250 Zuschauer bejubeln NRW-Juniorballett im Stadttheater Herford Mordkomplott im Schneegestöber

Herford (WB). Agatha Christies »Mord im Orient-Express« ist weltberühmt und oft adaptiert. 250 Theaterzuschauer haben am Samstag eine besondere Variante des Klassikers zu sehen bekommen. Das Ballett Dortmund entführte in eine kalte Nacht zwischen Schneegestöber und Mordkomplott.

Von Sophie Hoffmeier
Perfekte Körperbeherrschung: Das NRW-Juniorballett hat sich Agatha Christies »Mord im Orient-Express« angenommen. Es adaptiert Motive wie den unruhigen Schnee und setzt sie bildgewaltig um. 250 Zuschauer waren im Theater dabei.
Perfekte Körperbeherrschung: Das NRW-Juniorballett hat sich Agatha Christies »Mord im Orient-Express« angenommen. Es adaptiert Motive wie den unruhigen Schnee und setzt sie bildgewaltig um. 250 Zuschauer waren im Theater dabei.

Bildgewaltige Inszenierung

Aktuell flimmert eine weitere Verfilmung von Christies Roman über die Kinoleinwände. Die Neuauflage mit Johnny Depp ist Anfang des Monats gestartet. Der Stoff hat seinen Reiz offenbar noch nicht eingebüßt.

1833 setzt sich der Orient-Express erstmals in Bewegung. Von Paris nach Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, geht die Reise. Völker und Kulturen soll der Luxuszug verbinden. Gleichzeitig wird er zum Stoff vieler Geschichten.

Die bildgewaltige Inszenierung unter der künstlerischen Leitung von Demis Volpi besticht durch ihre Stimmung. Zusammen mit drei weiteren Choreografen hat Volpi das Tanzprojekt realisiert. Dementsprechend abwechslungsreich waren die Choreografien und Tanzstile. Die zwölf Tänzer des NRW-Juniorballetts konnten ihre Wandelbarkeit unter Beweis stellen.

Verspiegelte Würfelstücke brechen das Licht. Sie bilden die Kulisse für den Aufenthalt im Orient-Express und können immer wieder neu zusammengesetzt werden. Die Steine bilden mal den Zug im Nebel und dann wieder außergewöhnliche Landschaften. In ihnen spiegeln sich die Tänzer. Sie scheinen sich zu vervielfältigen.

Großer Jubel für Tänzer

»Der Zug« ist der Name des Ersten der insgesamt neun gezeigten Bilder. Hier setzen die

Den Höhepunkt des Stückes stellt die Abrechnung mit dem Täter dar. Im Pas de deux ringen die Zeugen mit dem Übeltäter. Foto: Hoffmeier

Tänzer den stampfenden Rhythmus der Dampflok um, der Grundstein für die Reise wird gelegt. Handlungsstränge aus Christies Roman werden nicht einfach wiedergegeben, sondern das Ensemble hat einzelne Motive übernommen und in Bilder umgesetzt.

Der Nervenkitzel eines Krimis rückt dabei in den Hintergrund und schafft Platz für eine Auseinandersetzung mit Themen wie Schuld, Gewalt und Sühne. Die einzelnen Bilder setzen sich mit unterschiedlichen Perspektiven auseinander. Opfer, Täter, Detektiv und Zeugen bringen ihre Sichtweisen tänzerisch zum Ausdruck.

Die Aufführung besticht durch ihre Atmosphäre. Der Saal ist in blaues Licht getaucht. Mit Taschenlampe begeben sich die Darsteller auf die Suche nach dem Täter. Den Höhepunkt bildet ein Racheakt, bei dem jeder der Zeugen mit dem Mörder abrechnet. Hier bekommt der Zuschauer in kurzen Pas de deux noch einmal einen großen Facettenreichtum geboten. Die jungen Tänzer wurden für ihre Leistungen mit großem Jubel belohnt.

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