Frank Hölscher: Vier Sonderöffnungen reichen für Herford Einzelhändler begrüßen klare Regeln zu offenen Sonntagen

Herford (WB). CDU und FDP haben sich bei den Koalitionsgesprächen darauf geeinigt, dass NRWs Kommunen künftig pro Jahr bis zu acht verkaufsoffene Sonntage genehmigen können. Zugleich soll die Rechtsunsicherheit bei den Anlässen für die Sonntagsöffnung beseitigt werden. Gerade der zweite Punkt stößt in Herford auf viel Zustimmung.

Von Ruth Matthes
Verkaufsoffene Sonntage erfreuen sich in Herford großer Beliebtheit. Die Fußgängerzone ist wie hier am Gehrenberg stets gut gefüllt. Die künftige NRW-Regierung will nun insgesamt acht offene Sonntage im Jahr ermöglichen. Die Resonanz ist geteilt.
Verkaufsoffene Sonntage erfreuen sich in Herford großer Beliebtheit. Die Fußgängerzone ist wie hier am Gehrenberg stets gut gefüllt. Die künftige NRW-Regierung will nun insgesamt acht offene Sonntage im Jahr ermöglichen. Die Resonanz ist geteilt. Foto: Sophie Hoffmeier

Kann sich die Koalition durchsetzen, wären doppelt so viele Sonntage in einem Stadtteil möglich wie bisher. Ob Herford eine solche Zahl überhaupt anstreben sollte, daran zweifeln die Einzelhändler jedoch. Zur Erinnerung: In diesem Jahr hat man sich, um Klagen der Gewerkschafter zu verhindern, in Herford auf drei verkaufsoffene Sonntage zu größeren Anlässen geeinigt. Anderenorts hatten bereits geplante Öffnungen wegen Klagen von Verdi abgesagt werden müssen.

Service zählt

Ekrem Keskin, Hausleiter von Klingenthal, wertet diesen Kompromiss zwischen CDU und FDP als »super positives Signal«. »Wenn es endlich Rechtssicherheit gäbe und man von der bisherigen Prämisse abginge, dass der Anlass mehr Leute anlocken muss als der verkaufsoffene Sonntag selbst, dann wäre schon viel gewonnen. Das Verhältnis ist doch überhaupt nicht abzuschätzen«, erklärt er.

Er könne sich vorstellen, dass Klingenthal, vorausgesetzt der Betriebsrat stimme zu, auch an mehr als vier Sonntagen öffnen würde. »Ich bin der Ansicht, dass wir uns danach richten müssen, wann die Leute Zeit haben einzukaufen, und eben auch einmal gemeinsam als Familie«, so Keskin. Da sei ein verkaufsoffener Sonntag optimal. Für Keskin steht an Sonntagen nicht der Umsatz sondern der Service-Gedanke im Vordergrund. Auch die Attraktivität einer Stadt werde dadurch gestärkt.

»Kein Allheilmittel«

Frank Hölscher, Geschäftsführer der Pro Herford, begrüßt die Entwicklung ebenfalls. »Wir müssen sehen, welche konkreten Formen die Pläne der künftigen Regierung annehmen, doch erst einmal ist es positiv, dass es in Sachen Anlässe klare Regeln geben soll.«

Hölscher geht davon aus, dass Herford mit vier Sonntagen gut auskäme. Über einen fünften oder sechsten könne man nachdenken. Schließlich müssten entsprechende Anlässe auch gefunden und vorbereitet werden. Denn ganz ohne zusätzliche Attraktionen wie Auto-Meile oder City-Kirmes gehe es nicht. »Verkaufsoffene Sonntage sind kein Allheilmittel«, gibt er zudem zu bedenken.

»Nicht zeitgemäß«

Dr. Axel Berger vom Einzelhandelsverband wäre ebenfalls froh, »wenn wir problemlos vier offene Sonntage hinbekämen«. Es gelte die Gespräche mit Verdi und den Kirchen abzuwarten, ob es wirklich zu acht möglichen Sonntagen komme. »Auch wir wollen den Sonntag nicht wie einen normalen Arbeitsalltag behandelt sehen«, erklärt er. Man müsse bei dem Thema auch kleinere, inhabergeführte Läden im Blick haben.

Ein solcher ist Nicolas Tscheche vom gleichnamigen Schuhhaus: Er begrüßt die Entwicklung ebenfalls, hält mehr als vier Sonntage jedoch für unrealistisch. Der Aufwand stehe nicht im Verhältnis zum Ertrag. Christine Wattler (Peacock) reichen ebenfalls vier Aktionen. »Für zeitgemäßer halte ich aber einzelne Abendevents mit längeren Öffnungszeiten.«

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