Film mit Herforderin darf in Kasachstan nicht gezeigt werden Heimatbesuch mit Widerständen

Herford (WB). Nach mehr als 25 Jahren hat die Herforderin Melitta Anselm zum zweiten Mal ihre Heimat in Südkasachstan besucht. Es war eine Rückkehr mit Turbulenzen – denn der Film, den ihre Tochter Marina dort mit ihr über die Stadt Karatau gedreht hatte, durfte nicht gezeigt werden.

Von Hartmut Horstmann
Die Herforderin Melitta Anselm in einer Filmszene, die in Karatau (Südkasachstan) entstanden ist: Die 58-Jährige war im Juni dabei, als der Film an seinem Entstehungsort gezeigt werden sollte. Doch eine öffentliche Vorführung wurde untersagt.
Die Herforderin Melitta Anselm in einer Filmszene, die in Karatau (Südkasachstan) entstanden ist: Die 58-Jährige war im Juni dabei, als der Film an seinem Entstehungsort gezeigt werden sollte. Doch eine öffentliche Vorführung wurde untersagt. Foto: Pius Neumaier

»Wind in meinem Haar« heißt der Film, der im Juni des vergangenen Jahres im Herforder Kino Capitol öffentliche Premiere hatte. Unter den Gästen waren viele Menschen, die wie Melitta Anselm aus Gebieten der ehemaligen Sowjetunion stammten. Nach der Premiere schloss sich eine angeregte Diskussion an – anders ein Jahr später in Karatau. Bei einem Testlauf, bei dem der stellvertretende Bürgermeister dabei war, verließ dieser nach fünf Minuten den Saal. »Er hat nur gesagt: Den Film zeigen wir nicht«, erinnert sich Marina Anselm. Gründe für das Verbot nannte er nicht. Vermutlich sei der Film als kritisch empfunden worden, so die Regisseurin. Vielleicht fehle das Gespür für Dokumentationen, stattdessen habe der stellvertretende Bürgermeister wohl Bilder erwartet, die für eine blühende Stadt werben.

Mehr als 200 Karten verkauft

Der Film »Wind in meinem Haar« handelt von einem Besuch der heute 58-jährigen Melitta Anselm in Karatau. Sie spricht mit alten Freunden – die Dokumentation lässt dabei auch erahnen, dass die Stadt ihre besten Jahre hinter sich hat. 40000 Menschen lebten dort einst, mittlerweile ist ihre Zahl auf 14000 gesunken.

Nach den Dreharbeiten entstand der Wunsch, den Film irgendwann an seinem Entstehungsort zu zeigen. Während des zweiten Besuchs begeisterte Marina Anselm den Leiter des dortigen Kulturhauses für eine Vorführung. Einen Trailer hatte er gesehen – und keine Bedenken.

»In kurzer Zeit haben wir mehr als 200 Karten verkauft, das Interesse war groß«, sagt Marina Anselm, die an der Filmhochschule in München studiert. Doch dann kam das Aus – wobei die Filmemacherin nicht nur von der Ablehnung, sondern auch von der Macht des stellvertretenden Bürgermeisters überrascht wurde: »Dass er die Vorführung einfach so verhindern könnte, hätte ich nicht geglaubt.«

Film zeigt große Heimatverbundenheit

Bei der Diskussion in Herford hatte sich gezeigt, dass es sich um einen sehr persönlichen Film handelt. Obwohl Melitta Anselm seit zweieinhalb Jahrzehnten in Deutschland lebt (seit zehn Jahren in Herford), ist die Verbundenheit mit Karatau groß. Niemals wäre sie Hauptfigur in einer Dokumentation geworden, die der Liebe zu dem Ort nicht Rechnung trägt.

Entsprechend positiv waren die Reaktionen, als sie den Film nach dem öffentlichen Verbot dort in einem privaten Rahmen zeigten. »Die Leute fanden die Dokumentation auch positiv«, so Marina Anselm. Und zu den angeblich zu negativen Bildern hätten die Menschen gesagt: »Wir wissen doch, wie es hier aussieht.«

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