Behörden begründen ihr Schweigen nach der Sexualstraftat in der Zentralen Unterbringungseinrichtung in Herford »Schutz des Opfers hat Vorrang«

Herford (WB). Um die Persönlichkeitsrechte des Opfers zu schützen, habe die Staatsanwaltschaft Bielefeld Presse und Öffentlichkeit nicht aktiv über eine Sexualstraftat in der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) in Herford informiert. Das teilte Staatsanwältin Stefanie Lange am Montag auf Anfrage dieser Zeitung mit. Auch der Herforder Polizeisprecher Steven Haydon betonte: »Der Schutz des Opfers – eines Kindes – hat für uns Vorrang.«

Von Peter Schelberg
Die Zentrale Unterbringungseinrichtung an der Saarstraße in Herford: Hier halten sich derzeit 510 Asylbewerber auf.
Die Zentrale Unterbringungseinrichtung an der Saarstraße in Herford: Hier halten sich derzeit 510 Asylbewerber auf. Foto: Ralf Meistes

Pressesprecherin Lange bestätigte, dass die Polizei am 6. Juni einen 30-jährigen Asylbewerber aus Ghana vorläufig festgenommen und danach dem Haftrichter vorgeführt habe: »Der Mann sitzt in Untersuchungshaft.« Vorgeworfen werde ihm, wie berichtet, der sexuelle Missbrauch und die versuchte Vergewaltigung eines zehnjährigen Mädchens. Das Kind, das nach WB-Informationen aus Aserbaidschan stammt, war mit seiner Familie in der ZUE an der Saarstraße untergebracht. »Der Beschuldigte streitet die Tat grundsätzlich nicht ab«, sagte die Staatsanwältin. Im Detail gebe es aber noch sich widersprechende Angaben: »Der tatsächliche Geschehensablauf muss daher in weiteren Vernehmungen ermittelt werden.«

Opfer und Familie sind in andere Einrichtung verlegt worden

Das Opfer sei zusammen mit seinen Familienangehörigen in eine Einrichtung für besonders schutzwürdige Personen verlegt worden und werde dort betreut, teilte Peter Westphal (Bezirksregierung Detmold) mit. Das Jugendamt sei informiert. An der grundsätzlichen Eignung der ZUE und dem Sicherheitskonzept ändere sich durch den Vorfall nichts. Die Bezirksregierung habe den Vergewaltigungsverdacht nicht geheim gehalten: Dieser sei von ihr mit Rücksicht auf Ermittlungen und aus Opferschutz-Gründen nicht aktiv kommuniziert worden. Grundsätzlich obliege es der Kreispolizeibehörde, über Polizeieinsätze zu informieren.

Schockiert über den Vorfall zeigte sich ein Anwohner, der nicht genannt werden will. Er kritisiert: »Hier ist versucht worden, wieder mal etwas unter den Teppich zu kehren. Wenn so etwas passiert, müssen die Anwohner doch von den Behörden informiert werden. Stattdessen erfahren sie es aus der Zeitung.«

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