Alexandra Ranner hat Installation an der Johanniskirche aufgebaut Künstlerin verspricht »Bewegung im Kopf«

Herford (WB). Ist es ein Gartenhaus oder ein Imbissstand im Grünen? Ein irritierender Anblick bietet sich den Passanten an der Johanniskirche. Dort hat die Künstlerin Alexandra Ranner die Installation »Ich habe genug« aufgebaut.

Von Hartmut Horstmann
Alexandra Ranner lehnt sich an das Haus, das in den nächsten Tagen und Wochen für Gesprächsstoff sorgen wird. Es ist Teil einer Installation, zu der ein 13-Minuten-Video gehört. Bis September soll auch der Film zu sehen sein. Eigentümer der Installation ist der Herforder Unternehmer Heiner Wemhöner, zuerst stand sie in der Nähe seines Firmensitzes.
Alexandra Ranner lehnt sich an das Haus, das in den nächsten Tagen und Wochen für Gesprächsstoff sorgen wird. Es ist Teil einer Installation, zu der ein 13-Minuten-Video gehört. Bis September soll auch der Film zu sehen sein. Eigentümer der Installation ist der Herforder Unternehmer Heiner Wemhöner, zuerst stand sie in der Nähe seines Firmensitzes. Foto: Hartmut Horstmann

In Herford erstmalig zu sehen war die Arbeit der Berlinerin auf einer Wiese am Unternehmenssitz Heiner Wemhöners. Nachdem die Installation dort für eine Ausstellung in Berlin abgebaut worden war, kam die Idee auf, für Herford einen neuen Ort zu suchen. Fündig wurde man auf einem kirchlichen Grundstück. Und als auch das Presbyterium zustimmte, war der Weg frei.

Dass es auch in der Gemeinde kritische Stimmen gibt, hat dabei Pfarrer und Kunstfreund Johannes Beer ohne weiteres eingeräumt. So moniert eine Bürgerin, dass für das Aufstellen des Hauses ein Baum gefällt worden sei. Alexandra Ranner betont, es sei kein hoher Baum, sondern eine Tanne gewesen.

Außerdem habe man etwas Gebüsch entfernt. Ausdrücklich spricht die Künstlerin von einem dezenten Eingriff in die Natur: »Ich hätte niemals zugelassen, dass ein großer Baum gefällt wird.« Diese Dezentheit scheint auch Programm: »Man könnte sagen, das Haus schmuggelt sich in die Welt ein.«

Für Aufsehen und einige Leserbriefe sorgte die Installation aber auch wegen eines Videos, das im Innern des Hauses gezeigt wird. Der Betrachter, der durchs Fenster schaut, sieht einen abgetrennten Kopf und einen See, es erklingt die Bach-Kantate »Ich habe genug.«

Ein kritischer Leserbriefschreiber empfand diese Bilder als dem kirchlichen Ort nicht angemessen. Doch Alexandra Ranner betont, ein Schrecken gehe von dem Film nicht aus: »Es ist nichts Reales, sondern alles wurde im Studio gedreht. Es ist ein Film von hoher Abstraktion und Künstlichkeit.«

Dieser Unterschied zum Horrorfilm ist ihr wichtig – und die Aussage. »Der abgeschlagene Kopf ist ein Symbol der Ohnmacht. Er passt in unsere Zeit.« Dass Bachs Kantate »Ich habe genug« andere Intentionen hatte, räumt die Künstlerin ein. Dabei verweist sie jedoch auf die Möglichkeit, einen alten Stoff mehrdeutig zu sehen beziehungsweise ihn zeitgemäß zu bearbeiten.

Dass die Arbeit den einen oder anderen aufwühlen oder sogar ärgern mag, weiß sie. Etwas Verwerfliches kann Alexandra Ranner darin aber nicht erkennen – im Gegenteil: »Die Beschäftigung mit Kunst sorgt für Bewegung im Kopf.«

Das Haus aus einem wetterfesten Holz mit Aluminiumdach wird über eine noch zu schaffende Rasenfläche zu erreichen sein. Das Innere indes bleibt verschlossen. Wann die Herforder den 13-Minuten-Film durchs Fenster sehen können, steht noch nicht fest. Bis September soll alles fertig sein. Dann ist Alexandra Ranner auch bereit, sich mit möglichen Kritikern zu unterhalten: »Ich habe keine Angst davor. Ich diskutiere gerne über Kunst.«

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