Schlennstedt veröffentlicht 17. Krimi – Anlehnung an Fall aus Höxter »Horror-Haus« liefert Vorlage

Herford (WB). Ein brisanteres Thema hat der Autor Jobst Schlennstedt bisher noch nicht verarbeitet. Die Vorgänge um das »Horror-Haus« von Höxter dienen als Vorlage für seinen neuen Regionalkrimi.

Von Hartmut Horstmann
Jobst Schlennstedt bei einer Lesung in der Herforder Buchhandlung Otto: Sein neuer Regionalkrimi hat das Geschehen um das »Horror-Haus« von Höxter zur Vorlage. »Nebelmeer« ist zum Preis von 10.90 Euro im Emons-Verlag erschienen.
Jobst Schlennstedt bei einer Lesung in der Herforder Buchhandlung Otto: Sein neuer Regionalkrimi hat das Geschehen um das »Horror-Haus« von Höxter zur Vorlage. »Nebelmeer« ist zum Preis von 10.90 Euro im Emons-Verlag erschienen. Foto: Hartmut Horstmann

Mittlerweile der 17. Krimi

Bei der Neuerscheinung »Nebelmeer« handelt es sich um den mittlerweile 17. Krimi des 40-Jährigen. Eine bemerkenswerte Zahl – zumal der Autor als Geschäftsführer einer Lübecker Beratungsfirma und zweifacher Familienvater kaum über einen Freizeitüberschuss verfügen dürfte.

Zwei seiner Regionalkrimis hat der gebürtige Herforder auch in Ostwestfalen spielen lassen – wobei Schlennstedt auch hier keine Scheu vor heiklen Themen hatte. So handelt »Dorfschweigen« vom rechtsradikalen Milieu. Um hier keine Missverständnisse zu erzeugen, hatte der Autor die Handlung in einen fiktiven lippischen Ort namens Finstrup verlegt.

Die Perspektive der Opfer

In seinem neuen Buch vollzieht sich das Geschehen im Lübecker Bereich. So wird in den Dünen am Priwallstrand eine skelettierte weibliche Leiche gefunden. Schnell offenbaren sich dem Ermittler Birger Andresen Parallelen zu einem Fall, der schon Jahre zurückliegt.

Wer mehr über die weiteren Ermittlungen wissen will, muss selbst zum Roman greifen. Nur so viel: In dem Grauen, das ans Tageslicht gefördert wird, kommt auch ein routinierter Kommissar an seine Grenzen. Als Vorbild für seine Geschichte hätten die Ereignisse aus Höxter gedient, erläutert der Autor. Zwar erzähle er eine eigene Geschichte, aber es gebe schon Anlehnungen an den Fall.

Wichtig ist für Schlennstedt die Perspektive der Opfer. Er beschreibe Schicksale von Frauen aus sozial schwachen Schichten, die von einem Paar in ein Haus gelockt und missbraucht würden. Viel hat der Wahl-Lübecker über das so genannte Horrorhaus gelesen, doch will er sein Buch nicht als Roman-Dokumentation verstanden wissen. Was tatsächlich passiert sei und was er erfunden habe, diese Grenze sei in dem Krimi nicht erkennbar.

»In Höxter nicht so gerne lesen«

Dass es schwer ist, als Mann aus der Perspektive einer missbrauchten Frau zu schreiben, weiß der 40-Jährige. Er gehe das Ganze daher mit sehr viel Respekt an – aber es gibt für ihn keinen Grund, die Darstellungsfähigkeit grundsätzlich in Frage zu stellen: »Ich erzähle ja oft aus der Sicht anderer Personen.« Über eine der gequälten Frauen heißt es in »Nebelmeer«: »Die Aussicht, dass im Jenseits alles besser sein würde als die Qualen im Hier und Jetzt, ließ ein kurzes Lächeln über ihre Lippen huschen.«

Auch wenn vieles ausgedacht ist: Jobst Schlennstedt weiß, dass der Leser immer eine Verbindung zu der »echten Geschichte« herstellt. Daher äußert er zum Schluss auch einen Vorbehalt: »Ich glaube, in Höxter würde ich aus dem Buch nicht so gerne lesen wollen.«

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