Kreispolizei will Autofahrer nach Verschärfung der Strafen stärker kontrollieren Herforder Polizei ist Handy-Sündern auf der Spur

Herford (WB). Handy am Steuer wird jetzt richtig teuer: Nachdem die Bundesregierung die Strafen für die Nutzung von Mobiltelefonen am Steuer drastisch verschärft hat , will die Polizei im Kreis Herford künftig noch mehr kontrollieren.

Von Jan Gruhn
Hans-Joachim Gronau (links) und Albert Meier warnen vor den Folgen vom Handy am Steuer.
Hans-Joachim Gronau (links) und Albert Meier warnen vor den Folgen vom Handy am Steuer. Foto: Jan Gruhn

Polizist Mario Hoffmann, heute in Zivil, lässt das Funkgerät knacken. »Der Kombi«, übermittelt er seinen Kollegen. Die stehen einige hundert Meter weiter in einer Querstraße in Hiddenhausen und winken das metallic-grüne Gefährt raus. Der Fahrer soll das Handy am Ohr gehabt haben – laut Albert Meier kein Kavaliersdelikt.

Der Leiter der Verkehrsdirektion der Kreispolizeibehörde warnt vor der ablenkenden Wirkung. »Es wird unterschätzt«, so Meier. Aber ein Telefonat am Steuer sei ähnlich schlecht für die Fahrtüchtigkeit wie eine gehörige Menge Alkohol im Blut.

Bisher waren es nur 60 Euro

»Ich habe nur aufs Handy geschaut, weil ein Anruf kam«, erklärt sich ein Mann in Arbeitskleidung vor seinem Firmenwagen, den die Polizisten einige Augenblicke zuvor angehalten haben. »Es war meine Frau.«

Weil er das Telefon in der Hand gehalten hat, werden jetzt 100 Euro plus Bearbeitungsgebühr fällig. Vor der Novellierung durch die Bundesregierung wären es nur 60 Euro gewesen. Verständnis für die Erhöhung hat der Ertappte allerdings nicht. »Es gibt Sachen, die schlimmer sind.«

Doch Hans-Joachim Gronau aus dem Verkehrsdienst kennt die Unfallbilder, die nach solchen Unachtsamkeiten geschossen werden. »Das ist kein Spaß«, sagt der Polizist. »Vielfach ist das Verständnis für Verkehrssicherheit nur über den Geldbeutel erreichbar«, ergänzt Albert Meier. Deswegen begrüßen die beiden Beamten die Erhöhung der Bußgelder (siehe Kasten).

Navis dürfen nicht bedient werden

Doch die neue Verordnung regelt mehr als nur den Strafkatalog. Laut Meier sei im Gegensatz zum Vorläufer-Gesetz nun auch der Umgang mit anderen Elektro-Geräten als dem Mobiltelefon abgedeckt. So dürften zum Beispiel auch fest eingebaute Navis oder Berühr-Bildschirme nicht mehr während der Fahrt vom Fahrer bedient werden. Gleiches gelte für Laptops oder andere Video- oder Audiogeräte.

Doch laut den beiden Verkehrspolizisten lässt die Regelung auch Grauzonen. Wie steht es zum Beispiel mit der Annahme eines Anrufs per Knopfdruck am Lenkrad, wie in manchen Modellen möglich? »Das ist okay.« Bei allem, was darüber hinaus geht, werde es allerdings schwierig.

Fahrer hat Redebedarf

Wieder knackt das Funkgerät. Der Fahrer des grünen Kombis ist nicht ganz einverstanden mit Mario Hoffmanns Einschätzung zu seinem Vergehen – und hat Redebedarf. Er ist an diesem Tag nicht der einzige, der sich über die höheren Strafen ärgern dürfte.

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