Nach 15 Jahren verlässt Michael Kröger das Marta Der letzte Kurator aus der Hoet-Ära

Herford (WB). 15 Jahre seien genug, sagt Dr. Michael Kröger. Mit der Begründung, es sei Zeit für etwas Neues, verlässt der 60-Jährige das Marta. Damit verabschiedet sich der letzte künstlerische Mitarbeiter, der noch aus der Anfangszeit des Museums dabei ist.

Von Hartmut Horstmann
Michael Kröger (rechts) erklärt die Ausstellung »Zwischen Zonen«. Direktor Roland Nachtigäller und die Künstlerin Moufida Fedhila hören zu. Für den Kurator zeigt die Ausstellung, wie flexibel das Marta auf gesellschaftliche Entwicklungen reagiert.
Michael Kröger (rechts) erklärt die Ausstellung »Zwischen Zonen«. Direktor Roland Nachtigäller und die Künstlerin Moufida Fedhila hören zu. Für den Kurator zeigt die Ausstellung, wie flexibel das Marta auf gesellschaftliche Entwicklungen reagiert.

Wenn der promovierte Kunsthistoriker über das Marta spricht, versichert er, wie wohl er sich stets gefühlt habe. Nein, mit möglichen Missstimmungen habe sein Ausscheiden nichts zu tun, betont Michael Kröger. Die Aussicht, noch keine neue Anstellung zu haben, schreckt ihn offenbar nicht.

Sofort zum Gespräch geladen

Im Jahr 2002 hatte er im Marta begonnen. Das Museumsgebäude war noch lange nicht fertig, aber Jan Hoet stellte sein Team zusammen. Der Kurator, in Osnabrück wohnhaft und damals im Museum Schloss Moyland beschäftigt, bewarb sich und wurde sofort zum Gespräch geladen. Dieses habe gerade mal eine halbe Stunde gedauert: »Dann fragte Jan mich: Wann willst du anfangen?« Spätestens als Kröger von seiner Arbeit im Beuys-Archiv in Moyland erzählte, war der Marta-Gründungsdirektor interessiert.

»Spontanes Chaos«

Die Kurzfristigkeit der Einladung und der Entscheidung mag symptomatisch für die Anfänge des 2005 eröffneten Museums sein. Michael Kröger spricht von einem »spontanen Chaos mit allen Vor- und Nachteilen«. Die Ausstellungstaktung war hoch. Dass dies so funktioniert habe, sei vor allem Jan Hoet mit seinen weltweiten Kontakten zu verdanken gewesen. Eine Idee, ein Anruf und die Sache lief – die Kehrseite der Medaille, die das Museum damals oft in die Schlagzeilen brachte: »Die Überlegung, dass etwas ja auch bezahlt werden musste, stand eher an letzter Stelle.«

Kostenbudget einhalten

Hier hat sich laut Kröger ein Wandel vollzogen: »Es gibt ein Kostenbudget, das jeder Kurator einhalten muss.« Insofern bringt er die neue Ära unter Roland Nachtigäller auf die Formel: »Wir sind nicht nur kreativ, sondern auch kostenbewusst.« Das Kapital des Marta seien die Leidenschaft und die vielseitigen Ideen aller Mitarbeiter, fasst Kröger zusammen. Er selbst sieht sich als Ermöglicher und Vermittler von Kunst – eine Haltung, die er auch in zahlreichen Internet-Blogs zum Ausdruck bringt.

Schnelle Umsetzung von Themen

Die Selbstkritik, mit der er ausgestattet ist, führt zu einem differenzierten Bild auf das eigene Tun. Sehr positiv behält er die mit Anne Schloen gemachte Ausstellung »Asche und Gold« (2012) in Erinnerung, kritisch sieht er die »Visionen« von 2013: »Die Ausstellung blieb zu vordergründig, niemand wurde visionär gestimmt.«

Die letzte Ausstellung, die der Kurator zu verantworten hat, ist die aktuelle: »Zwischen Zonen.« Das private Finale wird für Kröger noch einmal zur Beschwörung des kreativen Marta-Geistes: »Dass wir so schnell und flexibel ein Thema der Flüchtlingskrise aufgreifen, das ist deutschlandweit schon etwas Besonderes.«

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