Bauausschuss Herford berät über Denkmalschutz für drei Objekte – Eigentümer widersprechen Speer-Architekt baute Haus in Herford

Herford (WB). Im »Dritten Reich« arbeitete er erfolgreich unter Albert Speer. Nun will die Verwaltung ein von dem Herforder Architekten Hanns Dustmann gebautes Wohnhaus in der Stadtholzstraße 14 unter Denkmalschutz stellen. Dagegen wehrt sich die heutige Eigentümerin. Der Bauausschuss berät am 23. November.

Von Peter Schelberg
Die Stadt will das einst im Auftrag des Unternehmers Karl Ernstmeier von dem Architekten Hanns Dustmann gebaute Wohnhaus Stadtholzstraße 14 unter Denkmalschutz stellen. Das Gebäude ist inzwischen in drei Eigentumswohnungen aufgeteilt.
Die Stadt will das einst im Auftrag des Unternehmers Karl Ernstmeier von dem Architekten Hanns Dustmann gebaute Wohnhaus Stadtholzstraße 14 unter Denkmalschutz stellen. Das Gebäude ist inzwischen in drei Eigentumswohnungen aufgeteilt. Foto: Hartmut Horstman

Insgesamt drei Gebäude sollen in die Denkmalliste eingetragen werden, schlägt Beigeordneter Dr. Peter Böhm vor: Neben der Immobilie Stadtholzstraße 14 ein weiteres Wohnhaus in der Stadtholzstraße 22 und (wie berichtet) die katholische St.-Paulus-Kirche in der Kiebitzstraße 3. Alle Eigentümer haben sich gegen die Unterschutzstellung ausgesprochen.

Bedeutend für die Stadtgeschichte

Herwart Rose plante das Haus Stadtholzstraße 22. Foto: Horstmann

Das Haus Nr. 14 mit Nebengebäuden und Außenanlage sehen die Denkmalschützer als bedeutend für die Stadtgeschichte an: In ihrer Begründung verweisen sie darauf, dass es sich um »ein außergewöhnliches Bauvorhaben handelt, das nur wenige Jahre nach Kriegsende verwirklicht wurde, als die Bauwirtschaft vor allem mit dem Wiederaufbau und der Beschaffung von sozialem Wohnraum beschäftigt war«.

Die besondere Situation in Herford durch die Beschlagnahme des gesamten Stiftbergbezirks durch die britische Besatzungsmacht bilde den Hintergrund der Baugeschichte dieses Hauses und sei damit ein wichtiger Bestandteil der Herforder Stadtgeschichte.

Hanns Dustmann 1949 mit Bau des Wohnhauses beauftragt

Architekt Hanns Dustmann war 1949 von dem Herforder Unternehmer Karl Ernstmeier mit dem Bau des Wohnhauses beauftragt worden. Die Größe und die repräsentative Ausstattung bezeugten das Selbstbewusstsein und die Stellung des Bauherrn in der Stadt, so die Verwaltungsvorlage: »Er gehörte neben anderen Industriellen zu den wichtigen Persönlichkeiten im Herforder Wirtschaftsleben und wollte das auch mit seinem neuen Wohnhaus zeigen. Alleine die ›gediegene‹ Bauausführung mit Hauszeichen und schmiedeeisernen Gittern vor den Fenstern, Brunnenanlage und Teehaus weist auf die gesellschaftliche Stellung des Bauherrn hin und vermittelt so die Ansprüche einer wirtschaftlichen Elite, in der noch jungen Bundesrepublik wieder öffentlich präsent zu sein.«

Dustmann zählte zu bedeutenden Architekten des »Dritten Reiches«

Für die Erhaltung und Nutzung lägen wissenschaftliche, hier architekturhistorische Gründe vor, da Dustmann zu den bedeutenden deutschen Architekten des »Dritten Reiches« und der Nachkriegszeit gehörte: »Er ist ein Beispiel für die ›Kontinuität und den Wandel‹, die die deutsche Architektur dieser Zeit bestimmte.«

Das Innere des Hauses spiegele einen großbürgerlich repräsentierenden Haushalt, der nur mit Personal zu führen sei und deswegen auch Wohnräume für das Personal vorhalte, Wohnlichkeit, die durch die Raumaufteilung, Proportionen und verwendeten Materialien erreicht werde und eine Raumaufteilung, die ein bestimmtes, großbürgerliches Verständnis von Familie spiegele.

Baugeschichtliche Entwicklung?

Für die Erhaltung und Nutzung lägen zudem städtebauliche Gründe vor, da das Wohnhaus den Anfang eines nach und nach dort entstehenden Villenviertels darstelle: »Mit der Eckbebauung Stadtholzstraße und der neu angelegten Lutherstraße gibt es heute noch den ›Auftakt‹ zu dieser Bebauung wieder«, die sich unter anderem durch die Beschlagnahme des Stiftbergbezirkes erkläre.

Das nahegelegene Wohnhaus Stadtholzstraße 22 wurde ab 1949 vom Herforder Architekten Herwart Rose für Karl Gustav Ernstmeier, den Sohn des Erbauers des Hauses Stadtholzstraße 14, errichtet. Für die Unterschutzstellung werden zum Teil die selben Gründe genannt wie bei Nr. 14. Das Haus sei in einem »sehr konservativen Stil« ausgeführt, der sich in den 30-er Jahren etabliert habe. Erkennen ließen sich Architekturstile, die sowohl die baugeschichtliche als auch die gesellschaftspolitische Entwicklung der 1950-er Jahre andeuteten.

Kommentare

gegen

so was würde ich mich auch wehren. Denn wenn ein Haus unter Denkalschutz steht, kann man nichts mehr selber bestimmen, nennt man Zwangsenteignung. Solchen Personen würde ich verbieten mein Grundstück zu betreten.

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