Umbau der Herforder Wache soll ein Jahr länger dauern – Kritik der GdP
Polizisten in der Warteschleife

Herford (WB). Eigentlich sollte die Herforder Polizeiwache längst wieder voll funktionstüchtig sein. Doch wie jetzt bekannt wurde, dauert der Umbau wesentlich länger – und soll deutlich teurer werden. Schätzungsweise ein weiteres Jahr werden sich die Arbeiten hinziehen.

Donnerstag, 27.04.2017, 08:00 Uhr
Weil es das Land NRW vorschreibt, müssen die fünf Gewahrsamszellen bei der Polizei in Herford erneuert werden. Trunkenbolde und Krawallmacher werden derzeit auf die Wache nach Bünde gebracht. Foto: Moritz Winde

Umzug war als Übergangslösung gedacht

Vor genau zwölf Monaten »flohen« die 60 Streifenpolizisten – 19 Frauen und 41 Männer – vor Staub und Lärm zu ihren Kollegen von Verkehrskommissariat und Opferschutz an die Elverdisser Straße. Es sollte ein Umzug auf Zeit sein, eine provisorische Lösung. Damals sprach die Behörde von einem Dreivierteljahr.

Seit Herbst 2016 steht die alte Leitstelle leer. Hier soll das neue Revier für die 60 Streifenpolizisten entstehen. Doch mit einem Baubeginn ist frühestens Mitte des Jahres zu rechnen.

Seit Herbst 2016 steht die alte Leitstelle leer. Hier soll das neue Revier für die 60 Streifenpolizisten entstehen. Doch mit einem Baubeginn ist frühestens Mitte des Jahres zu rechnen. Foto: Moritz Winde

Diese Zeit ist lange vorbei, eine Rückkehr ins Dienstgebäude an die Hansastraße aber in weite Ferne gerückt. Dort sind die Bauarbeiten nach wie vor in vollem Gang – oder noch gar nicht gestartet. Das sorgt bei einigen Beamten für Ärger. »Unmöglich! Was ist das bloß für eine Planung?«, fragt ein Kommissar, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Zwar arrangiere man sich, auf Dauer seien die Arbeitsbedingungen an der Elverdisser Straße jedoch unzumutbar. »Die Räume sind nicht für so viele Menschen ausgelegt.« Auch von der Polizei-Gewerkschaft gibt es Kritik.

Zellen sollten im März fertig sein

Warum hinkt man derart hinter dem Zeitplan hinterher? Die Vergrößerung und Modernisierung der fünf Gewahrsamszellen sollte ursprünglich im März abgeschlossen sein. »Leider hat es Lieferverzögerungen bei Fenstern und Türen gegeben. Zudem wurden bei Stemmarbeiten Abweichungen der Statik festgestellt. Wir gehen davon aus, dass die Zellen nun im August fertig sein werden«, sagt Carsten Pilz vom zuständigen Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) Nordrhein-Westfalen. Gut eine Million Euro seien im Vorfeld dafür eingeplant gewesen. Jetzt werde es 15 000 Euro teurer. Polizeisprecher Steven Haydon sagt: »Alle, die bereits privat Bauerfahrungen gesammelt haben, wissen, dass mit Verzögerungen gerechnet werden muss.«

Seit 1986 ist das markante rote Gebäude Sitz der Kreispolizei Herford. Aus Sicherheitsgründen soll es nun mit einer neuen, modernen Anlage eingezäunt werden.

Seit 1986 ist das markante rote Gebäude Sitz der Kreispolizei Herford. Aus Sicherheitsgründen soll es nun mit einer neuen, modernen Anlage eingezäunt werden. Foto: Moritz Winde

»Still ruht der See« dagegen komplett beim zweiten Projekt. Nachdem die Leitstelle vor einem halben Jahr die hochmodernen Räume im Obergeschoss bezogen hat, liegt die alte Leitstelle im Erdgeschoss verlassen da. Arbeiter sucht man vergebens. Hier sollte das neue Revier für die Streifenpolizisten entstehen. Steven Haydon erklärt: »Das Projekt Wache sah lediglich den Rückbau der alten Leitstelle vor.« Doch das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) in Duisburg habe nach einer Begehung die Ursprungs-Pläne gekippt.

Polizei-Gebäude erhält neue Zaunanlage

Statt die 1986 erbaute Wache nur zu renovieren, soll nun die große Lösung her. Das heißt: Alles wird neu gemacht – von den Büros über die sanitären Einrichtungen bis hin zum Empfangsbereich für die Bürger. Natürlich wird auch die veraltete Technik auf den aktuellen Stand gebracht. Noch liege zwar keine Kostenberechnung durch die Architekten und Ingenieure vor, sagt Carsten Pilz vom BLB. Es sei aber davon auszugehen, dass die vom Land bereitgestellten 1,1 Millionen Euro angesichts der neuen Konzeption nicht ausreichen werden. Zumal die Polizeiwache außerdem noch mit einer neuen Zaunanlage gesichert werden soll. Warum diese Pläne erst jetzt ausgearbeitet werden, ist unklar.

»Sobald die Kosten genehmigt sind, werden die Gewerke ausgeschrieben. Dabei sind entsprechende Fristen einzuhalten. Mit einem Baubeginn vor Mitte des Jahres ist demnach leider nicht zu rechnen«, sagt Polizeisprecher Steven Haydon. Die Streifenpolizisten müssen sich also weiter in viel Geduld üben.

GdP-Vorsitzender spricht von »Frechheit«

Ralf Walpurgis (50) ist Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Kreis Herford. Er übte im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT scharfe Kritik und sagte, er habe kein Verständnis für den Stillstand der Arbeiten. »Das ist eine Frechheit! Ich habe das Gefühl, dass sich das Projekt künstlich in die Länge zieht. Der BLB scheint zu phlegmatisch zu sein, die Absprachen unter den Großbehörden – ich meine LZPD und BLB – funktionieren offensichtlich nicht.« Minimale Verzögerungen seien okay, aber die Tatsache, dass beim Umbau der Leitstelle gar nichts passiert, sei ein starkes Stück. »Warum wurden die Gelder noch nicht bereitgestellt?« Der Hauptkommissar sagte weiter, dass der Unmut der Kollegen wachse. »Die Beamten müssen sehr viel ertragen.«

Der BLB war zuletzt mit einer Fehlkalkulation bei der Fachhochschule Bielefeld in die Schlagzeilen geraten. 2014 musste der Steuerzahler für den Neubau etwa 118 Millionen Euro mehr berappen als geplant.

 

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