Draffoh Rheinmann pflanzt in den Werregärten einen »Friedensturm« Peace, Love und Ahornbäume

Herford (WB). Fünf schlanke Ahorn-Bäume, dazu ein Granitstein, auf dem ein Peace-Zeichen und »Pax Optima Rerum« zu erkennen ist: Seit einigen Monaten steht und wächst die Baum-Installation jenes Herforders, der sich als Künstler Draffoh Rheinmann nennt, in den Werregärten.

Von Hartmut Horstmann

Aus Bäumen soll Turm werden

Die Arbeit, die noch im Entstehen begriffen ist, trägt den Titel »Herforder Friedensturm«. Das Konzept stammt aus dem Jahr 2014. Als es damals im Kulturbeirat behandelt wurde, war es der Beginn einer Grundsatzdiskussion über Kunst im öffentlichen Raum. Und nicht zuletzt, weil der Stadt keine Kosten entstehen, erhielt Rheinmann grünes Licht.

Derzeit benötigt der Betrachter jedoch viel Phantasie, um den Friedensturm erahnen zu können. Rheinmann, der in den Werregärten alle zwei bis drei Tage nach dem rechten sieht, sagt: »In den nächsten 10 bis 20 Jahren sollen die Ahornbäume durch ständiges Schneiden, Binden und Pfropfen zu einem Turm zusammenwachsen.« Ursprünglich wollte der Kunstaktivist Linden pflanzen, doch erwiesen sich diese als zu teuer. Da gab ihm ein Förster den Tipp mit den Ahornbäumen und erteilte die Genehmigung, in Bad Salzuflen fünf auszugraben.

Künstler will 100 Jahre alt werden

Die Zahl »Fünf« steht für die fünf Erdteile, als Termin für die Anpflanzung hat Rheinmann bewusst den 13. Februar gewählt. An diesem Tag jährt sich die Bombennacht von Dresden – und die mittlerweile verstorbene Mutter des Künstlers hat diese Nacht miterlebt: »Körperlich blieb sie unverletzt. Aber ihre Seele hat bis zu ihrem Tod darunter gelitten.«

Daher will der Herforder durch den »weltweit einzigen wachsenden Friedensturm« vor Augen führen, dass der Friede nichts Selbstverständliches ist, sondern gepflegt werden muss. Gleiches gilt für die Bäume – um seinem Anliegen Nachhaltigkeit zu verleihen, verspricht Rheinmann: »Ich werde 100 Jahre alt.«

Zurück zum Idealismus der Jugend

Dass er die Bäume gut auf ihre Aufgabe vorbereitet hat, erfährt er beim Blick auf die Stützpfeiler aus abgeschlagenen Buchenästen. Auch von denen seien zwei ausgeschlagen, stellt er mit Freude fest. Ein kleines Wunder für den Frieden, dabei offenbart sich dem Betrachter derzeit nur ein Provisorium. So soll im Innern des Fünf-Baum-Kreises später eine zu einem Peace-Zeichen geschnitzte Baumscheibe aufgestellt werden.

Als Kunstfigur namens Rheinmann kehrt der 63-Jährige so zum unverbrauchten Idealismus seiner Jugend zurück. »Peace, Love and Music« – das habe es auch in Herford gegeben, sagt er. Zwar nicht so spektakulär wie in noch größeren Städten dieser Welt, aber: »Wir saßen im Fla Fla und schauten nach San Francisco.«

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