Ex-Banker Martin Werner bereitet die Sanierung des Fachwerkensembles vor Hoffnung für das Haus des Handwerks

Herford (WB). Was lange währt, soll nun endlich gut werden: Jahrelang hatte die Kreishandwerkerschaft vergeblich einen Käufer für das Haus des Handwerks gesucht. Nun hat der gebürtige Herforder Martin Werner das marode Fachwerkensemble in der Elisabethstraße übernommen.

Von Peter Schelberg
Martin Werner (64) hat das denkmalgeschützte Haus des Handwerks in Herford gekauft. In den nächsten Jahren will der ehemalige Bänker das Fachwerkensemble an der Elisabethstraße behutsam in Eigenarbeit sanieren. 
Martin Werner (64) hat das denkmalgeschützte Haus des Handwerks in Herford gekauft. In den nächsten Jahren will der ehemalige Bänker das Fachwerkensemble an der Elisabethstraße behutsam in Eigenarbeit sanieren. 

Der 64-Jährige will die Immobilie in den nächsten Jahren von Grund auf sanieren – natürlich in Absprache mit der Denkmalpflege. Ein Architekt hatte die Sanierungskosten mit Entkernen und Neuaufbau auf mindestens 1,3 Millionen Euro geschätzt. Daraufhin beschloss die Kreishandwerkerschaft, sich von dem Objekt zu trennen. 2016 war es zuletzt für 250 000 Euro im Angebot.

Kaufpreis ungenannt

Zum Kaufpreis äußert sich Martin Werner nicht. »Die zentrale Lage ist jedenfalls gut und wir haben hier auch einige Parkplätze auf dem Grundstück«, sieht er die Ausgangssituation optimistisch. In jedem Fall aber warten große Herausforderungen auf den ehemaligen Bänker, der allerdings bereits einige alte Häuser in Eigenarbeit saniert hat: So beispielsweise eines der populärsten Gebäude im Herzen der sächsischen Stadt Pirna.

Eher zufällig hatte der Herforder 1990 das aus dem 16. Jahrhundert stammende Eckhaus Kirchplatz 1 entdeckt, als er nach der Wende für die Dresdner Bank in Dresden arbeitete. Der zunächst geplante Kurzeinsatz von sechs Monaten dauerte deutlich länger: Der Herforder blieb an der Elbe und zog 1995 nach Pirna.

Viele handwerkliche Arbeiten

Mit viel Geduld und Liebe zum Detail baute er in 20 Jahren die »Bruchbude« zu einem Schmuckstück aus. Die meisten handwerklichen Arbeiten hat der »Dickschädel aus Ostwestfalen« – so wurde er in einem Beitrag der Sächsischen Zeitung genannt – selbst erledigt. »Die Kenntnisse habe ich mir auch selbst angeeignet«, sagt der gelernte Bankkaufmann und flachst: »Heute steht ja fast alles im Internet.«

Der Lohn der Mühe: Heute gilt das Pirnaer Eckhaus mit seinen schmucken Butzenscheiben und dem mittelalterlich ausgebauten Lokal »Refugium« als herausragendes Beispiel der Altstadtsanierung. »Wenn ich von jedem Touristen, der das Gebäude fotografiert, einen Euro bekäme, wäre ich schon Millionär«, sagt der Do-it-yourself-Mann lächelnd.

Sanierung braucht Zeit

In seiner Heimatstadt Herford hat er in den vergangenen Jahren das Haus Elverdisser Straße 26 saniert und inzwischen vermietet. Auch mit der Sanierung in der Elisabethstraße will er sich Zeit lassen: »Am vordringlichsten ist die Fassade. Die Balken müssen freigelegt und repariert werden, die sind teilweise gespachtelt«, sagt Werner. »In den Wänden gab es sogar Risse, durch die man nach draußen blicken konnte«, berichtet er. Heizung und Elektrik sollen »nebenher« erneuert werden.

Zurzeit verhandelt der 64-Jährige mit den Denkmalschützern über die Fenster, die er ebenso wie die Türen nach und nach ersetzen will. »Meist arbeite ich hier allein«, sagt er. In den Räumen sollen alte Heraklitplatten, Pappwände und abgehängte Decken entfernt und Wände mit Lehm und Holzfaserplatten neu aufgebaut werden. »Ich will aus dem Barockgebäude wieder ein richtiges Barockgebäude machen«, betont Werner.

Beginn 2018

2018 will er loslegen, sobald das familieneigene Gerüst an der Baustelle Bergertorstraße nicht mehr benötigt wird: Dort saniert sein Sohn Markus derzeit das Gebäude der früheren Gaststätte »Westfälischer Hof«.

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