Kulturbeirat lehnt kostenlose Nutzung für Vereine ab Stadttheater Herford: Wer auftreten will, muss zahlen

Herford (WB). Vereine, die das Herforder Stadttheater nutzen wollen, werden auch weiterhin Miete zahlen müssen. Den Antrag, das Theater nicht nur ermäßigt, sondern kostenlos zur Verfügung zu stellen, hat der Kulturbeirat abgelehnt.

Von Hartmut Horstmann
Das Herforder Stadttheater: Auch zukünftig sollen Vereine Miete zahlen müssen. Wegen der Kosten ist zum Beispiel der Shantychor Hansestadt Herford seit Jahren nicht mehr im Theater aufgetreten.
Das Herforder Stadttheater: Auch zukünftig sollen Vereine Miete zahlen müssen. Wegen der Kosten ist zum Beispiel der Shantychor Hansestadt Herford seit Jahren nicht mehr im Theater aufgetreten. Foto: Hartmut Horstmann

Der Verein Kulturanker unter Vorsitz von Hans-Jürgen Buder hatte den Antrag gestellt. In der Begründung heißt es, Kulturvereine wie der Shantychor Hansestadt Herford oder die Laienspielschar Falkendiek seien nicht in der Lage, die Mieten zu zahlen. Wenn diese Gruppen das Theater buchen wollen, müssen sie derzeit eine ermäßigte Miete in Höhe von 1250 Euro zahlen – zum Vergleich: Der normale Preis beträgt 1700 Euro.

Konzert lohnt nicht mehr

Doch auch die Reduzierung reicht laut Darstellung des Vereins Kulturanker oft nicht aus. »Wir haben das Stadttheater seit einigen Jahren nicht mehr genutzt«, erklärt Hans Rodax, Vorsitzender des Shantychors Hansestadt Herford. Als maßgeblichen Grund führt er die Kosten an und nennt neben der Miete Bereiche wie Werbung und Technik. Wenn alles normal laufe, lande man am Ende bei Null, so Rodax.

Dabei stellt für ihn ein Konzert im Stadttheater noch immer das »Optimum« dar. Aber auch angesichts allgemein zurückgegangener Besucherzahlen lohnt es sich aus Sicht des Vorsitzenden nicht mehr – zumindest nicht unter den aktuellen Bedingungen. Rodax verweist darauf, dass es sich bei den Konzerten um eine ehrenamtliche Tätigkeit handelt. Seine Frage: »Warum müssen Ehrenamtler dazu zahlen, um das Minus geringer zu halten?«

Fehlende Würdigung des Ehrenamtes?

Einen Fürsprecher finden die Sänger im Verein Kulturanker, der angesichts des Stadttheater-Rückzugs einiger Gruppen auch negative Auswirkungen für die Stadt sieht. Viele imageverbessernde Veranstaltungen fielen fort, schreibt der Verein. Und: »Zudem vermissen die Vereine eine Würdigung ihres Ehrenamtes durch Politik und Verwaltung.«

Natürlich seien Kulturveranstaltung ehrenamtlicher Vereine eine Bereicherung, heißt es seitens der Verwaltung. Britta Kurlbaum, kommissarische Geschäftsführerin der Kultur gGmbH, gibt aber auch zu bedenken: »Nicht jeder Verein möchte ein Haus mit fast 700 Plätzen mieten.« Zudem verweist sie auf Veranstaltungen von Vereinen und Chören, die die ermäßigten Preise hätten aufbringen können. Hierzu zählen unter anderem der Chor Rodnik, die Turngemeinde Herford, die Kliffkieker und die Evangelische Jugendarbeit.

In der Miete enthalten sind die Kosten für den Bühnenmeister und das Garderobenpersonal, auch die Technik kann genutzt werden. Einstimmig sprach sich der Kulturbeirat für die Beibehaltung der reduzierten Miete aus.

Kulturentwicklungsplan aufstellen

Ob es für die Vereine zukünftig dennoch weitere Förder-Möglichkeiten gibt, wird Bestandteil der Kulturentwicklungsplanung sein. Von Jürgen Bollmann (SPD) kommt der Vorschlag, wie andere Städte solle auch Herford die Kulturpolitik durch Kulturentwicklungspläne steuern. Eine Frage sei hier, ob man sich Experten von außen hole, sagt Andreas Gorsler (CDU).

Spätestens in der ersten Sitzung nach der Sommerpause 2018 soll die Verwaltung Vorschläge machen. Gorsler verweist darauf, dass bei der Entwicklung des Plans auch die Vereine mit im Boot sitzen. So sollen Kulturakteure, interessierte Bürger sowie Vertreter aus Verwaltung und Politik beteiligt werden.

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