Hodenkrebs besiegt: Danny Meier (29) ruft Männer zur Vorsorge auf Dieser Herforder hat den Hodenkrebs besiegt

Herford (WB). Gerade einmal 28 Jahre ist Danny Meier alt, als er die niederschmetternde Diagnose erhält: Hodenkrebs. Heute, ein Jahr später, ist die Krankheit besiegt und Meier geht mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit. Seine Botschaft: »Geht zum Arzt!«

Von Jan Gruhn
Danny Meier (29, links) hat den Hodenkrebs besiegt, jetzt geht er mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit. Ehemann Dennis (38) hat dafür gesorgt, dass der junge Mann auch in der schweren Phase der Chemotherapie nicht aufgegeben hat.
Danny Meier (29, links) hat den Hodenkrebs besiegt, jetzt geht er mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit. Ehemann Dennis (38) hat dafür gesorgt, dass der junge Mann auch in der schweren Phase der Chemotherapie nicht aufgegeben hat. Foto: Jan Gruhn

»Ich muss sterben.« Das sei sein erster Gedanke gewesen, nachdem der Urologe ihm die Diagnose eröffnet habe. Das Ultraschallgerät zeigte den Tumor im Hoden. Der zweite Gedanke. »Du lässt deinen Mann alleine.«

Bis dahin war Krebs für Danny Meier eine Krankheit, die nur andere Menschen bekommen. Weit entfernt vom eigenen Leben. Doch plötzlich musste er Ehemann Dennis (38) erklären, dass der Krebs von nun an seinen Alltag bestimmen wird.

Der Krebs hat gestreut

In einer Operation im Herforder Klinikum wird der betroffene Hoden wenige Tage später entfernt. Noch ist nicht klar, wie ernst die Lage ist. Doch eine Computertomografie bringt dem Ehepaar, das zusammen ein Fotostudio in der Radewiger Straße betreibt, die schmerzliche Gewissheit: Der Krebs hat gestreut.

Es folgt eine Chemotherapie, die Danny Meier in die Knie zu zwingen scheint. In dreiwöchigen Zyklen bekommt er die Infusionen, die sein Leben retten sollen. Immer erst stationär, dann zwei weitere in ambulanten Sitzungen.

Die Nebenwirkungen lassen nicht lange auf sich warten. »Wir haben gerade in einem Restaurant gegessen, als ich auf einmal meine Barthaare in der Hand hatte«, erinnert sich Meier.

»Jeder Tag ist ein Regentag«

Doch nicht nur die Haare, sondern auch die Kraft schwindet zusehends. »Ich hatte damals das Gefühl, jeder Tag ist ein Regentag.« Zwischenzeitlich überlegt der junge Mann sogar, die Therapie abzubrechen, so unerträglich sei die Situation für ihn gewesen. »Aber Dennis hat mir den Schubser verpasst, den ich gebraucht habe«, sagt Meier und wendet sich zu seinem Ehemann, der damals gesagt habe: »Ich will und werde nicht ohne dich alt werden!«

Damals sei ihm klar geworden, dass er den Kampf gegen den Krebs nicht nur für sich selbst austrägt. Sondern auch für seinen Mann, seine Familie, seine Freunde. Und deshalb hat er seine Erkrankung auch bei Facebook öffentlich gemacht.

Anteilnahme, aber auch Suche nach Hilfe

»Geht regelmäßig zum Arzt!«, ruft er in seinem Post auf, den er genau ein Jahr nach der Diagnose schreibt. Von der Reaktion auf seine Worte ist er überwältigt: Hunderte klicken »Gefällt mir«, Meiers digitales Postfach platzt vor Nachrichten.

Anteilnahme. Aber auch Männer, die um Rat fragen. Wo gehe ich hin, um mich untersuchen zu lassen? Wo lasse ich mich im Ernstfall behandeln?

Besonders junge Männer betroffen

Auf ihrer Homepage gibt die Deutsche Krebsgesellschaft an, dass Hodenkrebs vor allem Männer zwischen 20 und 40 Jahren trifft. Ein Alter, in dem viele Menschen laut Meier nicht damit rechnen, überhaupt an Krebs denken zu müssen – wie er selbst vor der Diagnose. Aber rechtzeitig erkannt, stünden die Chancen gut, geheilt zu werden. Deshalb appelliert Meier an Männer, vorsorglich zum Urologen zu gehen. »Denn das tut nicht weh.«

Mittlerweile sind die Metastasen weg, die Haare sind wieder da. Meier ist krebsfrei. Und damit das auch so bleibt, geht er regelmäßig zur Kontrolle. Meier: »Denn was gibt es Schöneres, als noch Zeit zu haben?«

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