Politikwissenschaftler Wolfgang Kraushaar stellt sein neues Buch über die RAF vor Die Gewalt und ihre Vorgeschichte

Herford (WB/man). Deutscher Herbst 1977, die Ermordung von Hanns Martin Schleyer, die Entführung der Lufthansa-Maschine Landshut mit 86 Passagieren an Bord: Der Terror der RAF hat sich fest ins kollektive Gedächtnis der Nation eingebrannt. Mit der Vorgeschichte und ihren Auswirkungen beschäftigt sich Dr. Wolfgang Kraushaar in seinem neuen Buch. Die Ergebnisse stellt er am Donnerstag, 23. November, ab 19.30 Uhr, im Ernst-Lohmeyer-Haus, Stiftbergstraße, vor.

RAF-Experte Dr. Wolfgang Kraushaar (69) stellt sein neues Buch im Ernst-Lohmeyer-Haus vor.
RAF-Experte Dr. Wolfgang Kraushaar (69) stellt sein neues Buch im Ernst-Lohmeyer-Haus vor. Foto: Sven Hoppe/dpa

»Die blinden Flecken der RAF«

Das Buch trägt den Titel »Die blinden Flecken der RAF« und ist nicht die erste Publikation des Politikwissenschaftlers zu dem Thema. So war er vor Jahren mit einer Veröffentlichung über »die antisemitischen Wurzeln des deutschen Terrorismus« ebenfalls im Lohmeyer-Haus zu Gast. Intensiv hat sich der 69-Jährige mit Protest-Bewegungen in Deutschland beschäftigt, Schwerpunkte sind 68er-Bewegung und RAF.

Folgt man dem Klappentext des neuen Buches, gibt es einen Zusammenhang zwischen 68 und der Roten Armee Fraktion: »Die Gewalt der RAF hat ihre Vorgeschichte in der Frühphase der scheinbar eher harmlosen 68er-Bewegung. Ihre Protagonisten, die sich als antibürgerliche Heroen stilisierten, sind zugleich tief verwurzelt im deutschen Nachkriegsbürgertum.«

In einem Interview zu seinem Buch äußert sich Kraushaar auch zur politischen Ausrichtung der RAF. Er spricht von »starken ideologischen Momenten wie dem Antiimperialismus« und attestiert »politische Begründungsmuster«. Allerdings kommt er zu dem Schluss: »Ich glaube nicht, dass diese für die RAF wirklich zentral gewesen sind.«

Fragen zu Geheimdiensten

Nicht alle RAF-Verbrechen sind aufgeklärt. In einem anderen Interview nennt der Autor die »Kollektivitätsannahme der Straftäter« und die Rolle der Geheimdienste als Gründe. Ein neuer Paragraf habe ermöglicht, bereits die Zugehörigkeit zu einer terroristischen Vereinigung unter Strafe zu stellen. Das heiße, so Kraushaar: »Es bedurfte keines konkreten Tatnachweises mehr. Das ist ein enormes Defizit gewesen, weil in vielen Fällen Leute abgeurteilt worden sind, die nicht einmal am Tatort gewesen sind.«

Auch in Richtung Geheimdienste geht Kraushaars Blick. So nennt er das Beispiel von Peter Urban, der in der West-Berliner Szene als Undercover-Agent für den Verfassungsschutz aktiv war und interessierte Kreise mit Waffen und Sprengstoff versorgt hat.

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