Spaziergängerin findet verletzten Greifvogel – Auswilderung nach zwei Wochen Flieg, Bussard, flieg!

Spenge (WB). Es rappelt ordentlich im Karton. Immer unruhiger wird der Mäusebussard in seiner unfreiwilligen Pappbehausung. Dann werden die Deckel geöffnet, der Greifvogel lugt vorsichtig hervor – und rast ohne zu Zögern mit Höchstgeschwindigkeit in Richtung Freiheit.

Von Karl-Hendrik Tittel
Der Herforder Artenschutzexperte Peter Franzeck vom BUND öffnet den Pappkarton und entlässt den Mäusebussard zurück in die Natur. Anja Alvarez beobachtet die Auswilderung mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Sie hatte den verletzten Greifvogel beim Gassigehen mit »Herrn Schröder« entdeckt.
Der Herforder Artenschutzexperte Peter Franzeck vom BUND öffnet den Pappkarton und entlässt den Mäusebussard zurück in die Natur. Anja Alvarez beobachtet die Auswilderung mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Sie hatte den verletzten Greifvogel beim Gassigehen mit »Herrn Schröder« entdeckt. Foto: Karl-Hendrik Tittel

Bussard konnte nicht mehr fliegen

Das Schauspiel währt nur einen Augenblick. Nach wenigen Sekunden ist der Bussard bereits hinter der ersten Baumkrone verschwunden. Mit einem Lächeln schaut Anja Alvarez den Freiheitsflug hinterher. Sie hatte das Tier vor knapp drei Wochen verletzt gefunden und dem Vogel durch ihr sofortiges Handeln sehr wahrscheinlich das Leben gerettet.

Genau genommen ist der Fund der Spürnase von »Herrn Schröder«, ihrem putzigen Zwergspitz, zu verdanken, der sein Frauchen auf den verletzten Greifvogel aufmerksam machte.

»Lass mich los!«, scheint der Mäusebussard zu krächzen. In Olderdissen wurde der verletzte Vogel wieder aufgepäppelt.

»Wir waren im Wald unterwegs, als Herr Schröder plötzlich anschlug, nicht viel später sah ich den Bussard, wie er an einem Bach saß und offensichtlich angeschlagen war«, erinnert sich Alvarez. Als sie sich näherte, wollte der Vogel flüchten, war aber nicht in der Lage zu fliegen. Das Ganze spielte sich nicht weit von ihrem Haus ab, so konnte sie in wenigen Minuten mit entsprechenden Hilfsmitteln zurückkehren.

»Mithilfe eines Tuchs und einer Mütze habe ich das Tier greifen und in einen Karton legen können.« Eine beherzte Aktion, denn der Vogel wehrte sich instinktiv, was der Spengerin einige leichte Kratzer an der Hand bescherte.

Diagnose: Prellung des Flügels

Sofort danach rief sie bei der Herforder Kreisgruppe des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) an, die mit Peter Franzeck einen erfahrenen Artenschutzexperten für Greifvögel und Eulen in ihren Reihen hat, der rasch zum Fundort nach Spenge-Mantershagen fuhr. »Äußerlich war nur eine leichte Flügelverletzung zu erkennen, nichtsdestotrotz war das Tier flugunfähig«, sagt Franzeck, der den Bussard in den Tierpark Bielefeld-Olderdissen zur Auffangstation brachte. »Dort konnte der Tierpfleger keinen Flügelbruch feststellen und gab ihm gute Chancen, dass er sich wieder erholt«, so Franzeck.

Etwas mehr als zwei Wochen dauerte die Heilung des gefiederten Patienten, der jetzt gesund und munter in seinen heimischen Gefilden ausgewildert werden konnte. »Er hatte sich eine Prellung oder Stauchung zugezogen, allerdings so stark und schmerzhaft, dass das Tier den betroffenen Flügel nicht benutzen konnte«, nennt Franzeck die inzwischen bekannte Diagnose.

Derartige Verletzungen seien nichts Ungewöhnliches für diese Greifvögel. »Es kommt beispielsweise häufiger vor, dass Bussarde von Autos erfasst werden oder sich im Kampf mit Artgenossen die Flügel verkeilen und verletzen.« Letztlich wird man es nie erfahren. Auch das Geschlecht und das Alter wurden nicht bestimmt, wahrscheinlich handelt es sich um ein Weibchen.

Auswilderung ein »bewegender Augenblick«

Für Peter Franzeck, der in den vergangenen Jahren einige verletzte Vögel nach erfolgreicher Genesung auswildern konnte, ist das stets ein bewegender Augenblick. »Einem Tier seine Freiheit wiedergeben zu können, ist für mich ein Glücksmoment«, sagt der Herforder Naturfreund, der sich bei Anja Alvarez für ihr vorbildliches Verhalten bedankte.

Diese hat ganz ähnliche Gefühle, als sie mit Herrn Schröder beobachtet, wie Franzeck den Karton öffnet, und ihr Findling wie aus der Pistole geschossen durch die Luft saust. »Ich freue mich sehr, dass es das Tier geschafft hat und jetzt wieder ganz gesund ist.«

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