Züchter Vasu Manickam aus Herford wurde Weltmeister Der Freund der Seerosen

Herford (WB). Dieser Mann hat Stil. Auch im Gewächshaus, in dem Temperaturen von bis zu 50 Grad herrschen, trägt Vasu Manickam einen lilafarbenen Pulli. Denn dies ist seine Lieblingsfarbe – was sich auch in den von ihm gezüchteten Seerosen zeigt.

Von Hartmut Horstmann
Vasu Manickam an einem Teich seines neuen Gewächshauses: Im Wasser sind ausschließlich selbst entwickelte Seerosen zu sehen. Etwa 500 eigene Züchtungen betreut er derzeit. Winterhärte und Blühfreudigkeit entscheiden darüber, ob sie weiterentwickelt werden.
Vasu Manickam an einem Teich seines neuen Gewächshauses: Im Wasser sind ausschließlich selbst entwickelte Seerosen zu sehen. Etwa 500 eigene Züchtungen betreut er derzeit. Winterhärte und Blühfreudigkeit entscheiden darüber, ob sie weiterentwickelt werden. Foto: Hartmut Horstmann

Mit seiner Passion, die irgendwann auch zum Brotberuf werden soll, erreichte der Herforder im vergangenen Jahr höchsten Ruhm: In den USA wurde er Weltmeister der Seerosenzüchter. Vasu Manickam war der erste Deutsche, der diesen Titel gewonnen hat.

Neues Gewächshaus mit zwei Teichen

In diesem Jahr legt der 40-Jährige eine Wettkampfpause ein, allerdings ohne untätig zu sein. Mit der Unterstützung von Freunden und der Familie hat er ein zweites Gewächshaus mit zwei großen Teichen errichtet. »In ihnen kann ich die neu entwickelten Seerosen testen«, sagt der Experte. Zuvor wurden die winterharten Pflanzen ausschließlich in Kübeln gezüchtet. »Jetzt kann ich sehen, wie groß sie in einem Teich werden.«

Die deutschen Romantiker waren auf der Suche nach der blauen Blume. Vasu Manickam setzt diese Tradition in gewisser Weise fort, indem er blaue Seerosen züchtet.

So ganz am Kübel vorbei kommen jedoch auch sie nicht. Einige dieser Behälter stehen draußen, und dort bleiben sie auch über den Winter. Schließlich müssen die Pflanzen ihre Winterfestigkeit unter Eis beweisen.

Diesem Belastungstest hat sich auch die pinkfarbene Seerose zu unterziehen, für die Vasu Manickam im vergangenen Jahr den Weltmeistertitel bekommen hat. Läuft alles nach Plan, könnte sie im nächsten Jahr in den Verkauf kommen. Doch das ist noch Zukunftsmusik, zur Zeit verdient der Züchter seinen Lebensunterhalt als Restaurantleiter.

500 verschiedene Züchtungen in der Testphase

Vor etwa 20 Jahren war Vasu Manickam nach Herford gekommen. Die Faszination für Seerosen habe sicher mit seiner Heimat Malaysia zu tun, sagt er. Sie gehören dort zum Leben dazu – wie das Wasser. Auch wenn der Züchter längst die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten hat, lebt ein Teil seiner Heimat so in den Gewächshäusern weiter. Gleichzeitig hat es den 40-Jährigen stolz gemacht, als Einwanderer in seiner Branche den ersten Weltmeistertitel überhaupt für Deutschland geholt zu haben.

Doch das war gestern und die Zucht geht weiter. Aufmerksam betrachtet Vasu Manickam seine Seerosen, untersucht deren Blüten und Blätter. Immerhin 500 verschiedene Züchtungen gilt es in der Testphase zu betreuen und zu entwickeln. Etwa vier Jahre dauere es von der Bestäubung bis zur blühfähigen Pflanze, sagt der Freund der gepflegte Seerose. Da gilt es, einen langen Atem zu haben. Ob die Kreationen eine Zukunft haben, entscheidet sich nach diesem Zeitraum. Der Züchter: »Es geht um Winterhärte und Blühfreudigkeit.«

Zur Zeit sind es zwei Entwicklungen, an denen der 40-Jährige intensiv arbeitet: Durch die Kreuzung von tropischen mit winterharten Pflanzen entwickelt er Seerosen im Farbenspektrum zwischen lila und blau. Hinzu kommen kleinblütige Seerosen. Indem sie dennoch über eine hohe Zahl an Blütenblättern verfügen, haben auch sie das Potenzial zur Weltermeisterreife. Mit den blauen kleinen richtet sich der Herforder an Seerosenfreunde, die keinen eigenen Teich haben: »Sie können die Pflanzen in Kübeln auf der Terrasse oder dem Balkon lassen.«

www.traumseerose.de

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