Leiter der Gymnasien geben Einschätzung G8 oder G9? Das sagen die Schulen im Kreis Herford

Herford (WB). Die Landesregierung will den Weg für eine Rückkehr der Gymnasien zum Abitur nach neun Jahren (G9) freimachen. Gymnasien können sich aber auch dafür entscheiden, bei G8 zu bleiben. Das WESTFALEN-BLATT hat die Schulleiter im Kreis Herford um eine erste Einschätzung gebeten.

Im Kreis Herford geht die Tendenz in Richtung G9.
Im Kreis Herford geht die Tendenz in Richtung G9. Foto: Armin Weigel/dpa

Am Mittwoch waren die Leiter der Gymnasien in Düsseldorf von Schulministerin Yvonne Gebauer informiert worden. Zwar werden die Schulkonferenzen erst zu einem späteren Zeitpunkt zwischen G8 und G9 entscheiden können. Dennoch zeichnet sich schon jetzt bei den meisten Gymnasien im Kreis Herford ab, dass die Wahl mit großer Wahrscheinlichkeit auf G9 fallen wird.

In diesem Fall rechnen einige Direktoren mit einem höheren Raumbedarf. Gudrun Horst de Cuestas, Direktorin des Herforder Friedrichs-Gymnasiums , hält eine Stellungnahme zum jetzigen Zeitpunkt nicht für sinnvoll: »Wir wissen doch nur, dass es G9 wieder geben wird.« Voraussichtlich werde Schulministerin Gebauer zur Bezirksschulkonferenz am 27. November weitere Details mitteilen.

Ravensberger Gymnasium Herford

Rita Klötzer, Leiterin des Ravensberger Gymnasiums: »Es ist noch zu früh, um seriös entscheiden zu können. Wir wissen beispielsweise nichts Genaueres über eine Stundentafel. Ein wichtiger Punkt für viele Eltern ist noch nicht entschieden: Wann wird die zweite Fremdsprache einsetzen? Derzeit setzt sie bei G8 in der Jahrgangsstufe 6 ein. Soll sie bei der Rückkehr zu G9 wieder in der 7 starten?

Die Tendenz in der Elternschaft geht von der Stimmungslage her schon in Richtung G9. Wenn die Jahrgänge hochwachsen, entstehen zusätzliche Raumbedarfe. Wir haben jetzt schon vier Klassenräume zu wenig. Sollte es eine Rückkehr zu G9 geben, wären es sogar sieben bis acht.«

Königin-Mathilde-Gymnasium Herford

Schulleiter Erhard Kirchhof geht davon aus, dass das KMG zu G9 zurückkehren wird. »Wenn man mit Vertretern der unterschiedlichen Gremien spricht, die in ihrer Entscheidung natürlich frei sind, dann geht die Tendenz deutlich in diese Richtung. Aber zunächst muss die Schulministerin erst den entsprechenden Erlass herausgeben. Wenn eine Schule nicht aktiv wird, wechselt sie automatisch zu G9. Und das wird beim KMG voraussichtlich so sein. Raumprobleme werden dadurch zumindest in den ersten Jahren bei uns nicht entstehen.«

Die Umstellung auf das »Turbo-Abi« nach acht Jahren sei für alle Beteiligten stressig gewesen, so Kirchhof: »Schließlich musste der Stoff eines Jahres aufgeholt werden.«

Bünder Gymnasium am Markt

»Wenn die Rahmenbedingungen so sein werden, wie man es hört, würden wir auch auf G9 zugehen«, erklärt Karin Stallmann, Leiterin des Bünder Gymnasiums am Markt. Auch vonseiten des Kollegiums und der Elternschaft gebe es entsprechende Signale, diesen Schritt zu gehen, so die Pädagogin: »Wir bewegen uns gedanklich in die Richtung.«

Stallmann ergänzt: »Zu unserem Tag der offenen Tür wollen unsere Besucher schließlich auch wissen, wie wir uns zukünftig aufstellen wollen.« Fest stehe für die Pädagogin aktuell aber auch, dass bei einer Rückkehr zum G9-Modell viel Arbeit sowohl in neue Lehrpläne als auch in die Überarbeitung von Schulbüchern gesteckt werden müsse.

Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Bünde

Auch am Bünder Freiherr-vom-Stein-Gymnasium deutet aktuell vieles auf eine mögliche Rückkehr zum G9-Modell hin. So erklärt Gunnar Woltering, Leiter der Bildungseinrichtung am Schulzentrum Nord: »Es ist alles noch sehr offen. Aber die Schule hat bereits vor einiger Zeit eine entsprechende Position zu G8/G9 formuliert, die wir auch auf unserer Homepage veröffentlicht haben.«

Dort heißt es wörtlich: »Vor dem Hintergrund der derzeitigen Sachlage sieht das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium zum jetzigen Zeitpunkt keine Notwendigkeit, um an G8 festzuhalten.« Allerdings müssten in der Sache auch die letztendlichen Entscheidungen der neuen nordrhein-westfälischen Landesregierung abgewartet werden.

Gymnasium Löhne

Anja Backheuer, Schulleiterin vom Löhner Gymnasium, sagt: »Ich gehe davon aus, dass sich für uns erst einmal nichts ändert. Schließlich handelt es sich bei dieser Schule um ein Modelprojekt, das G9 bereits seit einigen Jahren praktiziert. Wir haben positive Erfahrung mit G9 gemacht und sind der festen Überzeugung, dass sich mehr Zeit lohnt. Genauere Informationen über die Änderungen von G9 ab dem Schuljahr 2019/2020 liegen mir noch nicht vor.«

Weser-Gymnasium Vlotho

»Die Lehrer- und auch die Schülerkonferenz  haben sich eindeutig für eine Rückkehr des Weser-Gymnasiums zum Abitur nach neun Jahren ausgesprochen«, sagt Schulleiter Jörg Twele. Darüber hinaus hätten viele Gespräche mit Lehrern, Eltern und Schülern dieses Votum bestätigt.

Natürlich müssten bis zum Stichtag zum Schuljahresbeginn 2019/20   noch  einige Fragen geklärt werden. Folgen sieht Schulleiter Twele auch, was die personelle Ausstattung des WGV anbetrifft. »Wir gehen derzeit von einer Dreizügigkeit der Schule aus. Das bedeutet bei einem zusätzlichen Jahrgang ein Plus von 90 Unterrichtsstunden, für die wir vier neue Lehrer brauchen.«  Auch das Raumprogramm müsse wieder neu geordnet werden.

Widukind-Gymnasium Enger

Dr. Ulrich Henselmeyer, Leiter des Widukind-Gymnasiums Enger, sieht unter der Schüler-, Eltern und Lehrerschaft seiner Einrichtung eine klare Tendenz Richtung G9. »Wir sind noch mitten im Diskussionsprozess«, erklärte er, »doch die Zwischenbilanz zeigt in diese Richtung«.

Ob der Wechsel zu G9 Raumprobleme zur Folge habe, sei noch nicht abzusehen: »Dafür fehlen uns noch die Details zur Umsetzung von G9.« Auch in Sachen Ganztag sei man noch im Ungewissen. »Unser Favorit ist ein bedarfsorientiertes Modell. Den Eltern und Schülern, die es wünschen, würden wir gerne ein pädagogische sinnvolles Angebot machen.« In Sachen Ganztag müssten auf jeden Fall Schulkonferenz und Schulträger zustimmen.

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