Historisches Jahrbuch zu religiösen Themen ist so umfangreich wie nie zuvor Christliches Leben und Sterben

Herford (WB). Vom Totengräber in Rödinghausen bis zur Friedensgruppe auf dem Stiftberg: Ein breites Spektrum religiöser Geschichte deckt das neue Historische Jahrbuch für den Kreis Herford ab.

Von Hartmut Horstmann
Die Tote ist aufgebahrt, ein Teil der Familie steht um den Sarg. Diese Aufnahme aus dem Jahr 1903 gehört zu einem Aufsatz über einen Totengräber in Rödinghausen. 21 Beiträge enthält das neue Historische Jahrbuch.
Die Tote ist aufgebahrt, ein Teil der Familie steht um den Sarg. Diese Aufnahme aus dem Jahr 1903 gehört zu einem Aufsatz über einen Totengräber in Rödinghausen. 21 Beiträge enthält das neue Historische Jahrbuch. Foto: Gemeindearchiv Rödinghausen

Dieses Buch sei etwas ganz Besonderes, sagt Landrat Jürgen Müller. Die Besonderheit beginnt schon bei der Seitenzahl. »370 Seiten – so dick war bisher kein Jahrbuch«, wirft Kommunalarchivar Christoph Laue ein. Aber ganz besonders ist vor allem die Thematik. Anlässlich des 200. Geburtstages des Kirchenkreises Herford geht es in den Aufsätzen ausschließlich um religiöse Themen.

Kirchenkreis war konservativ

Dennoch habe man davon Abstand genommen, ein solches Buch seitens des Kirchenkreises zu machen, betont Superintendent Michael Krause: »Wir wollten uns nicht selbst darstellen, sondern Religiöses in anderen Zusammenhängen beleuchten.« So geht es nicht nur um die evangelische Kirche. Von dem katholischen Geistlichen Udo Tielking stammt beispielsweise ein Aufsatz über Bernhard Heising.

Zwei Beiträge hat Wolfgang Günther vom Landeskirchlichen Archiv beigesteuert. Einerseits gibt der Herforder einen Streifzug durch die Geschichte des Kirchenkreises, andererseits schreibt er über die Friedensgruppe Stiftberg. Auf die Frage, ob er bei seinen Recherchen Überraschendes entdeckt habe, nennt Günther die Aufbruchsstimmung im Zusammenhang mit den preußischen Reformen. Für bemerkenswert hält der Archivar ferner die Haltung der Kirche in den 80er Jahren zur Friedensbewegung. Viele Initiativen habe es auch im Kreis Herford gegeben, aber bis zur Kirchenkreis-Leitung sei das nicht richtig durchgedrungen. Günther kommt zu dem Ergebnis, dass der Kirchenkreis Herford zu dieser Zeit konservativer war als die Evangelische Kirche auf Landesebene.

Frühe Reformation

Die Herausgeber des Jahrbuchs betonen, dass die Publikation auch in Historikerkreisen einen guten Ruf genieße. Einen Streit unter Fachleuten erwarten Christoph Laue von einem Aufsatz des in Tübingen lehrenden Professors Jürgen Kampmann. Der 59-Jährige, der am Ravensberger Gymnasium Abitur gemacht hat, beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Reformation in der Region. Laut Kampmann habe sich die neue Lehre wesentlich schneller durchgesetzt als es zum Beispiel das Institut für Westfälische Städteforschung behaupte, erklärt Laue: »Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.«

Spektakulärster Punkt der jüngeren Kirchenkreis-Geschichte war das Öffentlichmachen der schwarzen Kasse. Dieses Thema spielt in einem Aufsatz über den ehemaligen Superintendenten Wilhelm Bartelheimer eine Rolle. »Er war entscheidend daran beteiligt, dass Geld zurückgelegt wurde, sagt der heutige Superintendent Michael Krause.

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