Lesbische Beziehung scheitert: Verlassene Frau will Konkurrentin töten Eifersuchtsdrama unter Frauen

Herford (WB). Eine Frau findet heraus, dass ihre Lebenspartnerin nach mehr als zehn Jahren eine neue Frau gefunden hat. Sie versucht, die Konkurrentin umzubringen – und steht deshalb seit Montag wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Bielefeld.

Von Christian Althoff
Symbolbild..
Symbolbild.. Foto: dpa

Seit 2004 lebte die Angeklagte Petra K. (48) aus Herford mit ihrer Freundin (50) in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Die Ältere brachte zwei heute vier und fünf Jahre alte Kinder zur Welt, die von Pe­tra K. adoptiert wurden.

Weil sie 2015 zufällig auf entsprechende Whatsapp-Nachrichten stieß, erfuhr Petra K., dass ihre Lebensgefährtin eine neue Frau hatte – eine Verwaltungsangestellte (50) aus Minden, die ihren Mann verlassen hatte.

Vom Tattag im Mai 2016 weiß Petra K., die nach Einschätzung eines Gutachters voll schuldfähig ist, nach eigenen Angaben so gut wie nichts mehr. »Ich habe unsere Kinder morgens zum Kindergarten gebracht und bin zur Arbeit gefahren. Danach kann ich mich an nichts mehr erinnern.«

Die Polizei rekonstruierte später: Petra K. passte die Mindenerin ab, als sie abends von der Arbeit kam und ihren Wagen parkte. Sie bat die Frau um eine Aussprache, und beide unternahmen einen langen Spaziergang, der sie durch die Stadt in einen Park an der Weser führte.

»Ich hatte Todesangst«

Das Opfer sagte am Montag als Zeugin: »Petra erzählte, sie habe das Haus in Herford aufgeräumt. Ich sollte dort einziehen, und sie wollte sich umbringen. Wir sind schweigend weitergegangen. Irgendwann drehte sich Petra immer wieder um, als wolle sie sicher sein, dass niemand in der Nähe ist. Dann schlug sie mir plötzlich mit der Faust ins Gesicht. Ich ging zu Boden. Sie setzte sich auf mich drauf und würgte mich mit beiden Händen.«

Sie habe um Hilfe gerufen, aber irgendwann sei ihre Stimme nur noch ein Krächzen gewesen, sagte das Opfer. »Ich hatte Todesangst.« Eine Joggerin alarmierte andere Spaziergänger. Eine Journalistin (48): »Ich bin sofort hingelaufen. Ich dachte erst, da sitzt ein Mann auf einer Frau. Deshalb habe ich mich nicht getraut, massiv einzugreifen.«

Sie habe dann aber von hinten den linken Arm gefasst und daran gezerrt. »Die Person sah sich um, und ich erkannte, dass es eine Frau war. Irgendwann bekam ich die linke Hand los, aber die Frau hat mit der rechten Hand einfach weitergewürgt – bis ein Mann eingriff.«

Knorpelbrüche im Kehlkopf

Oberstaatsanwalt Franz-Josef Weber dankte der Zeugin für ihre Courage. »Sie haben der Frau wahrscheinlich das Leben gerettet.« Das Opfer erlitt damals Knorpelbrüche im Kehlkopf, die Stimme ist bis heute verändert.

Verteidiger Dirk Baumann sagte, seine Mandantin sei »zu schwach«, um selbst auszusagen. Er las eine Stellungnahme vor, in der die Angeklagte die Schuld auf sich nimmt. Sie sei verzweifelt, einsam und hoffnungslos gewesen und habe Suizidgedanken gehabt. Ihre Partnerin sei »die Liebe ihres Lebens« gewesen.

Noch besteht die Lebenspartnerschaft auf dem Papier, und so machte die 50-Jährige, die jetzt mit ihren Kindern bei der neuen Freundin in Minden lebt, keine Aussage. Sie setzte sich demon­strativ neben die Angeklagte und weinte mit ihr.

Auch das Opfer hegt keinen Groll. »Ich habe kein Interesse daran, dass Petra ins Gefängnis kommt«, sagte die Mindenerin. Nach eigenen Angaben besucht das neue Paar Petra K. etwa einmal in der Woche mit den Kindern und hilft der depressiven Frau im Haushalt.

Das Urteil soll am Donnerstag gesprochen werden.

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