Kritik an Herforder Integrationsprojekt: »Jugendliche überfordert« Stürmisches Ende einer Bootstour

Herford (WB/us/hil). Es sollte eine fröhliche Bootstour auf der Weser werden. Eine Reise, auf der sich Jugendliche aus Herford und junge Geflüchtete kennenlernen sollten. Doch das Integrationsprojekt ist in schwere See geraten. Der beteiligte Boxsportverein Herford erhebt heftige Vorwürfe gegen die Projektleitung.

Ankunft in Bremerhaven: Die jungen Teilnehmer der Bootstour waren erschöpft, aber glücklich, dass sie gesund angekommen waren. Zum Verlauf der Ruderreise hat jetzt der Herforder Boxsportverein heftige Kritik an die Projektleitung gerichtet.
Ankunft in Bremerhaven: Die jungen Teilnehmer der Bootstour waren erschöpft, aber glücklich, dass sie gesund angekommen waren. Zum Verlauf der Ruderreise hat jetzt der Herforder Boxsportverein heftige Kritik an die Projektleitung gerichtet. Foto: Ivo Tödtmann

Die hatte der Drachenverein Nordstadt unter Vorsitz von Martin Joseph. Er persönlich hatte die Leitung auf der mehrtägigen Weserreise von Vlotho nach Bremerhaven, an der 26 junge Leute zwischen elf und 23 Jahren teilnahmen. Für viele Teilnehmer soll sie rückblickend zu einem Albtraum geworden sein.

Grüppchenbildung statt Integration

»Das Ziel ›Integration‹ ist nicht erreicht worden. Ganz im Gegenteil!« Der Vorsitzende des Boxsportvereins, Georg Kroner, sowie die Trainerin Merve Gülec wenden sich mit einigen Teilnehmern nun an die Öffentlichkeit, weil, so sagen sie, die nächste Tour bereits vom Drachenverein geplant werde. »Für die jungen Leute vom Boxverein ist die Bootsfahrt zu einem Trauma geworden, das noch nicht verarbeitet worden ist«, berichtet Merve Gülec.

Was war geschehen? Die Geschwister Christopher (23), Christian (22) und Clarissa (20) Bloch, Diana Kamo (15) und Orhan Dakhil erzählen: »Schon am ersten Tag ist es zur Gruppenbildung gekommen, Integration war ein Fremdwort.

Die Gruppe Nordstadtdrachen gegen den Rest der Rudergemeinschaft.« Gleich auf den ersten 80 Kilometern – sie wurden immer im Wechsel gerudert – seien die Jugendlichen überfordert gewesen.

»Es gab nur Wasser und Brot, das oft mehrere Tage alt war.«

»Wir sind morgens um 6 Uhr losgefahren und erst nachts um 1 Uhr auf einem Campingplatz angekommen, völlig entkräftet«, sagt Orhan Dakhil. An allen Tagen sei es ähnlich gewesen, denn auch die Verpflegung habe nicht ausgereicht.

Diana Kamo: »Es gab nur Wasser und Brot, das oft mehrere Tage alt und kaum essbar war. Wir haben zwischendurch richtig Hunger gehabt.« Gerudert habe man bei jedem Wetter, sogar im Regen und bei Gewitter.

Und weiter: »Wir haben versucht, unsere Kritik im Gespräch mit dem Leiter Martin Joseph zu klären. Doch es hat nichts geholfen.« Schließlich hatte BSV-Vorsitzender Georg Kroner die Reißleine gezogen: »Vor der letzten Etappe habe ich die Mädchen und Jungen unter 16 Jahren aus der Gruppe genommen und bin mit ihnen im Zug nach Bremerhaven gefahren. Sie konnten einfach nicht mehr weiterpaddeln, und es war auch unverantwortlich.«

Diakonisches Werk will Vorwürfe überprüfen

Projektleiter Martin Joseph hat seine Stellungnahme zu den Vorwürfen für Freitag angekündigt. In einem Beitrag in der WDR-Lokalzeit hatte er jedoch von einem »gelungenen Integrationsprojekt« gesprochen.

Im Diakonischen Werk, Kooperationspartner der Reise, will man sich mit den Vorwürfen befassen, wenn der Sozialpädagoge, der beim Projekt dabei war, aus seinem Urlaub zurück sei. »Natürlich wollen wir von ihm wissen, was da los war. Die Kritik wird nicht im Raum stehen bleiben«, erklärt Geschäftsführerin Barbara Geisler-Hadler.

Das Jugendamt der Stadt Herford hat alle Partner für nächste Woche zu einem Gespräch eingeladen. »Wir wollen auch unsererseits die Sache aufklären«, meint Jugendamtsleiter Andreas Spilker.

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Kritik ist berechtigt

Die Kritik des Boxsport Vereins aus Herford ist total berechtigt.Mit unerfahrenen Jugendlichen von denen einige unserer Sprache nicht mächtig sind, in einer Etappe über mehr als 80 km und das teilweise bei Nacht auf unbekannten Gewässern, bei ungenügender Verpflegung geht gar nicht und ist verantwortungslos! Das ab zu tun, wie Geschehen in einem TV Interview, mit dem Hinweis den Durchhaltewillen der Jugendlichen zu bewundern ist eine Frechheit. Außerdem, sich dann zum Abschluss der Reise auch noch in Bremerhaven in Schifffahrtswegen zu wagen, ohne entsprechende Erfahrungen und gegen den Rat von Leuten die sich dort auskennen, ist unglaublich dumm. Die eingesetzten Ruderboote sind ausschließlich für Binnengewässer zugelassen. Bleibt die Frage nach den Qualifikationen der verantwortlichen Organisatoren und der Bootssteurer. Das Jugendamt der Stadt Herford sollte entsprechend reagieren.
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