10 000 Geschäftskunden bei Sparkasse Herford betroffen – Dienstleister kritisiert Höhe Gebühren steigen um bis zu 200 Prozent

Herford (WB). Die Sparkasse Herford wird zum 1. Juli für Geschäftskunden die Gebühren anheben. Bei einzelnen Positionen beträgt die Preissteigerung 200 Prozent. Heinz Böhmer, der wie alle übrigen 10 000 Geschäftskunden schriftlich darüber informiert wurde, bringt das auf die Palme.

Von Klaus Münstermann
Heinz Böhmer hat die Positionen mit den höchsten Erhöhungen von 80 bis 200 Prozent im Schreiben der Sparkasse gelb markiert. Für seinen Büroservice hat er ausgerechnet, dass die Zahlungsverkehrkosten um etwa 35 Prozent steigen dürften.
Heinz Böhmer hat die Positionen mit den höchsten Erhöhungen von 80 bis 200 Prozent im Schreiben der Sparkasse gelb markiert. Für seinen Büroservice hat er ausgerechnet, dass die Zahlungsverkehrkosten um etwa 35 Prozent steigen dürften. Foto: Klaus Münstermann

Der 67-Jährige ist seit 22 Jahren mit seinem Büroservice in Hiddenhausen selbstständig und ebenso lange Geschäftskunde bei der Sparkasse Herford. Doch nun denkt der Buchhalter über einen Wechsel zu einem anderen Geldinstitut nach. »Ich werde zunächst den Vorstand anschreiben und um Auskunft bitten, wie diese Anhebungen zustande kommen«, sagt Heinz Böhmer.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat ihm bereits auf seine Bitte hin geschrieben, dass sie keinen Einfluss auf die Preisgestaltung der Geldinstitute habe.

Sparkassen-Card kostet künftig 9,60 Euro pro Jahr

Die Sparkasse Herford wird den monatlichen Grundpreis für ein Geschäftsgirokonto bei 6,50 Euro pro Monat belassen. Die bislang kostenlose Sparkassen-Card wird fortan 80 Cent pro Monat kosten. Alle übrigen Einzelleistungen wie Online-Buchungen, beleglose und beleghafte Überweisungen sowie Bargeldverkehr werden erhöht (siehe Kasten). »Das sind bei einer SEPA-Lastschrift 80 Prozent mehr und bei Scheck-Einlösungen sowie Ein- und Auszahlungen an der Kasse 200 Prozent«, hat Heinz Böhmer ausgerechnet. Zudem hat er anhand seiner Kontoauszüge der vergangenen sechs Monate festgestellt, dass er für seine Geschäftsvorgänge vom 1. Juli an etwa 35 Prozent mehr zu zahlen hätte. »Wenn ich das bei meinen Kunden machen würde, würden die sagen, ›Du hast sie wohl nicht mehr alle‹«, so Böhmer.

»Wie stehen die hohen Ausschüttungen und die hohen Zahlungen an die Vorstandsmitglieder mit diesen Erhöhungen in Einklang? Die Sparkasse hat jegliches Augenmaß verloren«, sagt der 67-Jährige. Wie am 13. Mai bereits berichtet, werden sechs Millionen Euro des Jahresüberschusses 2016 an die Träger des Sparkassen-Zweckverbandes, den Kreis Herford sowie die Städte Bünde, Herford, Löhne und Vlotho verteilt. Wie ebenfalls berichtet erhielt Sparkassen-Chef Peter Becker im Jahr 2016 insgesamt 502 000 Euro, Horst Prüßmeier als Vorstandsmitglied 462 000 Euro und Kay Hoffmann 445 000 Euro. Der Vorstand wird zur Mitte des Jahres allerdings auf zwei Stellen verkleinert. Hoffmann wechselt in den Vorstand der Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg.

Preise seit mehr als zehn Jahren nicht angepasst

Im Schreiben der Sparkasse an ihre Geschäftskunden heißt es, dass »Preise für viele Leistungen seit mehr als zehn Jahren nicht angepasst wurden«. Während dessen sei aber maßgeblich in Sicherheit, Datenschutz, Digitalisierung und neue Zahlungsverkehrslösungen investiert worden. Zudem führten allgemeine Kostensteigerungen zu den Preisanpassungen. »Diesen Argumenten ist nichts hinzuzufügen«, sagte Marion Vaal, stellvertretende Leiterin der Unternehmenskommunikation gestern auf Anfrage dieser Zeitung. Dieselben Gründe hatte die Sparkasse bereits im Oktober 2015 angeführt, als die Gebühren für Privatkunden angehoben wurden.

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