Polizei reagiert mit groß angelegten Kontrollen auf negative Unfall-Statistik im Kreis Herford Reihenweise Radler rausgewunken

Von Moritz Winde
Markus Bentrup im Gespräch mit Hauptkommissar Mario Hoffmann. Auch der 39-Jährige muss ein Verwarngeld in Höhe von 20 Euro bezahlen. Er war auf der falschen Seite des Bürgersteigs unterwegs.
Markus Bentrup im Gespräch mit Hauptkommissar Mario Hoffmann. Auch der 39-Jährige muss ein Verwarngeld in Höhe von 20 Euro bezahlen. Er war auf der falschen Seite des Bürgersteigs unterwegs.

Herford (WB). Die Statistik ist besorgniserregend: Die Zahl der Fahrradunfälle im Kreis Herford ist 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent gestiegen. Die Polizei reagiert auf diesen Negativ-Trend mit groß angelegten Kontrollen.

Zusammenarbeit der Behörden aus Herford und Minden

Am Dienstag haben sich Kommissare der Behörden Herford und Minden an zwölf Orten des Kreises auf die Lauer gelegt, reihenweise radelnde Verkehrssünder gestoppt – und zur Kasse gebeten. Insgesamt wurden 84 Radler kontrolliert. Davon mussten 67 ein Verwarngeld zahlen. In den meisten Fällen aufgrund der falschen Benutzung des Radweges.

Zähneknirschend zahlt Marc Symietz das Verwarngeld bei Oberkommissar Oliver Brock Foto: Moritz Winde

»Dann hätte ich gerne 20 Euro, zahlbar per EC- oder Kreditkarte. Damit wäre die Sache hier an Ort und Stelle für Sie erledigt.« Marc Symietz kann nicht glauben, was er soeben von Oberkommissar Oliver Brock gehört hat. »Geldmacherei!«, schimpft der 16-Jährige.

Auch wenn sich der junge Mountainbiker uneinsichtig zeigte: Er hatte sich definitiv nicht an das Rechtsfahrgebot gehalten. Vom H2O-Parkplatz kommend, war er ein kurzes Stück auf der falschen Bürgersteigseite unterwegs. »Manchmal reichen aber schon wenige Meter, um einen schlimmen Unfall zu verursachen«, sagte Hauptkommissar Mario Hoffmann. Er habe das Gefühl, dass das Unrechtsbewusstsein der Radler nicht allzu ausgeprägt sei.

Kontrollen am H2O

Den Polizisten war der Friedenstal-Gesamtschüler am Mittag auf der Wiesestraße ins Netz gegangen. Vier Beamte hatten sich unter hohen Bäumen an der Werre postiert, von wo aus sie einen guten Überblick hatten, aber gleichzeitig nicht sofort zu erkennen waren. Beinahe im Minuten-Takt wurden Radler herausgewunken. Fast alle fuhren auf der falschen Seite, hatten Kopfhörer in den Ohren oder daddelten auf dem Handy herum.

Wer noch keine 14 Jahre alt war, der kam mit einem Rüffel davon, erhält jedoch demnächst einen Elternbrief. Allen anderen ging es ans Geld. Kommissar Hoffmann: »Unsere Erfahrung zeigt, dass es nicht mit einer Ermahnung getan ist. Den Leuten muss es weh tun, damit sie sich beim nächsten Mal an die Verkehrsordnung halten.«

Einsichtig zeigte sich dagegen Markus Bentrup. Der 39-Jährige wurde angehalten, weil er sich auf seinem Pedelec ebenfalls nicht ans Rechtsfahrgebot gehalten hatte. »Ich habe einen Fehler gemacht. Die Kontrollen sind gut.«

Für Marc Symietz war der Tag gelaufen. Die 20 Euro Verwarngeld wollte er eigentlich für eine neue Musik-Anlage zur Seite legen. Bevor er sich wieder in den Sattel schwang, verschickte er noch schnell eine warnende SMS an seine Freunde im H2O: »Vorsicht Leute, draußen steht die Polizei und kontrolliert Radfahrer!«

Kommentare

Und morgen

Und morgen können die vier Kommissare dann die von Autos zugeprkten Radwege und Randstreifen kontrollieren!!!

Was Radfahrer alles dürfen

Eben wurde ich auf meinem Rad mit <30 cm Abstand von einem "Streifenwagen" überholt. Genau davon geht eine große Gefahr aus, und man erkennt die Ahnungslosigkeit. Ebenso die ständig bemängelten "Kopfhörer". Erst wenn die so laut "beschallen" das der umliegende Verkehr akustisch nicht mehr wargenommen wird, wird es problematisch. Übrigens das zählt auch für KFZ. Und bei den hochgedämmten Kisten hört man schon ohne OnBoardEntertaiment nix mehr

Ein Glück

Ein Glück, dass sich die Polizei nun wieder mit vollem Einsatz den wichtigen Themen annimmt und das ach so unausgeprägte Unrechtsbewusstsein der Radfahrer zum Kontrollschwerpunkt erklärt.

Hoffentlich ist im Dienstplan auch noch genügend Zeit eingeplant um sich mit dem wohl auch nicht allzu stark ausgeprägte Unrechtsbewusstsein der professionell organisierten Wohnungseinbrecher zu beschäftigen. Auch wenn die Erfolgsaussichten einen Einbrecher auf frischer Tat zu ertappen nicht ganz so hoch sein wird, wie einen Radfahrer zur Mittagszeit am Werreufer anzutreffen, wäre es dennoch wünschenswert.

das ist

endlich mal passiert. Das sollten die häufiger machen. Und vor allen Dingen ab der Herbstzeit, da kann man sehen, wie viele Radfahrer ohne Licht im Dunkeln fahren, das neuste Handy am Ohr aber keine Beleuchtungseinrichtung, denn dafür fehlt ja das Geld.

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