschei..so wie es Katzen dürfen.Es gab schon mal vor 100 Jahren eine Katzensteuer, ich glaube in Dresden??

Mit Verlaub gesagt, Herr Bürgermeister Kähler: Welch ein unausgegorener Schwachsinn. Nur weil einige Zeitgenossen die Hinterlassenschaft ihrer Hunde nicht beseitigen, sollen von Ihnen alle Hundebesitzer in Sippenhaft genommen werden. Die Unverbesserlichen werden auch in Zukunft die Hinterlassenschaft ihrer Hunde an Ort und Stelle liegenlassen, es reicht ja, wenn sie einen Plastikbeutel bei einer Kontrolle vorweisen können. Und was sollen die Hundehalter tun, die - vor einer Kontrolle - die Hinterlassenschaft ihres Hundes mittels Plastiktüte aufgesammelt und in einem Müllbehälter entsorgt haben. Die können dann keinen Beutel vorweisen und müssen zahlen ? Ach ja, ich vergaß, die Beutel müssen ja auch für den Transport von Hundekot (von wo nach wo ?) mitgeführt werden und können dann gefüllt und geöffnet den Kontrolleuren unter die Nase gehalten werden. Damit wäre der Verordnung schließlich Genüge getan.
Und wenn man dann noch für die Durchsetzung einer solch bek(n)ackten Verordnung 2 zusätzliche Vollzeitstellen schaffen will, ist man nicht mehr weit von dem Ruf eines Steuerverschwenders entfernt.

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