Hospizbewegung: Andreas Bentrup spielt sein Stück »Sterben lernen« in Herford Dem Tod ins Auge sehen

Herford (WB). Weinen sei wie Lachen, sagt Andreas Bentrup. Nur feuchter. Keine Frage, wenn der 45-Jährige als Schauspieler vor sein Publikum tritt, geht es ihm darum, die Herzen der Menschen zu erreichen.

Von Hartmut Horstmann
Der Mann mit dem Skelett: Der Schauspieler Andreas Bentrup, den viele Herforder auch als Klinikclown kennen, beschäftigt sich in seinem aktuellen Stück mit dem Sterben. Auf Einladung der Hospizbewegung Herford führt er es am kommenden Montag im Frühherrenhaus (Hintergrund) auf.
Der Mann mit dem Skelett: Der Schauspieler Andreas Bentrup, den viele Herforder auch als Klinikclown kennen, beschäftigt sich in seinem aktuellen Stück mit dem Sterben. Auf Einladung der Hospizbewegung Herford führt er es am kommenden Montag im Frühherrenhaus (Hintergrund) auf. Foto: Hartmut Horstmann

Hinzu kommt bei seinem Theaterverständnis die Verbindung von Spaß und Ernst, von Komik und großer Gedankentiefe. Dies gilt auch oder insbesondere für sein Solostück »Sterben lernen«, das er am Montag, 13. November, ab 19.30 Uhr im Frühherrenhaus präsentiert. Veranstaltet wird der Theaterabend von der Hospizbewegung Herford.

Interaktion zwischen Publikum und Schauspieler besonders

Herforder kennen Andreas Bentrup vor allem von seinem »Augenblicktheater«, das er mit seiner damaligen Frau 2007 gegründet hat. Seit einem Jahr lebt der Schauspieler in Hildesheim – doch die alten Kontakte pflegt er weiterhin. Zur Zeit ruhe das Augenblicktheater, erklärt Bentrup. Ihren Sitz hatte die Bühne im Johanneshaus, welches der 45-Jährige als Treffpunkt für ein Vorgespräch über sein Sterben-Stück auswählt. Freundlich grüßen ihn die Mitarbeiter des Altenheims – sie wissen, was sie an ihm und den anderen Schauspielern hatten.

Und Bentrup seinerseits hat hier das erfahren, was ihn seit jeher am meisten am Schauspielerberuf reizt: den direkten Kontakt mit dem Publikum. Er wolle Begegnungen ermöglichen, betont er und fragt: »Was habe ich davon, wenn das Theater nach einer Aufführung sofort leer ist?« Die Interaktion und das Gespräch mit den Zuschauern sind ihm wichtig.

»Sterben lernen« mit Sarg und Skelett

Wenn es um die ganz großen Themen geht, so bevorzugt er den humoristischen Zugang – so auch beim Sterben. »Wenn er »Sterben lernen« spielt, hat er auf der Bühne einen Sarg und ein Skelett dabei. Eine klare Geste, aber keine bedrohliche. Denn das Skelett hat auch etwas Ulkiges, verbreitet den Charme von Halloween. Und was den Sarg angeht, so will der Schauspieler den Menschen ihre Angst nehmen. »Viele Leute denken bei einem Sarg daran, dass sie von Würmern zerfressen werden«, weiß er. Und beruhigt: »In Deutschland wird man in einer Tiefe von mindestens 1,80 Meter unter der Erde begraben. Da sind keine Würmer mehr.«

Die normale Reaktion des Publikums ist Lachen. Dass Bentrup beim Thema Sterben ins schmerzhaft Schwarzhumorige abdriftet, ist nicht zu befürchten. Seit dem Beginn seines Schauspieler-Daseins vor etwa 15 Jahren ist der gebürtige Löhner auch immer mal als Clown unterwegs gewesen – und zwar im Krankenhaus oder in der Hospiz. Er habe da viele Sterbende begleitet, sagt er.

In die Tiefen des finalen Abschiednehmens eintauchen

»Wer beantwortet unsere letzten Fragen? Wer hält mit uns das Ungewisse aus?«: Diese Themen will der Wahl-Hildesheimer in dem Stück behandeln. In vielen Gesprächen hat er erfahren, dass sich die meisten Menschen einen schnellen Tod wünschen: »Am liebsten einfach umfallen, und dann ist es vorbei.« Doch die Realität sei eine andere: »Viele Menschen werden schmerzhafte Krankheiten haben. Und ihr Sterben wird lange dauern.«

So sehr Andreas Bentrup in die Tiefen des finalen Abschiednehmens eintaucht: Der 45-Jährige zieht aus dem Sich-Bewusstmachen der eigenen Endlichkeit auch Kraft. Wie der Name seiner Herforder Theatergruppe schon ausdrückt, legt Bentrup Wert darauf, den Augenblick zu leben. Stimmt die Gegenwart, ist auch die Zukunft kein Problem. Aus voller Überzeugung verkündet er: »Ich will alt werden!«

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